Chasm: Nach sechs Jahren Entwicklungszeit endlich im Test!
Test
Chasm ist erhältlich! Das klassische 2D-Metroidvania sorgte schon vor fünf Jahren auf Kickstarter für Aufsehen, hatte danach aber mit zig Verschiebungen zu kämpfen. Mit stimmiger 16-Bit-Optik, Castlevania-Charme und zufallsgenerierten Levels will das Action-Abenteuer trotzdem noch punkten. Ob das reicht, um gegen die moderne Konkurrenz zu bestehen, klären wir im Test zu Chasm.
Sechs Jahre dauert es, bis ein Neugeborenes das Grundschulalter erreicht. Fast genauso viel Zeit ist auch in Chasm geflossen! Die Arbeiten an dem Action-Adventure begannen schon im Sommer 2012, doch für Aufsehen sorgte es erst ein Jahr später, als die Entwickler es auf Kickstarter präsentierten: Ein klassisches Metroidvania im Castlevania -Stil, das mit hübsch-pixeliger 16-Bit-Optik und zufallsgenerierten Levels zahlreiche Backer fand. Doch der Weg zum Release entpuppte sich als steinig: Der Release von Chasm wurde im Laufe der Jahre so oft verschoben, dass viele Fans das Interesse verloren und sich lieber der immer stärker werdenden Konkurrenz zuwandten. Nun ist Chasm aber endlich fertig geworden - und zeigt im Test, dass es trotz starker Grundlagen nicht mehr ganz in der Oberliga mitspielt.
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Chasm im Test: Sechs Welten aus der Zufallskiste
Schon in der Kickstarter-Kampagne wurde klar: Chasm will das Rad nicht neu erfinden. In der Tradition von Klassikern wie Metroid und Castlevania: Symphony of the Night bestreitet ihr euer Abenteuer aus der 2D-Seitenansicht. Ihr spielt einen jungen Soldaten, der per Befehl in ein fernes Minendorf reist, um dort nach dem Rechten zu sehen. Von den Dorfbewohnen fehlt jedoch jede Spur, und so machen wir uns auf den Weg hinab in die Minen, um dort nach Überlebenden zu suchen. In den Tiefen bereisen wir schließlich sechs unterschiedliche Zonen, beispielsweise ein unterirdisches Schloss, eine Gruft und ein Dschungelgebiet, die nur über Tunnel miteinander verbunden sind - eine große, zusammenhängende Welt bekommt man daher nicht geboten.
Quelle: PC Games
Beim ersten Spielstart wird für euch eine zufällig angeordnete Welt erzeugt, die sich danach aber nicht mehr verändert. Chasm ist kein Rougelite!
Um sich von traditionellen Metroidvanias abzuheben, setzt Chasm auf eine Besonderheit: Beim ersten Spielstart werden alle sechs Levels aus vorgefertigten Bausteinen zufällig zusammengesetzt. Nur bestimmte Orte - etwa die Positionen von Bossen oder wichtigen Upgrades - befinden sich an festen Plätzen, die Wege dazwischen werden dagegen zufällig bestimmt. Praktisch: Das gesamte Level-Layout wird auch in einem Seed-Code festgehalten, den man auf Wunsch an Freunde weitergeben kann. Die Zufallsbausteine haben allerdings auch einen Nachteil: Im Gegensatz zu einem Ori and the Blind Forest wirkt der Großteil der Levelstrecken beliebig und austauschbar. Ihr springt die meiste Zeit einfach über eng bemessene Plattformen, schaltet willkürlich verteilte Gegner aus oder geht Fallen aus dem Weg - das ist solider Genre-Standard, dem es aber an spannendenen Entdeckungen und interessanten Umgebungen mangelt.
Chasm im Test: Neue Freunde
Immerhin: So öde wie das missglückte Sundered, das ebenfalls auf Zufallslevels setzt, wird Chasm nie. Die willkürliche Verteilung von Gegnertypen, Sprungeinlagen und seltenen (aber guten!) Puzzles sorgt aber dafür, dass das Erkunden der Pixel-Gewölbe längst nicht so motiviert wie in Spielen mit handgemachten Umgebungen, so wie man es etwa aus Steamworld Dig 2 kennt.
