Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse!

Special David Benke
Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse!
Quelle: Two Star Games

Ihr sucht einen Test zu Choo-Choo Charles? Tja, dann seid ihr hier an der falschen Adresse! Das Eisenbahn-Abenteuer ist viel zu abstrus für eine konventionelle Review. Deshalb präsentieren wir euch zur Abwechslung mal was Anderes: ein Reisetagebuch durch eine Welt, die von einer riesigen Spinnen-Lok terrorisiert wird. Alle einsteigen! Es wird wild.

"Sehr geehrte Damen und Herren, der ICE 0815 nach Bagdad-Eschingen hat heute leider 420 Minuten Verspätung. Grund dafür ist menschliches Versagen. Wir bitten um Ihr Verständnis!" Bahnhof-Durchsagen wie diese kennt wohl jeder. Entsprechend weiß auch jeder, was für ein Horror Zugfahren ist. Und trotzdem hatte die Deutsche Bahn dieses Jahr absolute Hochkonjunktur. Tausende Menschen waren mit dem Neun-Euro-Ticket quer durchs Land unterwegs, pilgerten nach Sylt, um mit den Punks in Westerland zu feiern, und genossen das Leben in vollen Zügen.

Leider muss man für den ÖPNV-Fahrschein mittlerweile wieder Vollpreis zahlen. Also gilt es, sich nach billigeren Alternativen umzuschauen, mit denen es sich schön auf Schienen durchs Land reisen lässt - zum Beispiel Choo-Choo Charles! Hier erkundet ihr eine bizarre Open World, die von einer riesigen Spinnen-Lok terrorisiert wird. Klingt dumm? Isses auch. Deshalb gibt es hier jetzt unsere Eindrücke in Form eines Reisetagebuchs!

Der Horror des Bahnfahrens

Zu Beginn von Choo-Choo Charles verstehen wir erst mal nur Bahnhof. Ach nein, sorry: Wir stehen vor einem Bahnhof. Denn für ein ordentliches Eisenbahn-Abenteuer braucht es natürlich eine passende Eisenbahn. DB-Begleiter Eugene führt uns netterweise zum passenden Bahnsteig, mit ein paar kleinen Umwegen. Denn offensichtlich muss unsere Lok erst aus ihrem Schuppen herausgeholt werden. Und den muss man auch erst aufschließen. Durch solche Planlosigkeit entsteht wohl die berühmt-berüchtigte "verspätete Bereitstellung des Zuges".

Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (2) Quelle: Two Star Games Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (2) Aber dann stehen wir endlich vor ihm: unserem rollenden Zuhause für die nächsten vier Stunden, unserem stählernen Koloss auf acht Rädern, unserem feuchten Traum eines jeden Märklin- und LBG-Nerds. Wir taufen ihn liebevoll den "Ananas Express", weil er groß und gelb ist, und weil er ordentlich aus dem Schornstein raucht - so wie Seth Rogen zu seinen besten Zeiten. Dann gilt's nur noch, die Bremse zu lösen und ab geht die wilde Fahrt. Tschu Tschu, Mutterbeglücker. Volldampf voraus!

Bereits wenige Meter später tut sich allerdings das erste Problem auf: Der ICE Charles hinter uns drängelt. Er muss unbedingt vorbei, um seine Verspätung wieder reinzuholen. Wir sollen gefälligst auf einen anderen Schienenabschnitt wechseln! Schwierig bei nur einer Trasse. Deshalb mutieren Zug und Zugfahrer kurzerhand zum wortwörtlichen Tier - mit Spinnenbeinen und verzerrter Clownsfratze - und versuchen allen Ernstes, uns einfach von der Strecke zu schieben!

Kurz darauf haben wir den ersten Personenschaden zu beklagen. Eugene hat's erwischt. Hätte er mal auf den vorgeschriebenen Abstand zur Bahnsteigkante geachtet. Welch eine Schande, er war ein guter Mann. Wir haben allerdings keine Zeit für weitere Verzögerungen im Betriebsablauf. Also weiter geht's.

Nett, aber hässlich

Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (3) Quelle: Two Star Games Choo-Choo Charles: Dieser Horror-Zug hat keine Bremse! (3)

Wir erreichen den ersten Halt, das Museum von Aranaerum. Wir treffen auf ein paar Ortsansässige und kommen ein wenig ins Plaudern. Zeit ist ja genug da. Bis wir umsteigen müssen, dauert es eh nochmal gute 69 Minuten. Aber mal so unter uns, liebes Reisetagebuch: Etwas hässlich waren die Leute da schon: Haut und Haare wie aus Gummi, Bewegungen wie im Puppentheater. Und so ein wenig komisch waren die auch alle drauf: Beim Reden macht keiner den Mund auf, Augenkontakt ist auch nicht so deren Ding. Vielleicht sind sie einfach schüchtern aufgrund ihrer entgleisten Gesichtszüge?

Dafür sind die Leute in Aranaerum unfassbar nett und offen. Jeder erzählt dir vollkommen ungefragt seine halbe Lebensgeschichte. Jeder hat irgendwas, womit man sich die Zeit bis zum Anschlusszug vertreiben kann. Ein bisschen kurios ist es zwar schon, wenn man gebeten wird, einen brennenden Wagon zu löschen, Poster abzureißen oder ein Gurkenglas aus einer alten Mine zu holen. Und sonderlich anspruchsvoll oder gar abwechslungsreich sind diese Bringdienste auch nicht. Aber dabei kann man sich schön die Beine vertreten. Und bezahlt wird man auch noch! Hier und da gibt's ein wenig Spielzeug, meistens allerdings nur Schrott. Das ist jetzt aber nicht sooo ungewöhnlich. Das kennen wir aus der Redaktion ja nicht anders.

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