Castlevania: Symphony of the Night: 25 Jahre Kult - Retro-Special
Special
Eines der bedeutendsten Action-Adventures wird 25 Jahre alt: Mit Castlevania: Symphony of the Night schuf Konami einen echten Klassiker, der heute als einer der Gründerväter aller Metroidvanias gilt. In unserem Retro-Special blicken wir zurück auf ein Kultspiel, das selbst heute noch ein echter Tipp für jeden Genre-Fan ist.
Das gilt auch für die Ausrüstungszauber, die man auf eigene Faust entdecken muss. Manche Waffen und Schilde verfügen nämlich über versteckte Sonderattacken und Funktionen, für die ihr ebenfalls kleine Tastenkombinationen eingeben müsst. So könnt ihr mit dem Alucard-Schwert beispielsweise einen schnellen, praktischen Teleportangriff ausführen. (Wie das funktioniert? Selbst rausfinden! Oder in eine der hervorragenden Fanseiten schauen.) Und wenn ihr den Schild-Stab als Waffe auswählt, könnt ihr in Verbindung mit einem Schild in der Nebenhand unterschiedlichste Zauber und Spezialeffekte auslösen, die euch zum Beispiel nützliche Buffs spendieren. Auch hier gilt: Völlig optional das Ganze, aber eben auch ziemlich cool, wenn man's dann mal zufällig entdeckt.
Und als wäre all das noch nicht genug, habt ihr nach dem Durchspielen die Möglichkeit, das Abenteuer noch einmal mit Richter Belmont als spielbaren Charakter zu erleben. In späteren Editionen konnte man außerdem in die Haut von Maria schlüpfen. Und von den unzähligen kleinen Easter Eggs fangen wir hier gar nicht erst an. Auch so dürfte langsam klar sein: Symphony of the Night war nicht nur ein bemerkenswertes Spiel seiner Ära, es ist auch heute noch ein richtig gutes Action-Abenteuer, das sich kein Metroidvania-Fan entgehen lassen sollte.
Quelle: PC Games
Zweiter Durchgang: Auch Richter ist eine optionale, spielbare Figur.
In Würde gealtert
Obwohl die 2D-Grafik schon 25 Jahre auf dem Buckel hat und dadurch ordentlich pixelig aussieht, hat sie sich erstaunlich gut gehalten. Von Alucards weichen Animationen über die detailverliebt gestalteten Gegner bis hin zum stimmungsvollen Gothic-Horror-Design ist die Präsentation in Würde gealtert. Da die erste Playstation über eine damals beachtliche Leistung verfügte, konnten die Grafiker hier und da auch schon mit echten 3D-Objekten arbeiten, die sich überraschend gut in die 2D-Umgebungen einfügen. So gibt es zum Beispiel eine Kapelle, die mit simplen Tricks im Hintergrund einen fantastisch-räumlichen Effekt entstehen lässt. Besonders gut gefällt uns auch ein unscheinbares Zimmer, in dem es auf den ersten Blick nix Besonderes zu entdecken gibt. Läuft man hier aber neben ein Bücherregal, klappt das Möbelstück - ein echtes 3D-Objekt - elegant zur Seite und macht den Weg zu einem weiteren Geheimgang frei. Solche Spielereien sind zwar selten, aber wenn sie zum Einsatz kommen, machen sie auch heute noch was her.
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Neben der Grafik hat sich auch der abwechslungsreiche Soundtrack bei vielen Castlevania-Fans eingebrannt. Die Serie war zwar schon immer für ihre eingängigen Melodien bekannt, doch Symphony of the Night legte da nochmal ein paar Schippen drauf. An diesem Soundtrack mussten sich die späteren Serienteile messen.
Quelle: PC Games
Der Boss Olrox verwandelt sich mitten im Kampf in eine grüne Riesenechse.
Trotz allem lief der Playstation-Release von Symphony of the Night eher schleppend an. Als das Spiel aber langsam doch noch zu einem Erfolg wurde, ließ Konami ein Jahr später eine überarbeitete Version für das Sega Saturn folgen. Diese Fassung brachte einen ganzen Schwung neuer Inhalte wie frische Gebiete, Fähigkeiten und Gegner mit. Trotzdem gilt sie unterm Strich als die schwächere Fassung, weil sie vor allem technisch enttäuschte. Da das Sega Saturn ohnehin nicht gegen die Konkurrenz von Sony bestehen konnte, hat sich letztendlich nur die Playstation-Version von Symphony of the Night durchgesetzt. Die Saturn-Fassung gilt dagegen heute als Sammlerstück.
