Owlboy im Test: Das lange Warten hat sich gelohnt!

Test Felix Schütz
Owlboy im Test: Das lange Warten hat sich gelohnt!
Quelle: D-Pad Studio

Nach neun Jahren endlich fertig: Der lang erwartete Indie-Plattformer verknüpft fein gepixelte Retro-Optik mit dichter Story, viel Gefühl und vielfältigem Design. Unser Test zeigt, warum Owlboy seinem guten Ruf gerecht wird - und wo das 2D-Abenteuer noch einen Tick besser sein könnte.

Owlboy (D-Pad Studio) Quelle: PC Games Owlboy im Test: Nach neun Jahren ist das lang erwartete 2D-Abenteuer endlich fertig. Gut Spiel will Weile haben: Schon seit 2007 geistert der Name Owlboy durch die Indie-Szene! Einen wunderschönen 2D-Plattformer hatte D-Pad Studio damals angekündigt, der prächtige 16-Bit-Retro-Optik mit modernem Gamedesign und dichter Story verbinden würde. Nun, neun Jahre später, sind die Entwickler endlich fertig - und sie dürfen zufrieden sein! Owlboy ist zwar kein Jahrhundertwerk geworden, erfüllt aber mühelos die hohen Erwartungen.

Owlboy im Test: Das schwere Los des Eulenkindes

Owlboy (D-Pad Studio) Quelle: PC Games Die vielen Dialoge sind gut geschrieben und liegen nur als englische Texte vor. Sprachausgabe gibt es nicht. D-Pad Studio besteht zwar nur aus fünf Entwicklern, doch das merkt man dem Spiel kaum an: Mit seinen hinreißend gepixelten Hintergründen, seinem liebevollem Charakterdesign und seinem hochwertigen Soundtrack ist Owlboy ein ausgesprochen schönes, stimmungsvolles Spiel geworden! Obendrein erzählt es eine ordentliche Story mit einigen überraschenden Wendungen. Die Geschichte spielt in einem zerklüfteten Land, das hoch in den Wolken schwebt. Dort lernen wir Otus kennen, einen tapferen Eulenjungen, der zwar stumm ist, dafür aber eine praktische Fähigkeit besitzt: Er kann dank seiner Flügel unbegrenzt fliegen und so die vertikale Spielwelt frei erkunden! Trotzdem ist Otus alles andere als glücklich: Erst scheitert er an den Erwartungen seines strengen Mentors, dann wird sein Dorf auch noch von brutalen Piraten überfallen. Während Otus versucht, die Sache wieder in Ordnung zu bringen und sich zu beweisen, wächst uns der kleine Junge schnell ans Herz. Das gelingt auch dank seiner drei Freunde, die wir im Spielverlauf treffen. Etwa den Soldaten Geddy, der Otus nach Leibeskräften beisteht. Schon allein durch seine sorgfältig geschriebenen Figuren und die guten, in Textform präsentierten Dialoge hebt sich Owlboy wohltuend von klassischen Plattformern ab.

