Unworthy im Test: Von wegen unwürdig - Indie-Geheimtipp für Metroidvania-Fans

Test Katharina Pache
Unworthy im Test: Von wegen unwürdig - Indie-Geheimtipp für Metroidvania-Fans
Quelle: Aleksandar Kuzmanovic

Unworthy ist ein Hardcore-Indie-Metroidvania, eng verwandt mit Dark Souls, Salt & Sanctuary und Hollow Knight. Was das Ein-Mann-Team namens Aleksandar Kuzmanovic auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend und hat uns im Test gut gefallen. Unworthy ist somit ein echter Geheimtipp für Soulslike-Freunde auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Auch, wenn sich an der außergewöhnlichen Minimal-Optik die Geister scheiden werden ...

Mutig: Das Metroidvania Unworthy im Retro-Look ist komplett (bis auf das rote Blut und eine kurze Ausnahme am Ende des Abenteuers) monochromatisch in Schwarz-Weiß gehalten, eure Spielfigur und die Gegner sind reine Silhouetten. Dennoch könnt ihr die Bewegungen eurer Widersacher gut lesen - das ist auch wichtig, denn ähnlich wie in Dark Souls verzeiht auch das Indie-Game keine Unachtsamkeiten. Selbst schwächere Feinde dürft ihr nicht unterschätzen, wenn ihr das Ende erreichen und euren Wert beweisen wollt! Neben den Anleihen an den modernen Rollenspielklassiker Dark Souls weckt Unworthy Erinnerungen an das erfolgsverwöhnte Ausnahme-Metroidvania Hollow Knight (das inzwischen auch auf der Switch erhältlich ist) und an das als 2D-Dark-Souls bekannte Indie-RPG Salt&Sanctuary.

Ein namenloser, stummer Held

Auferstanden von den Toten, zunächst nur mit Schwert und Schild bewaffnet, zieht ihr los um eine verfallene, gefährliche Metroidvania-Welt zu erkunden. Ihr könnt zwar nicht auf Knopfdruck springen, dank verschiedener Bewaffnungsoptionen öffnen sich euch neue Wege und Fortbewegungsmöglichkeiten. Eines der wichtigsten Hilfsmittel ist der Spirit Bow, mit dem ihr euch an die Stelle teleportiert, in der der Pfeil stecken bleibt. Mit dem Hammer zertrümmert ihr Steinblöcke im Weg und mit den magischen Handschuhen beseitigt ihr verzauberte Hindernisse.

Ihr braucht nicht alle diese Items, um das Ende des Spiels zu erreichen, für den Zugang zu diversen Geheimbereichen und Bossen bedarf es jedoch Aufmerksamkeit, die richtige Ausstattung sowie Gehirnschmalz, etwa, um gelegentliche Puzzles zu lösen. Aktiv sind stets zwei Waffen, zwischen denen ihr per Knopfdruck wechselt. Um die restlichen Werkzeuge zu nutzen, müsst ihr diese erst im Menü ausrüsten - bei komplizierteren Abschnitten nervt der ständige Werkzeugtausch.

Sündige Seelen

Wie bei Dark Souls verliert ihr eure Seelen - in diesem Fall "sin", also Sünde genannt - an der Stelle, an der ihr das Leben aushaucht. Erfahrungspunkte verdient ihr jedoch abseits der Sündenwährung und das Aufleveln geschieht automatisch, ihr müsst euch also nicht um eure Werte wie Gesundheit und Abwehr scheren, die werden von selbst besser. Als Rastplätze dienen Feuerschalen, auch das kommt Souls-Fans bekannt vor. Von euren gesammelten Sünden kauft ihr quasi Perks, die euch etwa einen Bonus auf kritischen Schaden, die Abwehr oder einen Vampirismuseffekt verleihen. Zusätzlich rüstet ihr bis zu fünf Runen aus, die weitere Eigenschaften optimieren, aber oft auch einen Malus aufweisen. Für zusätzliche 30% Schaden zum Beispiel müsst ihr den Verzicht auf die HUD-Einblendung in Kauf nehmen.

