Mit dem großen Test-of-Time-Update wurde Civilization 7 grundsaniert. So wirken sich die vielen Verbesserungen auf KI, Wiederspielwert und mehr aus. Unser Nachtest mit Fazit und neuer Wertung.
Viele kleine Verbesserungen
Abseits von den großen Neuerungen hat es auch eine Myriade an kleineren Anpassungen und Ergänzungen seit Release ins Spiel geschafft. Das Nutzerinterface wurde an vielen Stellen verbessert und ist jetzt sowohl intuitiver als auch mit mehr Infos versehen. So wurden etwa auch die von Paradox-Spielen bekannten "Nested Tooltipps" übernommen. Also zusätzliche Infos, die aufpoppen, wenn ihr mit dem Cursor auf ein markiertes Wort zeigt.
Es gibt mehr Rohstoffe, mehr Naturwunder, mehr Erzählereignisse und, wie erwähnt, viel mehr Einstellungsmöglichkeiten. Außerdem wurde die Kartengenerierung überarbeitet und das Balancing vielfach angepasst. Eine sinnvolle Änderung ist etwa die Unterteilung von Sozialpolitiken in Traditionen (das sind die einzigartigen Politiken der Völker) und normale Sozialpolitiken. Und es gab noch viele weitere Anpassungen, die jetzt den Rahmen sprengen würden.
Aber: Auf ein paar Sachen im Hinblick auf Infotiefe und Quality of Life warten wir immer noch vergebens. Wieso bekommt man immer noch keine Werte angezeigt für Politiken? Okay, immerhin kann man einfach verschiedene Politiken ausprobieren, solange man nicht die Runde beendet. Aber viel störender ist da, dass wir immer noch keine Info vorab kriegen, welche Boni die Spezialisierung einer Gemeinde geben wird. Diese Entscheidung ist schließlich fürs restliche Zeitalter final und kann nicht mehr geändert werden. Wir müssen immer noch grob abschätzen, wann sich eine Knotenpunkt-Siedlung lohnt und ob ein Fokus auf Nahrung oder Produktion sinnvoller ist.
Immerhin wurden die Spezialisierungen der Gemeinden auch nochmal überarbeitet, weshalb es inzwischen durchaus Sinn macht, verschiedene zu wählen, als immer nur die zwei oder drei eindeutig stärksten.
In diesem Artikel
Die KI ist besser, aber immer noch eine Schwäche
Zu den vielen Updates gehörten auch Anpassungen an den KI-Spielern. Die agieren beim Aufbau und der Verwaltung des Reiches noch etwas besser und sind auf hohen Schwierigkeitsstufen eine echte Herausforderung. Außerdem kommen sie nun viel besser mit dem neuen Siegsystem zurecht. Während uns die KI zu Release auch auf Gottheit-Stufe nie ernsthaft überholen konnte, wenn wir gut gespielt haben, ist das inzwischen eine andere Geschichte.
KI-Gegner, die konsequent die Partie über auf einen Wirtschafts-, oder Kultursieg gespielt haben, erringen den in der Moderne auch gerne mal so zügig, dass wir mit langsameren Siegen wie Wissenschaft das Nachsehen haben.
Quelle: PC Games
Das Nutzerinterface wurde an vielen Stellen noch einmal verbessert und liefert jetzt viel mehr Informationen. Wenn wir ein Gebäude überbauen wollen, erhalten wir nun sehr detaillierte Angaben.
Gleichzeitig stellen sich die CPU-Gegner immer noch komplett bescheuert an, wenn es um die Handhabung von Landeinheiten im Wasser geht. So gut wie immer können wir unverteidigte Landstreitkräfte bei Invasionsversuchen aus dem Wasser picken, ohne eine Unterstützungsflotte in der Nähe. Immerhin: Auf dem Land agiert die KI weiterhin deutlich gefährlicher und rollt mitunter wie eine Walze mit ihren Einheiten auf unsere Stellungen zu.
Quelle: PC Games
Die KI-Spieler agieren inzwischen in manchen Bereichen auch etwas cleverer. Aber im Kampf lassen sie sich immer noch gut austricksen.
Irrer Wiederspielwert
Auch in Sachen Wiederspielwert hat Civ 7 noch mal eine ordentliche Schippe seit Release draufgelegt, was natürlich vor allem an den neuen Anführern und Völkern liegt, die seitdem dazugekommen sind - die meisten davon allerdings als kostenpflichtige DLCs, die ordentlich zur Kasse bitten. Mit Alexander dem Großen und Gilgamesch sind aber auch zwei absolute All-Stars zurückgekehrt, und das als kostenlose Ergänzungen.