Das (lange) Erbe von Symphony of the Night
Die Arbeiten an Symphony of the Night begannen zwar unter der Führung von Toru Hagihara (Rondo of Blood), allerdings rückte im Laufe der Entwicklung ein weitere Schlüsselfigur nach, die vielen Spielern bekannt sein dürfte: Koji Igarashi. Eigentlich als Programmierer und Autor angeheuert, wurde er zwischenzeitlich zum Assistant Director befördert und sorgte für die Fertigstellung von Symphony of the Night. Nach dem Erfolg des Spiels stieg Igarashi bei Konami weiter zum Producer auf und überwachte anschließend viele Jahre lang die Castlevania-Reihe.
Quelle: PC Games
Circle of the Moon brachte die Castlevania-Serie erfolgreich auf den GBA.
Die Serie wurde nun fast jährlich fortgesetzt, allerdings zog Konami zunächst nicht die richtigen Lehren aus Symphony of the Night. Stattdessen ließ man zuerst zwei 3D-Ableger für das nagelneue Nintendo 64 entwickeln. Als beide Spiele aber nur auf gemischtes Feedback stießen, beschloss Konami, wieder zum 2D-Konzept von Symphony of the Night zurückzukehren. Eine richtige Entscheidung! Mit Castlevania: Circle of the Moon, das 2001 für den Game Boy Advance erschien, fand Konami langsam wieder zu alter Stärke zurück. Das Spiel hatte zwar seine Macken (zum Beispiel eine ungünstige Farbpalette), wurde aber trotzdem top bewertet und zeigte deutlich, wohin die Reise für die Marke gehen sollte.
Igarashi produzierte in den Jahren danach noch eine Menge Spiele aus der Reihe, darunter auch zwei weitere 3D-Ableger für die Playstation 2 und Xbox. Die waren zwar nicht schlecht, fanden aber weit weniger Beachtung als die nächsten 2D-Spiele, die Konami für den Game Boy Advance entwickeln ließ: Zuerst kam das etwas unterschätzte Castlevania: Harmony of Dissonance auf den Markt, das vor allem mit einem coolen Magiesystem punkten konnte und bewusst darauf abzielte, vertraute Elemente und das Spielgefühl aus Symphony of the Night zurückbringen. Mit der anstrengenden Musikuntermalung enttäuschte das Spiel aber auch einige Fans.
Quelle: PC Games
Aria of Sorrow gilt bis heute als einer der besten Castlevania-Titel.
2003, also nur ein Jahr später, setzte das gefeierte Castlevania: Aria of Sorrow dann nochmal einen drauf und machte fast alles richtig. Das GBA-Abenteuer war zwar sehr kurz, wurde aber für seinen exzellenten Spielfluss und sein innovatives Seelensystem gelobt. Bis heute gilt es eines der besten Spiele im Fahrwasser von Symphony of the Night.
Da alle GBA-Spiele gut bei den Fans ankamen, ließ Konami auf dem Nintendo DS gleich nochmal drei Titel in der gleichen Machart folgen. Das originale Symphony of the Night geriet dabei allerdings ins Hintertreffen, schließlich war die erste Playstation zu der Zeit schon längst abgemeldet.
Kauftipps: Hier könnt ihr die meisten Castlevania-Klassiker nachholen
- Castlevania Anniversary Collection auf Steam, Switch, Xbox One und Playstation 4
- Castlevania Advance Collection auf Steam, Switch, Xbox One und Playstation 4
- Castlevania Requiem (Symphony of the Night & Rondo of Blood) für Playstation 4
- Castlevania: Symphony of the Night für Xbox 360 und Xbox One
Viele Neuauflagen, aber kein Remake
Erst 2007 hatte Konami ein Einsehen und ließ - zehn Jahre nach dem Original - überraschend eine ordentliche Xbox-360-Umsetzung von seinem Kultspiel entwickeln. Außerdem kehrte Symphony of the Night wieder als Download ins Playstation Network zurück. Ein kurioser Fall war außerdem Castlevania: The Dracula X Chronicles, das 2008 exklusiv für die Sony PSP erschien. Dahinter verbarg sich auf den ersten Blick "nur" ein vollständiges 2,5D-Remake von Rondo of Blood, was für sich genommen schon ziemlich cool war - schließlich war Rondo of Blood bis zu diesem Zeitpunkt nur in Japan erhältlich. Als besondere Extras waren aber auch die Originalfassung von 1993 und ein kompletter Port von Symphony of the Night auf der kleinen Disc enthalten.
Quelle: PC Games
Die englische Übersetzung wurde in späteren Fassungen überarbeitet.
