Cris Tales in der Vorschau: Zurück in die Zukunft mal anders
Special 3,45 €
Jetzt, wo nach der Xbox Series X auch die PS5 größtenteils die Hüllen hat fallen lassen, ist es bei aller Vorfreude wichtig, nicht zu vergessen, dass auch in diesem Jahr und für aktuelle Plattformen noch jede Menge spannende, kleinere Titel erscheinen. Einer davon: Cris Tales, ein vielversprechendes Rollenspiel Kolumbianischer Entwickler mit einem ziemlich einzigartigen Zeitreise-Twist. Wir konnten gemeinsam mit den Entwicklern interessante neue Eindrücke sammeln und sagen euch in unserer Vorschau plus Video, was euch mit dem Abenteuer erwartet.
Zeitreisen in Videospielen gibt es wohl ähnlich lange wie das Medium selbst. Kein Wunder, die Idee, die Gegenwart zu verlassen und zu sehen, was in der Zukunft passiert oder zurückzureisen und den Verlauf der Geschichte zu beeinflussen, fasziniert den Menschen ja schon seit Ewigkeiten. Allzu kreativ umgesetzt ist der Vorgang in Spielen dann aber selten, man reist halt zurück oder nach vorne und agiert dann auf der entsprechenden Zeitebene.
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Cris Tales geht einen etwas anderen Weg. Auch hier verfügen wir über die Macht, den Verlauf der Zeit zu manipulieren. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden hier aber gleichzeitig statt und alle unsere Entscheidungen und Veränderungen wirken sich direkt aus. Klingt vielversprechend und ist es auch, wie wir angesichts einer Live-Demo, welche die Entwickler uns vorspielten, und im anschließenden Gespräch mit den Machern selbst feststellen konnten.
Teile des Gameplays, welches wir zu Gesicht bekamen, wurden bereits im Rahmen eines Gameplay-Videos anlässlich der Enthüllung von Cris Tales (jetzt kaufen 6,95 € / 3,45 € ) während der E3 2019 gezeigt. Auch eine über die diversen Downloadstores verfügbare Demo mit anderem Inhalt verschaffte interessierten Fans damals einen ersten Eindruck von dem Spiel. Schon zu diesem Zeitpunkt blickten wir in einer E3-Vorschau auf den Titel. Nun bekamen wir aber neue Abschnitte zu sehen, zudem hat sich das Abenteuer seit dem vergangenen Sommer natürlich weiterentwickelt.
Es muss nicht immer Japan sein
Quelle: Modus Games
Cris Tales in der Vorschau: Zurück in die Zukunft mal anders (1)
Worum geht's? Wir schlüpfen in die Gestalt der primären Heldin Crisbell, ihres Zeichens Zeitmagierin in einem Fantasy-Königreich. Um ihre Heimat ist es nicht gut bestellt, denn die fiese Zeitkaiserin hat es auf die Macht über die gesamte Welt abgesehen, was wir natürlich nicht geschehen lassen können und uns ihr mit einer illustren Gruppe an Mitstreitern in den Weg stellen.
Klingt nach einem typischen JRPG-Plot und ist es auch. Obwohl von einem kolumbianischen Team entwickelt, ist Cris Tales ganz offiziell eine Liebeserklärung an alte und neuere Rollenspiele aus Fernost, etwa an Final Fantasy 6 und Chrono Trigger, aber zum Beispiel auch an Bravely Default und Persona 5. Soll heißen: Uns erwarten eine Oberwelt, von der aus wir zu verschiedenen Städten und linearen Arealen gelangen, Zufallskämpfe, die uns in rundenbasierte Auseinandersetzungen schicken und Micromanagement mit Blick auf unsere Ausrüstung und Items.
Die Zeiten ändern sich
Quelle: Modus Games
Cris Tales in der Vorschau: Zurück in die Zukunft mal anders (1)
Wodurch sich Cris Tales aber absetzt, ist eben das Zeitreisefeature. Sind wir in Dörfern und anderen Gebieten unterwegs, in denen wir anstatt auf Feinde auf NPCs treffen, so wird der Bildschirm dreigeteilt dargestellt. Wir befinden uns in der Mitte, in der Gegenwart, links sehen wir die Vergangenheit und rechts die Zukunft. Mittels Matias, eines kleinen Frosches, der uns begleitet, können wir auch direkt in die neben uns liegenden Zeitlinien vordringen und zum Beispiel Gegenstände in die Gegenwart stibitzen oder Dinge verändern. Süß: Geht er in die Vergangenheit, so wird Matias zur Kaulquappe, in der Zukunft sehen wir ihn als alten, leicht moppeligen Frosch.
Unsere Taten haben massive Auswirkungen, sowohl in der Hauptstory als auch in den laut Entwicklern zahlreichen und umfangreichen Nebenquests. Durch unser Eingreifen können Städte untergehen oder florieren, Menschen leben oder sterben und sich Beziehungen unter Figuren drastisch verändern, alles in Echtzeit, sodass wir die Auswirkungen unseres Handelns direkt sehen. Eine spannende Idee, die mit großen Herausforderungen für die Macher einhergegangen ist. Sie mussten die Städte nicht nur jeweils dreimal gestalten, sondern auch in mehreren Zuständen. Ausgehend davon, welche Entscheidungen wir getroffen haben, können etwa Häuser heruntergekommen oder neu renoviert sein, ganze Bereiche geflutet und mehr, und diese Dinge beeinflussen sich wiederum untereinander. Im Gespräch meinten die Entwickler, dass viele Elemente deswegen in bis zu 30 verschiedenen Variationen gestaltet werden mussten.
