Das lächerliche Kampfsystem in Cralon & unser Fazit

Test Carlo Siebenhüner
Das lächerliche Kampfsystem in Cralon & unser Fazit
Quelle: PC Games

Das Kampfsystem in Cralon ist frustrierend, weil es schlicht kaputt ist. Außerdem werfen wir einen Blick auf weitere unnütze Spielsysteme und geben unser Fazit.

Die Animationen sind dann fast schon lächerlich schlecht. Die Monster springen nämlich ständig zwischen ihren Animationen ohne irgendeine Verbindung. In der einen Sekunde steht die Ratte noch da und im nächsten Frame läuft sie plötzlich irgendwohin. Dabei wird aber immer darauf geachtet, dass die Animation fertig abgespult wird, bevor es weitergeht. In den Kämpfen wird das noch offensichtlicher.

Cralons Kampfsystem ist ein Totalausfall

Hier dreschen die Gegner entweder auf uns ein oder laufen uns hinterher. Manche schießen uns auch Fernkampfangriffe nach. Für die Ausweichanimation rutscht der Gegner schlicht komplett ohne Animation ein Stück nach hinten.

Die meisten Gegner kann man aber sofort ausmanövrieren, indem man einfach um sie herumläuft. Sie müssen nämlich immer erst ihre Angriffsanimation beenden, bevor sie etwas anderes machen können. Unsere Angriffe unterbrechen die gegnerischen Animationen dann auch nicht, denn es gibt schlicht keine Trefferanimationen.

Ein Rattengegner in Cralon. Leider variieren die Gegner nur in Größe und Farbe. Quelle: PC Games Das Kampfsystem von Cralon ist schlicht unfertig und kaputt. Entweder bewegen sich die Gegner erratisch oder man scheitert an den schwammigen Hitboxen. Gefährlich wird es für uns dann nur, wenn die Gegner nach ihren Angriffsanimationen innerhalb eines Frames plötzlich die Richtung wechseln und dann wieder in unsere Richtung kloppen. Dabei bekommt man dann auch die dämlichen Hitboxen zu spüren. Oft haben wir Gegner einfach nicht getroffen, obwohl wir direkt vor ihnen standen. Dafür haben uns dann die Monster erwischt, weil keine Zeit zum Ausweichen war, und Blocken ist gleich gar nicht möglich.

Wir haben auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gespielt, haben uns immer gut ausgerüstet und sind trotzdem ständig auf Gegner gestoßen, die uns dann mit zwei Schlägen plattgemacht haben. Dadurch ist das Kampfsystem schlicht zu unvorhersehbar und kaputt, als dass man damit planen und vernünftig spielen kann.

Frust statt Herausforderung

Ins Balancing scheint aber eh wirklich nur das Allernötigste an Arbeit geflossen zu sein. So haben wir das Spiel mit Stufe 8 beendet. Unsere Lebensleiste hatte insgesamt 113 Lebenspunkte. Allerdings haben wir schon weit vorher Heiltränke gefunden, die 400 HP zurückgeben. Das ist zwar nett, aber ergibt keinen Sinn, denn man kommt nie auf ein so hohes Level, dass solche Tränke sinnvoll wären.

Während der Kämpfe kann sich ohnehin nicht heilen, da das Spiel nicht pausiert, das Menü aber so lange zum Laden braucht, dass man schon lange umgehauen wurde, bis man den Trank überhaupt mal angeklickt hat. Shortcuts auf der Tastatur gibt es nämlich nur für das Schnellspeichern. Die Tastenbelegung ändern, geschweige denn mal anschauen, lässt einen das Spiel nicht.

Ein Dialogfenster in Cralon. Man sieht ein gezeichnetes Bild vom Charakter und den gesprochenen Text. Quelle: PC Games Die Dialoge sind gut vertont. Das tröstet aber leider nicht über die lahme Story und die langweiligen Dialoge hinweg. Das bringt uns dann auch zur Technik. Wie schon erwähnt läuft hier die Unreal Engine 5 und die meisten Assets sind schlicht aus dem Store zusammengekauft. Als Dungeon Crawler spart man sich auch große, technisch aufwendige Open Worlds oder andere Spielereien. Man hat also eigentlich ein theoretisch relativ gut kontrollierbares Spielgebiet. Trotzdem haben wir immer wieder Bugs und Ungereimtheiten bemerkt. Das reicht von falsch gesetzten Assets bis hin zum unzuverlässigen Quicksave. Und sogar die Framerate bricht ab und zu mal ein. Gerade, wenn der Angststrudel einsetzt.

Moment mal: Angststrudel? Ja, stimmt, den haben wir noch gar nicht erwähnt, weil der schlicht so unwichtig ist. Cralon, der Mutige hat neben seinem Lebensbalken nämlich auch noch einen Mutwert. Durch Giftgas oder besonders unheimliche Gegner setzt manchmal ein Strudel der Angst vor unseren Augen ein, der unseren Mut langsam sinken lässt.

Ist er bei Null angekommen, verringern sich zwar ein paar Werte. So richtige Konsequenzen gibt es aber nicht und wir können ihn mithilfe von Tränken schnell wieder auffrischen. Damit reiht sich der Mut in eine Reihe weiterer sinnloser Spielmechaniken ein, die es in Cralon noch gibt, die aber kaum der Rede wert sind. Anfangs wird uns zum Beispiel noch ein Schleichsystem an die Hand gegeben, das genau an dieser Stelle einmal wichtig ist, danach aber nie wieder benötigt wird. Craftingmaterialien gibt es auch eine ganze Menge. Die wenigsten haben wir aber wirklich gebraucht und nur mit uns rumgeschleppt. Zum Glück ist das Inventar wenigstens unbegrenzt.

Mehr Bruchlandung als Neuanfang

Am Ende waren wir nur noch froh, dass das Spiel wenigstens nur zwischen 10 und 15 Stunden lang ist und wir somit vergleichsweise schnell durch waren. Cralon ist nämlich eine komplett uninspirierte Geisterfahrt voller hohler oder schlicht kaputter Spielelemente, und es ist unserer Meinung nach einfach frech, dafür 20€ zu verlangen.

Meinung

Wertung zu Cralon (PC)

Wertung:

4.0 /10
Fazit

Ein halbgarer und unfertiger Assetflip, der hier für 20€ auf den Markt geworfen wurde. Vom Erbe des ehemaligen Gothic-Studios ist hier nichts mehr übrig.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass hier ja nur zwei Entwickler dahinterstehen. Allerdings solle man dann vorher noch viel klarer abstecken, wo die eigenen Stärken liegen, und sich darauf fokussieren. Stardew Valley, Minecraft oder zuletzt das hervorragende Drova sind gute Beispiele dafür, dass es nicht unbedingt auf die Entwicklerzahl ankommt, wenn man sich realistische Ziele setzt.

Das ist bei Cralon aber ganz offensichtlich nicht passiert. Hier ruht man sich unserer Meinung nach zu sehr auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus und liefert einen unausgegorenen Asset-Flip ab, der das Erbe der Gothic-Macher eher beschmutzt als weiterträgt. Da empfehlen wir lieber, die übrigen Projekte von Ex-Piranhas im Auge zu behalten. Die sehen nämlich jetzt vielversprechender aus, als es Cralon in seiner Vollversion geworden ist. Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde die Release-Version von Cralon von Pithead Studio gestellt.

  1. Seite 1 Ein überraschender Release
  2. Seite 2 Was kann die Story & das Gameplay?
  3. Seite 3 Kaputtes Kampfsystem & unsere Wertung
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