Rollen und Warten

Es gibt zwar insgesamt nicht allzu viele Gegnerarten in Unworthy, diese unterscheiden sich aber stark. Quelle: Aleksandar Kuzmanovic Es gibt zwar insgesamt nicht allzu viele Gegnerarten in Unworthy, diese unterscheiden sich aber stark. Wichtiger als die Rätsel und Platforming-Einlagen sind ohnehin die Kämpfe. Souls-Kenner finden sich sofort zurecht: abwarten, beobachten, zuschlagen, Ausweichrolle, auf die Ausdauer achten. Jede Bewaffnung kommt mit einer Spezialfähigkeit daher, der Schild des Starter-Waffensets etwa blockt automatisch Treffer, der Effekt hat aber einen langen Cooldown. Da sich Unworthy auf zwei statt drei Dimensionen beschränkt und es nicht so viele unterschiedliche Waffen gibt wie beim großen Bruder Dark Souls, fühlen sich die Kämpfe gleichförmiger an. Vielen Feinden kommt ihr bei, indem ihr einfach hinter sie rollt. Allerdings lassen sich durch präzises Waffenwechseln und Timing bei Hieben schöne Kombos zaubern. Dazu kommen interessant gestaltete Gegner, allen voran die Bosse, von denen jeder mit einer anderen Taktik gegen euch ins Feld zieht. Der Schwierigkeitsgrad ist ordentlich, aber für Fans dieser Art Spiele keineswegs außergewöhnlich hoch.

Ein Mann, ein Spiel

Unworthy ist ein gelungenes Indie-Metroidvania, nicht nur in Anbetracht der Tatsache, dass es sich dabei um das Ein-Mann-Projekt von Aleksandar Kuzmanovic handelt. Schon der Indie-Hit Stardew Valley bewies ja, dass auch Mini-Teams für maximalen Spielspaß sorgen können! Die Spielzeit von sechs bis zehn Stunden (abhängig davon, ob ihr versteckte Inhalte sucht) plus die Option New Game Plus und ein alternatives Ende inklusive Boss-Fight kann sich für den schmalen Preis von etwa elf Euro im Summer Sale auf Steam sehen lassen (regulär sind's etwa 13 Euro), die kryptisch-tragische Hintergrundgeschichte offenbart sich indirekt in Gesprächen, Item- und Gegnerbeschreibungen. Wer eine kleine Dosis Souls-like braucht und Indie-Spielen nicht abgeneigt ist, wird am Kleinod Unworthy viel Freude und ein bisschen Leid haben - aber das gehört ja dazu.

Meinung

Wertung zu Unworthy (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Wenig Waffen, die sich aber stark unterscheidenGut gestaltete, abwechslungsreiche BosseEin paar schöne PuzzlesSpaßige Kombo-MöglichkeitenBedrückende Atmosphäre, interessante SpielweltViele versteckte Wege und GeheimnisseAbwechslungsreiche, kreative BosskämpfeOrdentlicher Umfang und New Game PlusTrotz Pixel-Optik und Silhouetten-Figuren immer übersichtlichSchöne AnimationenStimmungsvolle Hintergrundmusik
Kämpfe gegen normale Gegner durch Ausweichrolle oft trivialWaffenwechseln im Menü umständlich und zu oft nötigTeils sehr obskure RätselKämpfe gegen mehrere Gegner gleichzeitig sind stressig statt spaßigGeringe GegnervielfaltViel Backtracking, bis die Schnellreise freigeschaltet istAuf 30 Frames beschränktKomplett auf Englisch
Fazit

Unworthy ist sicherlich kein Spiel für den Massenmarkt, aber passt gut in die Nische, die es bedienen will.

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