Call of Duty: Modern Warfare im Test: Multiplayer und Spezialeinheit

Test David Benke
Call of Duty: Modern Warfare im Test: Multiplayer und Spezialeinheit
Quelle: Activision

Endlich wieder mal ein richtig gutes Call of Duty - das war die einhellige Meinung in den Kommentarsektionen unter Trailern und Vorschauen zum neuen Modern Warfare. Wir haben nun endlich die Vollversion vorliegen, bereits mehrere Stunden darin verbracht und verraten euch, ob das Shooter-Reboot tatsächlich so überzeugend ausfällt, wie viele Spieler es sich vorstellen.

Das alles macht Lust auf mehr und davon gibt es dankenswerterweise genug. Nach Abschluss der Kampagne könnt ihr euch etwa noch in den kooperativ spielbaren Spezialeinheit-Modus stürzen, in dem der Kampf gegen Al-Qatala weitergeführt wird - wenn auch nur in relativ überschaubarem Umfang. Zur Auswahl stehen euch vier verschiedene Missionen, in denen ihr gegen die terroristische Bedrohung vorgeht und versucht, einem neuen Obermotz das Handwerk zu legen. Dafür arbeitet ihr euch über große Karten im Open-World-Stil vor und erfüllt nacheinander kleinere Teilaufträge. Ihr hackt beispielsweise feindliche Kommunikationsgeräte, rettet Geiseln oder markiert Waffenlager für verbündete Luftschläge. Das ist nicht sonderlich innovativ, aber dennoch ganz unterhaltsam. Zumal ihr vor dem Start einer jeden Runde eure Ausrüstung festlegen und euch für eine von sechs verfügbaren Rollen mit individuellen Fähigkeiten entscheiden dürft. Als Sanitäter belebt ihr etwa Kameraden schneller wieder, als Sprengmeister tragt ihr einen Granatwerfer mit euch herum.

Nicht eingelöste Versprechen und Exklusivdeals

Problematisch ist nur der Schwierigkeitsgrad der Missionen. Der lässt sich nämlich nicht manuell anpassen. Dadurch seht ihr euch stets mit endlosen Gegnerwellen konfrontiert, die auch mal überraschend in eurem Rücken spawnen und sich erschreckend widerstandsfähig zeigen. Zeitweise steht ihr gleich drei gepanzerten Juggernauts auf einmal gegenüber, die problemlos mehrere Magazine aushalten. So sind eure Waffen irgendwann leergeschossen und euer Schicksal besiegelt.

Als vierköpfige Spezialeinheit gilt es, verschiedenste Missionen zu erledigen. Beispielsweise befreit ihr eine Ärztin aus der Geiselhaft. Quelle: PC Games Als vierköpfige Spezialeinheit gilt es, verschiedenste Missionen zu erledigen. Beispielsweise befreit ihr eine Ärztin aus der Geiselhaft. Nach eurem virtuellen Ableben könnt ihr immerhin noch die "klassischen Spezialeinheiten" ausprobieren - wobei die so gar nichts Klassisches an sich haben. Wer Spec-Ops-Missionen im Stile von Modern Warfare 2 erwartet, in denen ihr etwa eine brasilianische Favela von Terroristen säubert, der dürfte enttäuscht sein. Tatsächlich tretet ihr nämlich einfach nur gegen ein paar Gegnerhorden an und wartet auf eure Extrahierung. Schade, denn die Entwickler hatten im Vorfeld wesentlich mehr angekündigt. Unter anderem war die Rede von einem 3-Sterne-Wertungssystem, das eure Leistung beurteilt, und einer "Infinity Ward Zeit", die man schlagen könne. Davon fehlt jedoch jede Spur. Ähnlich sieht es mit Varianz in Sachen Karten aus. Aktuell gibt es nur eine einzige Map, das ist schon ziemlich mau. Zudem lässt sich der Modus weder in privaten Lobbys noch im Splitscreen an einer Konsole spielen. Das haben die Vorgänger aus PS3-Zeiten wesentlich besser hinbekommen.

Stichwort Playstation: Für die gibt es noch einen zusätzlichen Spec-Ops-Modus namens Survival. Der ist ein Jahr lang exklusiv PS4-Spielern vorbehalten und erst ab 1. Oktober 2020 auch für andere Plattformen verfügbar. Das ist durchaus bedauerlich, schließlich gehört der virtuelle Überlebenskampf tatsächlich zu den Highlights des Koop-Modus. Mit bis zu vier Spielern setzt ihr euch hier gegen stetig stärker werdende Gegnerwellen zur Wehr. In den Pausen zwischen den Angriffsphasen könnt ihr durch Abschüsse verdientes Geld in Waffen, Granaten und Abschussserien investieren. Da die Knarren, die ihr im Koop-Modus verwendet, dabei auch noch im Level aufsteigen, schaltet ihr so zudem neue Aufsätze und Lackierungen frei, die ihr dann im Multiplayer einsetzen könnt. Nette Sache.
Im Spec-Ops-Modus stehen euch verschiedene Rollen zur Auswahl. Als Sprengmeister habt ihr etwa einen Granatwerfer mit Thermitmunition dabei. Quelle: PC Games Im Spec-Ops-Modus stehen euch verschiedene Rollen zur Auswahl. Als Sprengmeister habt ihr etwa einen Granatwerfer mit Thermitmunition dabei.

