Ab in die Normandie! In London haben uns die Entwickler gezeigt, was das nächste Call of Duty mit seinem Zweiter-Weltkrieg-Setting alles in petto hat.
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In den vergangenen Jahren konnte man fest damit rechnen, dass kurz vor Weihnachten ein neues Call of Duty mit einem Zukunftssetting mit noch mehr Robotern, Drohnen und Cyber-Waffen auf den Markt kommt. Obwohl viele Kritiker und auch Spieler die großen grafischen und spielerischen Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Ablegern bemängelt haben, schien sich die Activision-Formel trotzdem wie geschnitten Brot zu verkaufen - und bescherte natürlich Milliardengewinne für den Publisher. Doch seit Call of Duty: Infinite Warfare und vor allem nach dem PR-Debakel zur Ankündigung des letzten Teils fühlt man sich bei Activision scheinbar nicht mehr so sicher, was den Erfolg der Serie angeht. Ob die Fans sich nun über das zu abgedrehte Weltraumsetting oder doch eher über die spielerischen Ähnlichkeiten geärgert haben, lässt sich nur schwer feststellen. So oder so hatte der Reveal-Trailer innerhalb weniger Stunden mehrere Hunderttausend "Dislikes" geerntet (bis heute gar über drei Millionen); entsprechend war eine große Veränderung für den nächsten Teil fast schon vorprogrammiert. Die Weichen für einen grundlegenden Kurswechsel wurden allerdings schon vor rund drei Jahren gestellt: Statt einen weiteren Zukunftsableger zu entwickeln, begann Sledgehammer Games nämlich mit den Arbeiten an Call of Duty: WWII. Warum man nun ausgerechnet das wohl am häufigsten umgesetzte Szenario im Ego-Shooter-Genre für die Trendwende ausgesucht hat und was das Besondere an dem Spiel ist, genau darüber konnten wir mit dem Studiogründer Michael Condrey auf dem Ankündigungs-Event in London sprechen. Wir durften aber natürlich nicht nur mit dem Ex-Dead Space-Macher nett plaudern, sondern bekamen zudem noch zwei Missionen aus der Kampagne vorgespielt. Zum Mehrspielermodus gab es in London hingegen nur einige Hinweise, über die Details zum Multiplayer-Part will man sich eigentlich erst zur E3 äußern - und die Messebesucher die hitzigen WWII-Gefechte sogar spielen lassen.
Kameraden gehen vor!
Dieses Mal geht es also zurück zu den Wurzeln der Serie, nämlich auf die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs. In Call of Duty: WWII begleiten wir eine kleine amerikanische Einheit, die "One Squad", von der Normandie-Landung über die Eroberung von Paris bis zu ihren letzten Gefechten in Deutschland. Dabei wollen die Entwickler nicht eine weitere Heldengeschichte erzählen, sondern allen voran die Kameradschaft zwischen den Soldaten in den Mittelpunkt der Kampagne stellen. Nicht umsonst hätten die meisten Weltkriegsveteranen auf beiden Seiten über ihre Kameraden und ihre Heldentaten berichtet, aber nur selten mit ihren eigenen Leistungen geprahlt - so fasste Studiogründer Michael Condrey die
Quelle: Activision/Blizzard
In den Kampagne erleben wie den Krieg aus der Sicht der "One Squad".
Beweggründe für die Entscheidung treffend zusammen. Daher werden wir nicht nur den Hauptprotagonisten Red Daniels richtig gut kennenlernen, sondern innerhalb der Kampagne ebenso seine Squad-Mitglieder. Zudem wollen die Entwickler auch die Perspektive der anderen alliierten Soldaten rüberbringen und so könnte es sein, dass wir in einer Mission auch mal in die Haut einer französischen Widerstandskämpferin schlüpfen dürfen. In die Rolle eines deutschen Wehrmachtssoldaten werden wir hingegen nicht zu den Schlachtfeldern geschickt. Diese Entscheidung können wir bei einem Call of Duty gut nachvollziehen, da die Serie bislang selten den Anspruch hatte, moralisch komplexe Sachverhalte innerhalb ihrer auf Action getrimmten Kampagnen zu servieren.
