Cris Tales in der E3-Vorschau: Rundenbasiertes RPG mit coolem Zeitreise-Twist
Special 3,45 €
Gestern, heute, morgen: Normalerweise gibt es da wenige Überschneidungen. Was war, war, was ist, ist und was sein wird, ist egal, da kümmern wir uns später rum. In Cris Tales aber müssen wir zu jedem Zeitpunkt alle Zeitebenen auf einmal im Blick haben und sehen stets Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft um uns herum auf einen Blick. Klingt verwirrend? Ist es in der Praxis aber gar nicht mal so sehr. Unsere Vorschau zum Rollenspiel von der E3 2019.
Kolumbianer, die ein Japano-RPG machen - das hört man auch nicht alle Tage. Es sind aber wohl vor allem die gestalterischen Qualitäten der Vorbilder wie Final Fantasy 6, Chrono Trigger und Bravely Default und nicht der "Faktor Japan", welche die Männer und Frauen von Modus Games bei der Entwicklung ihres eigenen Babys Cris Tales inspiriert haben.
So schickt uns das Abenteuer denn auch in eine Welt, deren Architektur passenderweise auf kolumbianischen Vorbildern basiert. Wir, das ist ist in diesem Fall das Mädchen Crisbell, die über eine beeindruckende Gabe verfügt: Sie kann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig sehen!
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Wem das jetzt bekannt vorkommt: Aktuell ist auf Steam eine überraschend veröffentlichte Demo zu dem Spiel verfügbar, in der sich jeder einen ersten Eindruck davon verschaffen kann. Auf der E3 bekamen wir aber auch noch Details zum Kampfsystem zu sehen, die über die Inhalte der Demo hinausgehen.
Zurück in die Zukunft
Doch zuerst zum Grundsätzlichen, eben dem Zeitebenen-System. Zu jedem Zeitpunkt im Spiel sehen wir Vergangenheit, Gegenwart zu Zukunft gleichzeitig existieren, links, in der Mitte und rechts am Bildschirm und abgetrennt durch dünne Linien. Heißt im Klartext: Die Entwickler mussten absolut jeden Part des Spiels dreimal zeichnen und entwickeln - eine reife Leistung! Im Vorübergehen sehen wir somit Mädchen, die zu Frauen und schließlich Müttern mit Kind heranwachsen; Bäume, die sich vom Setzling zur stolzen Tanne entwickeln; Männer in jungen Jahren, im fortgeschrittenen Alter und schlussendlich eventuell ganz verschwunden, da dahingeschieden. Gut, die Logik dahinter, dass sich vor allem die Menschen über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinweg stets an derselben Stelle befinden, darf man nicht hinterfragen. Prinzipiell ist dieses Feature aber eine klasse Idee!
Wie es früher war
Und es wird für interessante Rätsel genutzt. Als wir einer Apothekerin helfen sollen die abgefallenen Etiketten an ihren Gläsern wieder richtig zuzuordnen, gucken wir in die Vergangenheit und finden die Lösung. Das ist ein simples Beispiel; für den späteren Spielverlauf versprechen die Entwickler richtige Kopfnüsse. Noch beeindruckender finden wir aber, wie das Spiel hier mit einfachen Methoden und quasi in drei Bildern ganze Lebensgeschichten erzählt und den Figuren somit deutlich mehr Tiefe verleiht. Eine reife Leistung!
Quelle: Modus Games
Wir sind in Cris Tales nicht allein unterwegs, sondern haben Teammitglieder, die uns tatkräftig unterstützen.
Manchmal muss der Spieler die verschiedenen Zeitebenen aber auch direkt beeinflussen. Und da Crisbell dies nicht kann, greift sie auf die Hilfe ihres Freunds Matthias, einem Frosch, zurück. Er kann in Vergangenheit und Zukunft hüpfen und dort Anpassungen vornehmen, die für uns von Belang sind. Im oben genannten Beispiel etwa schiebt Matthias erst eine Truhe zur Seite, damit dahinter das Glas mit dem gesuchten Etikett zum Vorschein kommt.