Beide Spiele musste man zwar erst etwas umständlich freischalten, aber dafür wurden sie auch ein bisschen aufgepeppt: Der erste Teil erhielt genau wie sein Remake erstmals eine englische Übersetzung. Und im Nachfolger wurden die legendär schlechten englischen Dialoge neu übersetzt und nochmals eingesprochen. (Das schräge Kult-Zitat "What is a man? A miserable little pile of secrets." wurde in dieser Fassung ebenfalls ausgewechselt.) Und genau diese beiden überarbeiteten Versionen kamen dann schließlich für Castlevania Requiem zum Einsatz, eine Sammlung aus Rondo of Blood und Symphony of the Night, die 2018 exklusiv für PS4 erschienen ist.
Nochmal zwei Jahre später folgte dann der bislang letzte Port von Symphony of the Night, diesmal für iOS und Android. Die Touch-Steuerung ist natürlich nicht zu gebrauchen, mit einem angeschlossenen Gamepad spielt es sich aber auch an Smartphone und Tablet wie an der Konsole.
Fassen wir zusammen: Ihr könnt das Playstation-Kultspiel heute problemlos auf eurem Smartphone erleben, auf der Xbox Series X oder eurer PS5. Doch ausgerechnet auf dem PC und auf der Switch, wo Metroidvanias traditionell besonders gut laufen, ist es bis heute nie angekommen! Auch an einem Remaster oder einem richtigen Remake scheint Konami kein großes Interesse zu haben. Dabei hätte sich doch gerade der 25. Geburtstag für ein schickes Comeback angeboten.
Castlevania und seine Folgen
Doch Konami hadert schon lange mit einer seiner ältesten Marken. Schon im Jahr 2010 beschloss man, die Castlevania-Serie mit Lords of Shadow einem grundlegenden Reboot zu unterziehen. Die Spiele wurden vom spanischen Studio Mercury Steam entwickelt und hatten mit den Vorgängern im Grunde nix mehr am Hut. Der erste Teil war zwar gut und sehr erfolgreich, die beiden Nachfolger erfüllten aber nicht mehr die hohen Erwartungen. Der Reboot dürfte damit ein Hauptgrund dafür sein, dass Castlevania immer weiter in der Versenkung verschwand - denn seither lässt Konami die Marke mehr oder weniger vor sich hindümpeln. Ableger wie das iOS-exklusive Castlevania: Grimoire of Souls sorgten bei den meisten Fans nur noch für Kopfschütteln.
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Das rief allerdings viele andere Studios und Indie-Entwickler auf den Plan, denn die erkannten, dass das Genre immer noch quicklebendig ist - und seitdem produzieren sie Metroidvanias wie am Fließband. Auch Koji Igarashi brach 2014 seine Zelte bei Konami ab und suchte sein Glück mit einem neuen Team. Getrieben von dem Wunsch, an seinen größten Erfolg Symphony of the Night anzuknüpfen, rief er 2015 eine Kickstarter-Kampagne für einen geistigen Nachfolger ins Leben. Sein Titel: Bloodstained: Ritual of the Night. Die Antwort der Fans war gewaltig: Ohne auch nur einen Funken an Gameplay gesehen zu haben, wurde das Projekt mit 5,5 Millionen US-Dollar eines der erfolgreichsten Spiele, die je über Kickstarter finanziert wurden. Bloodstained ließ dann zwar noch ein paar Jährchen auf sich warten, aber als es dann endlich mal fertig war, brachte es tatsächlich eine ganze Menge von der alten Castlevania-Magie zurück, die man bei Konami schon so lange vermisst hatte. Auch in unserem großen Test konnte sich Bloodstained überaus wacker schlagen.
Doch so schön Bloodstained auch war, konnte es seinem großen Vorbild trotzdem nicht ganz das Wasser reichen. Und eigentlich hatte das auch niemand wirklich erwartet. Schließlich hat Symphony of the Night gemeinsam mit Super Metroid den Weg für all die Spiele geebnet, die wir heute als Metroidvanias kennen. Und wenn es ein Spiel schafft, ein eigenes Genre zu etablieren, wenn man seine Einflüsse nach 25 Jahren noch deutlich spürt, wenn es selbst heute noch ein echter Tipp für jeden Metroidvania-Fans ist - dann muss es schon etwas ganz Besonderes sein.
Natürlich hat die Castlevania-Serie aber noch andere Highlights auf Lager. Manche bevorzugen beispielsweise die klassischen Teile wie Castlevania: Dracula X oder das gelungene Super Castlevania 4. Also schreibt uns doch einfach mal, welche Castlevanias für euch ganz vorne liegen, welche Erinnerungen ihr mit Symphony of the Night verknüpft - und wie ihr euch eine Rückkehr der Marke vorstellen würdet. (Vielleicht liest ja jemand von Konami mit!?) Wir freuen uns auf euer Feedback!
