Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse!
Special
Ihr sucht einen Test zu Choo-Choo Charles? Tja, dann seid ihr hier an der falschen Adresse! Das Eisenbahn-Abenteuer ist viel zu abstrus für eine konventionelle Review. Deshalb präsentieren wir euch zur Abwechslung mal was Anderes: ein Reisetagebuch durch eine Welt, die von einer riesigen Spinnen-Lok terrorisiert wird. Alle einsteigen! Es wird wild.
So, jetzt aber genug getrödelt. Höchste Eisenbahn, wir müssen weiterfahr'n! Zurück auf Achse gibt es endlich mal die Möglichkeit, das Panorama zu bewundern. Unser Inter-Rail-Trip führt uns einmal über eine komplette Insel, eine überraschend große Insel - ohne Berge, ohne Tunnels, aber selbstverständlich mit Eisenbahnverkehr. Besonders schön ist die Gegend aber nicht. Es regnet eigentlich ununterbrochen, es ist dunkel. Überall liegen Bäume, Steine und Geröll in der Gegend herum. Die einzeln verstreuten Häuser sehen manchmal so aus, als hätte sie ein Kind lieblos mit Wachsmalstiften bekritzelt. Das hat mehr was von "Lame-R-Land" statt Lummerland. Da hätten wir uns die Reservierung des Fensterplatzes auch sparen können.
Immerhin, das Mondlicht sorgt für etwas Atmosphäre, wenn der Zug wegen einer technischen Störung mal wieder auf offener Strecke stehen bleibt. Nachts. Mitten im Nirgendwo. Bei Totenstille. Da fühlt man sich fast wie in einem Horrorspiel! Aber keine Sorge: Selbst ist der Mann! Wir springen einfach aus dem Wagen und stellen die kaputte Weiche eigenhändig um: in Richtung einer erfolgreichen Zukunft.
The Cult of Choo-Choo Charles
Quelle: Two Star Games
Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (6)
Bis unsere Reise wieder Fahrt aufnimmt, können wir uns mit den örtlichen Bräuchen vertraut machen. Offenbar ist es auf Aranaerum üblich, sich irgendwelche verrückten Masken aufzuziehen und in geheimen Untergrund-Tunneln mysteriöse Eier anzubeten. Auf den Zug wollen wir natürlich aufspringen!
Leider sind Fremde hier offenbar nicht so gerne gesehen. Deshalb tragen alle Waffen mit sich rum und drücken bei Sichtkontakt direkt ab. Da heißt's: ducken, um die Ecke linsen und vorsichtig durch die Gegend schleichen. Fühlt sich fast so an wie damals, als wir uns unerlaubt in die 1. Klasse schummeln wollten. Nervenkitzel pur! Und am Ende haben wir sogar noch ein tolles Souvenir eingesackt. Auch wenn diese leuchtenden Eier irgendwie ein wenig nutzlos zu sein scheinen. Nicht mal essen kann man die.
Quelle: Two Star Games
Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (7)
Was unglücklich ist, denn so ein Spaziergang macht natürlich hungrig. Wir machen uns also auf den Weg in den Speisewagen. Leider gibt es keinen. Er befindet sich wohl noch in der Planungsphase und wird voraussichtlich zusammen mit Stuttgart 21 fertig. Allerdings wird uns vom freundlichen Personal angeboten, uns doch einfach selbst um den Ausbau des Zuges zu kümmern. Gesagt, getan. Irgendwas müssen wir ja mit dem ganzen Schrott anfangen, den uns die Inselbewohner netterweise überlassen haben.
Wir verpassen dem Zug einen leichten Rot-Stich, jetzt ist es der Orange Express. Wir verstärken die Fenster und pappen einen Kuhfänger an unsere Lok. Bahnbrechende Verbesserungen! Sogar an der Geschwindigkeit lässt sich drehen! Vielleicht kommen wir ja doch noch vor Tageseinbruch am Ziel an.
Der Zug ist noch nicht abgefahren
Quelle: Two Star Games
Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (5)
Wenn da nicht dieser Charles wäre. Schon wieder. Wie aus dem Nichts taucht der Typ hinter uns auf und macht Randale. Mittlerweile scheint er völlig aus dem Gleis geraten zu sein. Es fliegen mehr als nur ein paar Worte. Mit durchschlagskräftigen Argumenten lässt sich die Situation nicht mehr retten. Auch Leuchtsignale bringen nichts. Also müssen wir zu etwas härteren Mitteln greifen.
Wir fahren zur DB Zentrale, die auf Aranaerum seltsamerweise wie ein alter Tempel aussieht, und reichen unser Beschwerdeformular ein - zusammen mit den gesammelten Eiern. Vielleicht hat im Fundbüro ja jemand seinen Spaß daran. Wir wollen jedenfalls nichts mehr mit dieser verdammten Insel zu tun haben! Nur Charles hat da offensichtlich andere Pläne.
Es kommt zum finalen Showdown: Zug gegen Zug. Stahl auf Stahl. Feuer, Flammen, Rauch. Es knallt, kracht und bumst. Kurz darauf hat der verdammte Spinner sein letztes Tschu-Tschu von sich gegeben. Mit uns legt man sich nicht an. Wir haben die Bahn Card 100 in Schwarz! Aber, wir haben auch genug für heute.
Nach gut vier Stunden ist die Rundreise über Aranaerum vorbei. Aufregend war's. Und überraschend preiswert. Für knapp 20 Euro kommt man mit der Deutschen Bahn nicht mal von Nürnberg nach Frankfurt. Und selbst wenn, hätte man auf der Strecke nicht mal halb so viel Spaß gehabt. Klar, solche Low-Budget-Pauschalreisen sind nichts für jedermann. Man muss auf den üblichen Komfort verzichten. Alles wirkt ein wenig billig, schlecht verarbeitet, unrund. Aber es steckt unfassbar viel Liebe drin! Wer eine außergewöhnliche Erfahrung sucht, kann sich diesen Trip definitiv mal zu Gemüte führen. Ihr werdet ihn so schnell nicht wieder vergessen.
Choo-Choo Charles ist seit dem 9. Dezember 2022 für den PC via Steam verfügbar. Der Preis liegt bei umgerechnet knapp 20 Euro. Die Sprachausgabe ist komplett auf Englisch, die Ingame-Texte sind allerdings auf Deutsch übersetzt. Neben Maus und Tastatur wird auch Controller-Steuerung unterstützt.