Die Dresche von morgen, schon heute
Quelle: Modus Games
Cris Tales in der Vorschau: Zurück in die Zukunft mal anders (1)
Auf der Oberwelt und in den Feindesgebieten fällt die Darstellung der Zeitebenen weg, in den Gefechten kommt sie aber wiederum zum Tragen. Wir stehen in der Mitte des Bildschirms, unsere Feinde positionieren sich links und rechts von uns. Drei Mitglieder unserer siebenköpfigen Party auf einmal können an einer Schlacht teilnehmen.
Crisbell kann entsprechend des Systems aus den Städten links einen Zeitriss in die Vergangenheit öffnen, rechts einen ebensolchen in die Zukunft und Gegner an den entsprechenden Stellen dadurch beeinflussen. Eine in der Gegenwart furchteinflößende Kreatur mag in der Vergangenheit nur ein vergleichsweise harmloser Jüngling sein, in der Zukunft ein wehrloser Greis. Genauso können manche Widersacher durch einen Zeitwechsel aber natürlich auch massiv an Gefährlichkeit gewinnen. Wann Crisbell ihre Kräfte nutzt und wann nicht, ist der Schlüssel zum Erfolg.
Darüber hinaus können wir Attacken und Aktionen unserer Mitstreiter durch das Zeitreisefeature beeinflussen. So kann es sehr effektiv sein, einen Feuerball auf einen Feind zu werfen, sodass dieser in Flammen steht. Schicken wir den armen Kerl anschließend in die Zukunft, so brennt er quasi über viele Jahre hinweg und der ihm zugefügte Schaden maximiert sich.
Vom Klempner gelernt
Quelle: Modus Games
Cris Tales in der Vorschau: Zurück in die Zukunft mal anders (1)
Besonders in den Bosskämpfen, aber auch in den normalen Auseinandersetzungen wird dieses System fast zum Rätselspiel. Ein Endgegner mag über einen Eisenschild verfügen, der keinerlei Angriffe durchlässt. Also machen wir den Schild mit einem unserer Mitstreiter nass, schicken den Feind in die Zukunft und sehen, wie das Metall durch die Feuchtigkeit im Laufe der Jahre zersetzt wurde und keinen Schutz mehr bietet. An anderer Stelle befindet sich ein Roboterboss im der Vergangenheit noch in der Produktion, sodass wir seinen Arm angreifen können, da dieser noch nicht über einen schützenden Panzer verfügt.
Das System verheißt viele interessante Ideen, ansonsten sind die Kämpfe aber eben bewusst sehr traditionell. Eine Leiste zeigt an, wer als nächster eine Aktion ausführen kann, wir greifen via Auswahlmenü auf Angriffe, Items und Co. zu und haben stets einen wachen Blick auf Lebensenergie und Magiepunkte. Zudem hat man die Möglichkeit, durch gut getimte Knöpfchendrückereien besonders stark zu attackieren respektive bei einem feindlichen Angriff Schaden abzuwenden oder zumindest zu minimieren. Das kennt man aktuell vor allem aus Paper Mario, von dem auch bald ein neuer Serienteil erscheint,die primäre Inspiration für das Feature war aber das erste Mario-Rollenspiel überhaupt, Mario RPG: Legend of the Seven Stars für das SNES.
Statisch, aber redefreudig
Quelle: Modus Games
Cris Tales in der Vorschau: Zurück in die Zukunft mal anders (1)
Sogar noch mehr Mario-Inspiration hätten wir uns beim Erkunden der Spielwelt vorstellen können, welches größtenteils offenbar auf bloßes Herumgerenne hinausläuft, mit den obligatorischen Schatzkisten, die man findet, wenn man ein wenig vom Hauptpfad abweicht. Der simple, handgezeichnete Stil des Abenteuers könnte unserer Meinung nach in Kombination mit leichten Platforming-Elementen gut funktionieren.
In puncto Präsentation setzt Cris Tales ansonsten primär auf mit leicht animierten Standbildern umgesetzte Zwischensequenzen und Dialoge. Schön: Sämtliche Texte verfügen über englische Sprachausgabe, die zumindest dem bisherigen Eindruck nach kompetent klingt.
Ein potenzielles Indie-Highlight
Etwa 20 Stunden soll es brauchen, um Cris Tales durchzuspielen, mehr, wenn man alles erledigen will. Das ist für ein Rollenspiel nicht gewaltig, im Zweifelsfall ist uns ein kurzes, gut gestaltetes Abenteuer aber freilich lieber als eines mit großem Umfang, welches künstlich in die Länge gezogen wurde. Nach allem, was bis bisher zu sehen bekommen haben, sind wir zuversichtlich, dass die Entwickler hier auf einem guten Weg sind, ein spannendes, liebevoll gemachtes Abenteuer mit eigener Identität und einer wirklich kreativen Zeitreise-Idee abzuliefern.
Cris Tales erscheint am 17. November für PC, PS4, Nintendo Switch und Xbox One.