Legenden am Lagerfeuer: Der flüchtige Traum von Dark Souls

Special Malik Brugger Lukas Schmid
Legenden am Lagerfeuer: Der flüchtige Traum von Dark Souls
Quelle: From Software

Die Lore von Dark Souls fasziniert Fans bis heute. Autor Malik wagt einen Streifzug durch das düstere Fantasy-Universum und erzählt euch die Geschichte durch die Augen der Figuren, die sie geprägt haben. Teil 3 ist ein flüchtiger Traum ...

Diese Reise durch die Lore von Dark Souls ist der dritte Teil unseres Specials, in der wir die düstere Welt des Fantasy-Meisterwerks mal mit etwas anderen Augen betrachten. Wir empfehlen euch, euch vor dem Lesen die ersten beiden Teile zu Gemüte zu führen:


"Unsere Ritter ziehen nach Anor Londo ab." Llenas Finger glitten wiederholt durch ihr honigblondes Haar, um jede störrische Locke herauszukämmen. "Wirst du ihnen folgen und Astora verlassen?"

Ich schüttelte den Kopf.

"Und was, wenn ich nach Anor Londo gehe? In König Gwyns offene Arme?" Llena hielt den Kopf schräg, ihre Silhouette umrahmt von den Birnenbäumen, deren Zweige im warmen Licht zitterten. Das Summen der späten Sommerluft hing schwer über dem satten Grün. "Möchtest du nicht für das Zeitalter des Feuers kämpfen? Ist es nicht das Blutvergießen, das dir Hoffnung schenkt?"

Ich drückte ihr Handgelenk an meine Brust. Sie regte sich nicht. "Der Fluch wird Astora nicht erreichen. Du bist hier sicher. Es gibt keinen Grund, in ein fremdes Land zu ziehen und dort zu töten, für einen König, der nicht der unsere ist."

Doch Llenas Blick verriet, dass sie etwas ahnte - etwas, das ich nicht begreifen konnte. Etwas, das zwischen uns lag wie ein Schatten, leise und unaufhaltsam. Sie zog mich in eine flüchtige Umarmung.

Von Glocken und Gargoyles

Ein Ruck durchfuhr mich. Ich erwachte aus dem schwachen Griff des Halbschlafs. Ein saurer Geschmack breitete sich auf meiner Zunge aus, dumpf und vergoren. Die Träume suchten mich heim, auch wenn sie seltener wurden. Mit jedem Stück meines zerfallenden Verstandes schwand auch meine Fähigkeit, zu träumen.

Im Augenwinkel tauchte der Glockenturm auf, glühend im blendenden Licht der Morgensonne. Ich war fast dort. Einst war dies ein Ort der Verehrung, ein Heiligtum der Götter. Doch jetzt drang nur das Knarzen verrotteter Holzplanken, das Stöhnen der Rastlosen und ihr feuchtes Schmatzen durch die kühle Morgenluft. Die Hallen wimmelten von Untoten, ein Schatten ihrer selbst, die ziellos umherstreiften.

Die meisten fanden ihr Ende im Feuer. Zitternd ruhten meine Finger auf den winzigen Feuerbomben, die ich in einer verfallenen Siedlung gefunden hatte. Ich bahnte mir einen Pfad nach oben, durch schwelende Überreste und brennende Luft, bis ich schließlich die Dächer der Kapelle erreichte. Dort oben, unter dem endlosen Himmel, schien die Glocke fast greifbar - lediglich ein Augenaufschlag weit entfernt.

Gargoyle Quelle: From Software Mein Schicksal, zum Greifen nah? Ich ging nur wenige Schritte. Die Löcher in meinen Stiefeln baten Schmutz und Wasser herein. Aus der Stille regte sich das Gestein. Mit lautem Knacken öffneten sich die starren Kiefer der Gargoyles, ihre Flügel spannten sich, und ein ohrenbetäubender Schrei durchbrach die Luft. Dann stürzten sich die Wächter der Glocke mit Schild und Waffe auf mich. Ich wurde über die Dachziegel geschleudert, klammerte mich an den Vorsprung.

Einer der Gargoyles neigte neugierig seinen Kopf herab, sein steinernes Gesicht grotesk verzerrt. Mit einem schnellen Stoß versenkte ich meine Klinge in seinem Schädel. Doch schon stürzte der Nächste auf mich herab, Feuer speiend und gierig nach Blut. Hitze schlug mir entgegen, als ich mich heraufzog und in schweißtreibenden Schlägen seinen Schweif abschlug. Mit einem letzten Hieb trennte ich ihm den Kopf ab, und sein massiver Leib zerschellte auf den Ziegeln.

Schwer atmend ließ ich mich auf die Knie sinken. Das Licht der Morgendämmerung legte sich über meinen Rücken. Nach einigen tiefen Atemzügen zog ich mich die lange Leiter hinauf, bis ich unter der mächtigen Glocke stand, von der mir der verstorbene Ritter Astoras erzählt hatte. Sein letzter Wunsch hallte in meinem Kopf wider: Die Glocken zu läuten.

Bildergalerie

Mit beiden Händen umfasste ich den in den Stein eingelassenen Hebel. Ein kräftiger Ruck genügte, um das gewaltige Metall in Bewegung zu setzen. Die Glocke geriet ins Schwingen, und ihr dumpfer, dröhnender Klang erfüllte die Luft, hallte über Täler und Mauern hinweg. Ein Kribbeln durchfuhr meinen untoten Leib.

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