Quelle: PC Games
Wenn wir den Dorfschmied befreien, können wir uns bei ihm mit neuen Waffen und Rüstungen eindecken.
Ein klarer Lichtblick im Zufallsdunkel sind allerdings die Dorfbewohner, die wir in den Tiefen der Levels finden: Wenn wir Schmied, Händler, Alchemisten und mehr befreien, dürfen wir sie im Dorf besuchen und uns bei ihnen mit neuer Ausrüstung, Tränken und Upgrades eindecken. Nett: Manche Dorfbewohner haben auch kleine Aufgaben für uns parat, beispielsweise braucht die Bäckerin erst ein paar Säcke Mehl, bevor sie uns mit ihren Leckereien versorgen kann. Allesamt gute Ideen, die Chasm viel Charme verleihen, von denen es aber gerne noch mehr hätten sein dürfen!
Lust auf weitere Metroidvanias? In diesem Special stellen wir euch zehn spannende Kandidaten vor!
Chasm im Test: Kämpfe und Upgrades? Guter Standard.
Quelle: PC Games
Kämpfe fühlen sich weniger flüssig an als in vielen Konkurrenztiteln, versprühen aber angenehmen Retro-Charme.
Jeder Zufallsraum ist mit Gegnern gefüllt, die wir mit Schwertern, Messern, Lanzen, Keulen oder Peitschen (unser Favorit!) zu Pixelbrei verarbeiten. Hinzu kommen noch ein paar Zaubersprüche, die wir mit einer zweiten Angriffstaste auslösen und im späteren Spielverlauf weiter aufleveln dürfen. Die Kämpfe profitieren von einem ordentlichen Trefferfeedback, laufen aber längst nicht so flüssig und flott wie in modernen Genre-Vertretern à la Dead Cells ab. Das Retro-Spielgefühl erinnert eher an ältere Castlevanias, was offensichtlich aber von den Entwicklern beabsichtig war.
Neue Waffen und Rüstungsteile finden wir in der Spielwelt oder wir kaufen sie beim Händler, außerdem hinterlassen die Feinde manchmal ein Beutestück. Zusätzlich kann man beim Schmied noch verschiedene Erze gegen neue Ausrüstung eintauschen. Das Angebot ist überschaubar und viele Items entpuppen sich als schwächer als unser angelegtes Zeug, für die Spielzeit von 10 bis 12 Stunden geht die Menge an Items aber noch in Ordnung.
Quelle: PC Games
Rätsel sind leider selten, aber zumindest gut gemacht. Davon hätten wir gerne mehr gesehen!
Motivierender sind die Spezialfähigkeiten, die wir im Spielverlauf erbeuten und die es uns ermöglichen, neue Bereiche der Spielwelt zu erkunden: Neben dem genretypischen Doppelsprung gibt es auch Upgrades, die den Helden über Abgründe segeln lassen oder die es ihm erlauben, sich an Vorsprüngen festzuhalten. Das entschärft die anfangs etwas nervigen Sprungeinlagen deutlich.
Schade allerdings, dass die Taucherausrüstung erst spät verfügbar ist und nur in sehr wenigen Räumen zum Einsatz kommt. Überhaupt kommt das Element Wasser im ganzen Spiel kaum zum Tragen, hier verschenken die Entwickler einiges an Potenzial für spannendes Erkunden und clevere Rätsel! Löblich dagegen, dass wir auf der Karte kleine Markierungen setzen können, dadurch müssen wir uns die ganzen Upgrades und Schätze, die man beim ersten Erkunden verpasst, nicht alle merken. Das reduziert auch das Backtracking spürbar.
Chasm im Test: Schwächen im Balancing
Quelle: PC Games
Die meisten Bosse haben uns auf dem normalen Schwierigkeitsgrad wenig entgegenzusetzen.