Die Zukunft in unserer Hand
Die Zeitreisen hängen auch mit dem Entscheidungsfeature zusammen. Immer wieder müssen wir zwischen verschiedenen Optionen wählen, mit direkten Auswirkungen auf Zukunft und manchmal eventuell auch Vergangenheit. Helfen wir der Apothekerin in Not, ihren Laden wieder zu öffnen und die Bewohner der Stadt mit Medizin zu versorgen, oder einer alleinerziehenden Frau mit mehreren Kindern, ebenfalls ohne Dach überm Kopf? Hier etwa können wir uns nur für einen Hausbau entscheiden und müssen damit leben, dass das andere Gebäude auch in der Zukunft ruiniert bleibt.
And it burns, burns, burns
Es bleibt abzuwarten, wie viel Einfluss solche Entscheidungen auf die Handlung an sich haben, zur Erschaffung einer glaubwürdigen Welt tragen sie auf jeden Fall bei. Ähnlich interessant ist der Einsatz des Zeit-Features in Kämpfen, wie es wie erwähnt exklusiv auf der E3 gezeigt wurde. Die Gefechte sind rundenbasiert, ähnlich wie in Paper Mario können wir aber durch gezieltes Knöpfchendrücken besonders stark angreifen oder besonders effektiv blocken. So weit, so unspektakulär. Spannender ist da schon, dass wir etwa einen Feind mit Feuer angreifen können. Während er brennt, schicken wir ihn in die Zukunft und er muss miterleben, wie sich der Schaden durch die verstrichene Zeit maximiert und er besiegt zu Boden geht. In einem Bosskampf attackieren wir ein undurchdringliches Schild mit Wasser und schicken es ebenfalls ins Morgen, woraufhin das Schild auf einmal vollkommen verrostet ist und mühelos zerschlagen werden kann.
Quelle: Modus Games
In Cris Tales können wir mehrere Zeitebenen gleichzeitig betrachten und mit ihnen interagieren. Der Gegner steht beispielsweise in diesem Kampf in der Zukunft.
Zusätzlich können wir Feind auch einfach so in Vergangenheit und Zukunft schicken. Im damals sind sie dann zum Beispiel jünger und entsprechend schwächer, aber auch flinker. In der Zukunft brauchen sie länger für ihre Züge, sind dafür aber weiser und können mächtige Magie nutzen. Je nach Feind und Situation muss man hier entscheiden, welche Vorteile welche Nachteile überwiegen.
Ein Schritt zurück
Quelle: Modus Games
Handgezeichnet, aber irgendwie auch billig? Der Look von Cris Tales konnte uns noch nicht ganz überzeugen.
Zu guter letzt sehen wir auf dem oberen Bildschirmrand stets eine Zeitleiste eingeblendet, die vergangene und zukünftige Ereignisse offenbart. Hat dort zum Beispiel eines unserer Teammitglieder Schaden genommen, können wir ihn in eine Zeit vor der Attacke zurückzaubern, woraufhin er wieder gesund ist. Dieses ganze System klingt ebenso kompliziert wie spannend! Auf der E3 konnten wir leider nicht selbst Hand anlegen, sondern nur den Entwicklern beim Spielen zusehen, wir sind aber sehr davon angetan.
Nicht so ganz überzeugen konnte uns bisher die Technik des Spiels. Alles ist handgezeichnet und wurde bestimmt mit viel Mühe entworfen, und doch wirkt das Endergebnis ein wenig billig, sowohl auf den "richtigen" Screens als auch auf der Oberweltkarte, auf der wir in einer Art Chibi-Look unterwegs sind. Das ist aber wohl auch Geschmacksache. Dafür ist es schön, dass alle Texte im Spiel vertont sind.
Releasedatum: 1970, 2020, 2070
Eine einzigartige Spielidee - so etwas sieht man heutzutage kaum noch, doch Cris Tales (jetzt kaufen 6,95 € / 3,45 € ) gelingt dieses Kunststück! Irgendwann 2020 soll es für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch erscheinen. Wir werden es auf jeden Fall im Auge behalten und uns vorerst mit der Demo des Abenteuers vergnügen.