Owlboy im Test: Freunde im Gepäck

Owlboy mag also vieles sein, doch eines ist es nicht: ein Metroidvania. Deren prägendstes Merkmal ist nämlich eine offene Spielstruktur, in der unser Held stetig neue Fähigkeiten und Ausrüstung sammelt, um neue Bereiche zu erschließen und Secrets zu entdecken. Und eben das tut man praktisch nie in Owlboy, es spielt sich ganz anders als ein Ori and the Blind Forest oder Legend of Zelda. In Owlboy schreibt uns die Story vielmehr ein klares Ziel vor, das wir dann ganz ohne nützliche Ingame-Karte selbst suchen müssen. Damit das nicht zu umständlich gerät, ist die Spielwelt recht linear aufgebaut, nur nach größeren "Dungeons" kehren wir in ein offeneres Freiluftareal zurück.
Otus trägt Geddy durch die Lüfte. Wie in einem Twinstick-Shooter ballern wir mit dem Soldaten frei in alle Richtungen. Quelle: PC Games Otus trägt Geddy durch die Lüfte. Wie in einem Twinstick-Shooter ballern wir mit dem Soldaten frei in alle Richtungen. Per Schrotflinte fackeln wir Hindernisse ab. Leider gibt es nur wenige Waffen und Fähigkeiten. Quelle: PC Games Per Schrotflinte fackeln wir Hindernisse ab. Leider gibt es nur wenige Waffen und Fähigkeiten. Da Otus keine neuen Fähigkeiten lernt und er außer einer Wirbelattacke und einer schnellen Ausweichrolle auch im Kampf völlig wehrlos ist, kommen ihm seine drei Freunde zur Hilfe. Die können wir nämlich per Tastendruck aufheben und so mit ihnen durch die Gegend fliegen. Geddy besitzt beispielsweise eine Knarre, die Gegner halbautomatisch anvisiert; damit bestreiten wir die meisten Gefechte. Nun wäre es aber viel zu umständlich, die drei Kumpels immer wieder neu aufheben zu müssen. Darum teleportieren wir sie einfach per Tastendruck direkt in Otus' Hände - das geht blitzschnell, als würde man eine Waffe wechseln. Dieser Trick ist sowohl in den Kämpfen als auch beim Erkunden bitter nötig, denn die Fähigkeiten unserer Mitstreiter brauchen wir oft: Einer kann etwa mit seiner Schrotflinte brennbare Hindernisse abfackeln und schwere Schalter beschweren, der andere hilft uns mit seinem Seilwerfer dabei, an eigentlich unüberwindbaren Hindernissen vorbeizukommen.

Owlboy im Test: Abwechslung und Überraschungen

Niedliche Idee: Otus quetscht eine Wolke aus, um das Schalterbecken darunter mit Wasser zu füllen. Quelle: PC Games Niedliche Idee: Otus quetscht eine Wolke aus, um das Schalterbecken darunter mit Wasser zu füllen. Obwohl Otus zwar auch ganz klassisch laufen und springen kann, verbringen wir fast das gesamte Abenteuer mit ihm in der Luft. Das macht herkömmliche Jump&Run-Aufgaben weitgehend überflüssig und lässt das Gameplay anfangs sogar recht fad erscheinen - nur rumzufliegen und ein bisschen auf Gegner zu ballern, wäre eben nicht genug, um die knapp achtstündige Spielzeit zu füllen! Darum haben die Entwickler für reichlich Abwechslung gesorgt: Otus' Abenteuer führt uns in Dornenwälder, verschneite Höhlen, stockfinstere Grotten, Lavatempel und einiges mehr, die oft eigene kleine Spielmechaniken mitbringen.In einem Eu­lentempel sollen wir beispielsweise kleine Regenwolken an Hindernissen vorbeizerren, nur um sie über Schalterbecken auszuquetschen, die mit Wasser gefüllt werden müssen.

Zwei Abschnitte stechen aber besonders heraus, in denen Otus es mit den Luftpiraten zu tun bekommt: Gegen die hat der Eulenjunge nämlich keine Chance, er muss daher in Deckung bleiben und sich an Suchscheinwerfern und patrouillierenden Wachen vorbeischleichen. Diese streng linearen Stealth-Abschnitte sind in der Regel nicht schwer und fallen ein bisschen zu lang aus, sorgen aber trotzdem für willkommene Tempo­wechsel und Spannung.
In einer von mehreren langen Schleichpassagen muss sich Otus vor den Blicken der Luftpiraten verbergen. Quelle: PC Games In einer von mehreren langen Schleichpassagen muss sich Otus vor den Blicken der Luftpiraten verbergen. Owlboy (D-Pad Studio) Quelle: PC Games Spannende Momente wie die Verfolgungsjagd durch den Riesenfrosch lockern das Abenteuer regelmäßig auf. Hin und wieder überrascht das Spiel auch mit dramatischen Action­einlagen und Reaktionstests. So müssen wir etwa vor einer gigantischen Roboterkröte flüchten oder einem Piratengeschütz ausweichen und hinter schwebenden Trümmern Schutz suchen. Einmal sind wir sogar gezwungen, auf einer riesigen mechanischen Feuerschlange wild durch einen einstürzenden Tunnel zu rasen - das spielt sich zwar nicht sonderlich präzise, erfüllt aber als dramaturgischer Levelabschluss seinen Zweck. Die abwechlungsreichen Schauplätze und unerwarteten Ereignisse gepaart mit vielen gelungenen Dialogszenen sorgen dafür, dass sich Owlboy trotz seiner 2D-Aufmachung nicht wie ein typischer Sidescroller anfühlt - eher wie ein cineastisches Action-Abenteuer im nostalgischen Pixelkleid. Und das ist kein Nachteil, sondern ein Alleinstellungsmerkmal!