Auffällig in unserer Test-Version: Das Balancing machte einen durchwachsenen Eindruck: So lassen sich die ersten Gegner noch kinderleicht umgehen, während man im letzten Level selbst mit guter Ausrüstung und hoher Charakterstufe gnadenlos verprügelt wird - bevor ihr euch zum Endboss aufmacht, packt ihr also besser eine Wagenladung Heiltränke ein! Auch die Heil- und Speicherstationen sind etwas zu spärlich auf der Karte verteilt, ebenso wie die Schnellreisepunkte, mit denen man zurück ins Dorf gelangt, um seine Vorräte aufzufüllen. Abhilfe könnten hier die Teleportationszauber schaffen, mit denen man prompt zurück an die Erdoberfläche gelangt - doch die gibt es leider nur in sehr geringer Stückzahl.
Quelle: PC Games
Die eingesperrten Dorfbewohner finden wir rein zufällig beim Erkunden.
Während manche Standard-Gegner übertrieben hart zuhauen, können uns andere dagegen kaum etwas anhaben: Mit der richtigen Ausrüstung im Gepäck sind selbst die wenigen Bossgegner keine Herausforderungen, manche von ihnen hatten wir (auf normaler Stufe) binnen Sekunden niedergeknüppelt! Das liegt vor allem am Zauberspruch "Magischer Schild", der auf der dritten Aufbaustufe übertrieben viel Schaden austeilt und damit alle anderen Zauber bedeutungslos macht. Selbst der letzte Bosskampf in der Arena, einer optionalen Herausforderung mit verschiedenen Belohnungen, kostete uns nur 12 Sekunden! Das ließ das groß angekündigte Gefecht buchstäblich harmlos erscheinen.
Chasm im Test: Charmanter Stil
Schön: Der bewusst grob gepixelte Retro-Grafikstil erinnert an 16-Bit-Titel der frühen 90er, rein optisch könnte Chasm also ebensogut dem Super Nintendo entsprungen sein. An die Pracht eines Owlboy kommt Chasm zwar nie heran, doch das tut der stimmigen Präsentation keinen Abbruch. Auch die Musik schneidet unterm Strich gut ab, die Stücke wiederholen sich zwar viel zu oft, drängen sich aber auch nie störend in den Vordergrund.
Chasm im Test: Umfang, Preis und Wiederspielwert
Quelle: PC Games
In unter 11 Stunden hatten wir alle Räume erkundet, alle Upgrades gesammelt und alle Bewohner gefunden.
Chasm ist zehn bis zwölf Stunden lang und bietet keinen New Game Plus-Modus, dafür aber immerhin mehrere Schwierigkeitsgrade inklusive optionalem Permadeath. Ambitionierten Spielern, die eine Herausforderung suchen oder sich in Speedruns messen wollen, mag das entgegenkommen. Weil man nach dem ersten Durchgang aber ohnehin nahezu alles von Chasm gesehen hat, verspürten wir keinen Drang, das Abenteuer noch ein zweites Mal zu erleben, wodurch die zufallsgenerierten Levels natürlich ihren Reiz verloren. Dafür überzeugt aber der niedrige Preis: Chasm mag im Vergleich zur hochwertigen Konkurrenz vielleicht kein Pflichttitel sein, seine 16 Euro ist das Spiel aber allemal wert. Chasm ist für PC, PS4 und PS Vita (Crossbuy) erhältlich. Die PS4-Version lag uns nicht zum Test vor.
Wer Lust auf weitere Metroidvanias hat, darf sich freuen: Mit Hollow Knight und Ori and the Blind Forest teilen sich zwei Meistwerke die derzeitige Genre-Krone. Wer sich lieber ein klassischeres Metroid-Erlebnis wünscht, wird mit Metroid: Samus Returns, dem kostenlosen AM2R oder dem gelungenen Axiom Verge fündig. Düsterer und härter geht's in Unworthy zu, während das bunte Steamworld Dig 2 vor allem Entdeckern eine großartige Spielwelt bietet. Noch wilder präsentiert sich das in Kürze erhältliche Guacamelee! 2. Und auch für Castlevania-Fans gibt's Licht am Ende des Tunnels, in Form von Bloodstained: Ritual of the Night. Noch mehr Indie-Geheimtipps zu kommenden Metroidvanias findet ihr hier in unserem Special!