Für eine neue Generation
Doch eines ist den Entwicklern ebenso wichtig wie die Kameradschaft: Sledgehammer will mit Call of Duty: WWII einer neuen Generation von Spielern die brutale Realität des Weltkrieges näherbringen. Das leuchtet auch uns ein: Zehn Jahre nach dem letzten Ableger im Zweiten Weltkrieg kann man tatsächlich davon ausgehen, dass ein guter Teil der Spieler von heute nie oder nur am Rande mit den etlichen Medal of Honors und Konsorten in Berührung gekommen ist. Aber auch sogenannte Spieleveteranen dürften bei Call of Duty: WWII auf ihre Kosten kommen: Die uns gezeigte Normandie-Landung führte gekonnt vor, dass die Technik seit dem letzten Zweiter-Weltkrieg-Ableger, sprich seit World at War, große
Quelle: Activision/Blizzard
Ob es wie im ersten Call of Duty Missionen gibt, in denen wir mit Panzern unterwegs sind, haben die Entwickler nicht bestätigt. Szenen aus dem Trailer sprechen dafür.
Sprünge gemacht hat. Nicht nur die Gesichter der Soldaten sehen heute deutlich lebensnaher aus als noch vor zehn Jahren, auch die gesamte Schlachtatmosphäre kommt dank vieler kleiner Details und dem gelungenen Spiel zwischen Schatten und Licht besser rüber. Unserer Meinung nach wirkte die Landungsszene in Call of Duty: WWII sogar etwas authentischer als in Spielbergs Antikriegsfilm Der Soldat James Ryan, dessen riesiger Erfolg ja ein Motivationsfaktor für die vielen Zweiter-Weltrieg-Shooter der Zweitausenderjahre war - allein das ist ein guter Grund, um zu den altbekannten Schlachtfeldern zurückzukehren!
Bomben knallen, Bäume fallen
Quelle: Activision/Blizzard
Grüne Hölle: Eine der Missionen ist im Hürtgenwald angesiedelt. Dort kämpften Amerikaner und Deutsche bis zu den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges.
Die erste uns vorgeführte Mission ist im Hürtgenwald angesiedelt, in der wir uns mit unseren Squad-Kameraden durch die grüne Hölle kämpfen. Dabei auffällig ist, dass es in Call of Duty: WWII - zumindest in der Kampagne - auch eine Art Zerstörungssystem gibt. Als ein Artillerieschlag auf unsere Truppe fiel, gingen nicht nur wir und unsere Kameraden schlagartig zu Boden, sondern ebenso die Bäume! Ob es sich dabei nur um ein Script-Ereignis handelt oder Sledgehammer Games wirklich Battlefield Konkurrenz machen möchte, lässt sich aber schwer sagen. Jedenfalls hinterlässt die Mission dank der umfallenden Bäume und auch der sonst sehr detaillierten Umgebung samt malerischen Flüssen, dichtem Laub und steilen Hügeln einen hervorragenden Eindruck - scheinbar hat man kräftig an der Engine geschraubt. Was die Entwickler alles an dem hauseigenen Grafikmotor gedreht haben, will man uns aber noch nicht verraten. Insgesamt wirkt aber die uns gezeigte Version optisch um eine Ecke besser als noch Call of Duty: Infinite Warfare. Ob dieser Eindruck wirklich stimmt, lässt sich aber erst dann sagen, wenn wir selbst Hand anlegen dürfen und uns frei in den Umgebungen bewegen dürfen.