Owlboy im Test: Luft nach oben

Die meisten Bossfights sind gut designt und fair. Erst im letzten Drittel geraten manche Kämpfe unerwartet knifflig. Quelle: PC Games Die meisten Bossfights sind gut designt und fair. Erst im letzten Drittel geraten manche Kämpfe unerwartet knifflig. Als Summe seiner Teile ist Owlboy also ein starkes Abenteuer, das in Erinnerung bleibt. Betrachtet man seine Bausteine jedoch für sich genommen, zeigt es auch klare Schwächen. Die Steuerung reagiert beispielsweise auch mit einem Gamepad nicht so präzise, wie man es von einem modernen 2D-Actionspiel erwarten kann. Hin und wieder nerven auch doppelte Tastenbelegungen, etwa wenn man mal wieder einen Begleiter aufhebt, anstatt wie geplant ein Stück Heilgemüse aus dem Boden zu rupfen oder einen Schalter zu drücken. Auch die Standardkämpfe verlieren schnell ihren Reiz: Das Geballer im Stil eines Twin-Stick-Shooters bleibt bis zum Spielende gleich - mehr Waffen und sinnvolle Upgrades hätten dem Spielablauf daher gut getan. Außerdem haben uns die meisten Gegner nur wenig entgegenzusetzen, Owlboy fühlt sich über weite Strecken etwas zu leicht an.

Immerhin: Die meisten Bosskämpfe sind gut designt und spannend. Doch in der zweiten Spielhälfte fallen manche Gefechte gegen dicke Brocken auch unerwartet knifflig aus. Gegen Ende warten außerdem ein unnötig bestrafender Schleichabschnitt und eine kleine, aber nervige Sprungeinlage, die mit schlecht gesetzten Checkpoints für Anflüge von Frust sorgt. Hier ist das Balancing einfach nicht ganz rund, da sich das übrige Spiel eher an Genre-Neulinge richtet.

Wo kaufen?
Owlboy ist derzeit nur als englischsprachiger Download über Steam, GOG und Humble Store erhältlich. Tipp: Für knapp 28 Euro gibt’s das Spiel auch als Bundle mit dem sehr guten Soundtrack!

Wo Owlboy aber wirklich schwächelt, sind seine Nebenziele: Abseits der Hauptstory haben wir kaum Anlass, die Welt zu erkunden und Geheimnisse zu entdecken. Es gibt zwar ein dreiteiliges Story-Secret und auch mehrere Schatztruhen aufzustöbern, doch vor allem letztere enttäuschen - die Kisten enthalten nämlich nur Geld, das wir bei einem Händler eintauschen. Dafür erhalten wir drei wichtige Upgrades, die Otus' Lebenspunktleiste wachsen lassen, außerdem jeweils eine Verbesserung für Gewehr und Schrotflinte sowie ein paar spielerisch sinnlose Hüte - das ist zu wenig, um Entdeckernaturen zu begeistern.

Wer aber einfach nur eine schöne Geschichte, liebenswerte Figuren und prachtvolle Pixelgrafik im 16-Bit-Stil erleben möchte, ist mit Owlboy prima beraten!

Owlboy im Test: Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Owlboy (PC)

Wertung:

8.2 /10
Pro & Contra
Wunderschön gepixelte Retro-OptikLiebenswerte CharaktereSolide Geschichte mit einigen interessanten WendungenDurchweg gelungenes Design der Hintergründe und FigurenGuter, stimmungsvoller SoundtrackAbwechslungsreiche Umgebungen und gelungene Überraschungen im Spieldesign (z. B. Schleichpassagen)
Action im Twinstick-Shooter-Stil verliert schnell an ReizSehr wenige Waffen und UpgradesWenig Erkundungsanreize abseits der StoryWenig SecretsEin paar nervige Spielabschnitte/Bosskämpfe im letzten Spieldrittel nagen am BalancingAutomatische Checkpoints sind nicht immer ideal gesetzt

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