Gepaart mit den vielen Kombinationsmöglichkeiten aus Anführern und Völkern und der neuen Synkretismus-Mechanik ergeben sich sehr viele verschiedene Strategien, um den Sieg zu erringen. Dazu kommen noch teilweise ungewöhnliche Anführer und Völker wie Edward Teach und die Piratenrepublik, die ganz eigene Spielstile erfordern. Mit den Piraten dürfen wir nämlich keine Siedler ausbilden, dürfen dafür aber jederzeit mit unserer Marine gegnerische Siedler und Schiffe gefangen nehmen - sogar ganz ohne Kriegserklärung.
Wenn man bedenkt, dass noch nicht mal das erste richtige Add-on für Civ 7 erschienen ist, ist es sogar noch auffälliger, wie viel Umfang das Spiel jetzt schon bietet.
Für wen lohnt sich ein erneuter Blick?
Bietet Civ 7 mit Test of Time jetzt also alles, wofür die Entwickler zum Release Kritik kassiert haben und was sich Fans gewünscht haben? Firaxis hat eindeutig auf die Kritik aus der Community gehört und reagiert. Und das in einem Ausmaß, das nicht selbstverständlich ist. Trotzdem wird Civ 7 auch jetzt nicht alle abholen können. Vor allem diejenigen, die sich an den Zeitaltern gestört haben, werden sehr wahrscheinlich weiterhin nicht mit dem siebten Teil warm. Dafür sind sie einfach zu integral im Spiel verankert.
Quelle: PC Games
Die meisten Gemeindefokusse wurden in Sachen Balancing überarbeitet, wodurch jetzt deutlich mehr von ihnen tatsächlich Sinn machen.
Zwar wurde der Übergang von einem Zeitalter ins nächste ordentlich geschmeidiger gestaltet (unter anderem landet man jetzt nicht mehr beim Wechsel im Hauptmenü), aber sie sind dennoch getrennt. Es gibt immer noch eigene Forschungsbäume pro Zeitalter und Einheiten sind auch noch in drei Stufen pro Zeitalter eingeteilt. Das macht auch Sinn, denn die Idee dahinter war ja von Beginn an, dafür zu sorgen, dass Partien nicht schon nach der Hälfte entschieden sind, weil ein Spieler uneinholbar stark ist.
Stattdessen bleiben Partien in Civ 7 weiterhin bis zum Schluss spannend und herausfordernd. Das bedeutet aber eben auch, dass selbst das große Test-of-Time-Update den Leuten nichts bringt, für die die Unterteilung in Zeitalter ein Ausschlusskriterium war. Wer dagegen zum Launch unzufrieden mit der Fülle an Optionen war oder wem grundlegende Dinge wie "Noch eine Runde" oder riesige Karten gefehlt haben, für den lohnt sich ein erneuter Blick auf das inzwischen deutlich weiterentwickelte Civ 7. Nur wenn ihr auf einen Hot-Seat-Modus wartet, schaut ihr immer noch in die Röhre.
Fazit und neue Wertung
Firaxis hat die 15 Monate seit Release gut genutzt, um die allermeisten Baustellen in Civilization 7 anzugehen und dabei die Kritikpunkte aus der Community der Reihe nach zu behandeln. Besonders gut gelungen ist die Anpassung, dass man Völker nicht mehr wechseln muss, gepaart mit dem interessanten Synkretismus-Feature, was für noch mehr strategische Möglichkeiten sorgt. Auch die Triumphe fügen sich gut ins Spiel ein, nur die neuen Siege sind ein zweischneidiges Schwert und etwas öde.
Wenn man die aktuelle Version 1.4 jedenfalls mit dem Release vergleicht, ist eine klare Evolution zu erkennen, die sich in Summe so stark auswirkt, dass wir unsere Wertung von 8.0 um einen halben Punkt auf 8.5 (beziehungsweise von 7.0 auf 7.5 für Switch) nachjustieren. Mit Test of Time steht Civ 7 außerdem jetzt auch auf einem soliden Fundament, um künftig mit Erweiterungen noch mehr Spieltiefe zu bieten - und sicherlich auch ein viertes Zeitalter nach der Moderne. Aber da die Entwickler bis vor Kurzem noch mit dem Umbau des Spiels beschäftigt waren, werden wir uns dieses Mal wahrscheinlich noch etwas länger als sonst gedulden müssen.
Meinung
Habt ihr mit Test of Time Civ 7 wieder eine Chance gegeben oder wartet ihr lieber noch auf Erweiterungen? Nutzt gerne die angebotene Kommentarfunktion und teilt uns eure Meinung zum Thema mit. Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube, Instagram und Tiktok.