Nach dem kurzen Ausflug nach Hürtgenwald zeigen uns die Entwickler noch zwei Ausschnitte aus der Normandie-Landungsmission. Wie bereits angesprochen, wirken die Szenen in den Landungsbooten und der anschließende Sturm auf die deutschen Verteidigungsanlagen sehr authentisch. Doch wenn es um die Brutalität des Krieges geht, wird das Ganze sogar später noch übertrumpft: In den harten Kämpfen im Inneren der Bunker kommt es einige Male zu Nahkämpfen. Im Gegensatz zu den Vorgängern, werden diese in wirklich brutalen Quick-Time-Events abgehandelt. So greift unser Protagonist zum Beispiel zu einem Helm, mit dem er den Kopf seines Widersachers zu Brei schlägt - aus der Ego-Perspektive wirkt das ganze so blutig und eklig, dass wir gut und gerne auf das Frühstück vor dem Event verzichtet hätten. Wir hoffen, dass diese Quick-Time-Events nicht allzu häufig vorkommen. Nicht weil sie schlecht gemacht wären, aber unserer Meinung sollten solche Szenen eher einmalig bleiben, damit sie nicht zu Massenware verkommen und so an Bedeutung verlieren.
Der Mehrspielermodus
Eine große Bedeutung für das Call of Duty-Franchise hat natürlich auch der Mehrspielermodus. Zwar wollten die Entwickler vor Ort eigentlich kaum etwas zum zweiten Standbein der Ego-Shooter-Reihe sagen, aber so ganz konnten sie ihre Begeisterung über die kommenden Neuerungen uns nicht vorhehlen. Erfahren haben wir in London, dass man für den Multiplayer-Modus nach den Zukunftsballereien und ihren Jetpack-Kämpfen wieder zur Formel "Boots on the Ground" greifen und so wohl ein ähnliches Erlebnis wie noch in Modern Warfare 3 bieten möchte. Das heißt, dass es vor allem auf die Waffen und Perks ankommen wird und nicht mehr so sehr auf die schnellen, vertikalen Jetpack-Kämpfe.
Zudem gaben die Entwickler auch bekannt, dass man einen Social-Bereich für den Mehrspielermodus erschaffen wird. In den sogenannten Headquarters sollen sich Spieler zwischen den Partien treffen und dort miteinander agieren können. Wir vermuten, dass es sich bei diesem Bereich um etwas Ähnliches wie den Turm in Destiny handelt. Ob Call of Duty-Fans sich tatsächlich so etwas wünschen, werden wir wohl erst nach dem Release erfahren. Ebenso wird es noch eine Weile dauern, bis Sledgehammer uns etwas über den versprochenen Koop-Modus erzählt. Fest steht lediglich, dass es sich dabei um den aus vielen anderen Teilen der Reihe bekannten Zombie-Modus handelt, dieses Mal zum Szenario passend mit untoten Nazis.
Quelle: Activision Blizzard
Lippenherpes im Endstadium: Nazi-Zombies sind in der Call of Duty-Serie nichts Neues. Doch nie sah das Gammelfleisch ekliger aus, als im kommenden Zombie-Modus.
So oder so müssen wir aber sagen, dass Activision und Sledgehammer Games sich bei der Wahl des Settings keinen Fehler geleistet haben. Der Call of Duty-Reihe tut ein kompletter Tapetenwechsel nach den etlichen Zukunfts-Teilen richtig gut, auch wenn es am Ende "nur" zurück zu den Wurzeln der Reihe geht. Wir freuen uns jedenfalls, nach einer zehnjährigen Pause wieder zu den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges zurückzukehren und sie in moderner Optik zu erleben. Natürlich erwarten wir von Call of Duty: WWII keine komplexe Handlung oder einen spielbaren Antikriegsfilm im Stil von Apocalypse Now. Aber zumindest ein Spiel, das grandiosen TV-Serien wie Band of Brothers oder The Pacific in nichts nachsteht und vor allem dank einer kurzweiligen Kampagne zeigt, dass Activision sich weiter gegen die beinharte Konkurrenz behaupten kann.