Ballerspaß über alle Plattformen hinweg

Im klassischen Mehrspieler-Modus erwartet euch natürlich erneut das altbekannte CoD-Spielerlebnis, versetzt mit einigen nennenswerten Änderungen. Im Vergleich zu Black Ops 4 gibt es etwa keine Spezialisten mehr, sondern die sogenannten Operatoren. Bei denen handelt es sich allerdings nur um Skins ohne spielerische Vorteile. Bei der Klassenerstellung verzichtet Modern Warfare zudem auf das altbekannte Pick-10-System, stattdessen könnt ihr eure Ausrüstung nun weitestgehend uneingeschränkt zusammenstellen und beim Waffenschmied bis zu fünf Aufsätze aus neun Kategorien an eure Knarren schrauben - beispielsweise Visiere oder Griffe, die ihr wie neue Tarnmuster mit steigendem Level freischaltet. Alternativ gibt es optische Items aber auch für das Erledigen von Herausforderungen.

Beim Waffenschmied könnt ihr eure Wummen ganz nach Belieben anpassen. Die Möglichkeiten sind dabei schier unendlich. Quelle: PC Games Beim Waffenschmied könnt ihr eure Wummen ganz nach Belieben anpassen. Die Möglichkeiten sind dabei schier unendlich. Habt ihr Gegenstände erst mal erspielt, dürft ihr sie übrigens über alle Plattformen hinweg nutzen. Call of Duty: Modern Warfare verfügt nämlich über eine Crosssave- sowie eine Crossplay-Funktion. Letztere ermöglicht es euch, auch als PC-Spieler gegen Konsoleros anzutreten. Um Unfairness müsst ihr euch dabei aber keine Gedanken machen. Das Matchmaking-System funktioniert basierend auf eurem Eingabegerät, was bedeutet: Controllernutzer beziehungsweise Maus-und-Tastatur-Nutzer bleiben im Regelfall jeweils unter sich. Wobei wir vereinzelt auch auf gemischte Lobbys gestoßen sind. Wer sich daran stört, kann das Crossplay-Feature aber auch einfach ganz ausschalten.

CoD trifft auf Battlefield

Schließlich hat sich auch in Sachen Spiemodi noch etwas getan. Die Klassiker Free-for-All, Team-Deathmatch oder Herrschaft sind natürlich wieder mit dabei, ebenso wie ihre Hardcore-Abwandlungen. Mit der Cyberattacke ist aber auch eine neue Spielvariante dazugekommen. Hier gilt es, ein EMP-Gerät auf der Karte zu bergen und damit das gegnerische Datenzentrum außer Gefecht zu setzen. Klingt ein wenig nach Suchen-und-Zerstören, hat aber durch die Möglichkeit, gefallene Teamkameraden wiederzubeleben, eine ganz eigene Dynamik. Selbiges gilt für den Realismus-Modus, in dem ihr komplett ohne Bildschirmeinblendungen auskommen müsst.

Dazu gesellen sich dann noch die Feuergefechte, in denen ihr im 2-gegen-2 mit wechselnden Loadouts gegeneinander spielt, und der Bodenkrieg. Bei dem handelt es sich quasi um ein groß angelegtes Herrschaftsmatch, in dem ihr mit insgesamt 64 Spielern um fünf Kontrollpunkte kämpft. Ein paar Spielelemente haben sich die Entwickler augenscheinlich auch bei Battlefield abgeschaut: Ihr seid etwa in Vierersquads unterwegs und könnt Fahrzeuge wie Quads, Panzer und Helikopter nutzen. Das funktioniert insgesamt überraschend gut - gerade wenn man bedenkt, dass Infinity Ward mit den weitläufigen Schlachten Neuland betritt.
Panzer, ich begrüße Sie! In den neuen Bodenkrieg-Matches seid ihr jetzt auch mit Fahrzeugen unterwegs. Quelle: PC Games Panzer, ich begrüße Sie! In den neuen Bodenkrieg-Matches seid ihr jetzt auch mit Fahrzeugen unterwegs.

Auf der Stelle stehen, statt aufs Ganze zu gehen

Ein paar Kritikpunkte gibt es aber dennoch. Ihr zieht beispielsweise keinerlei spielerischen Nutzen daraus, im Team unterwegs zu sein. Ihr könnt keine Befehle erteilen oder Mitspieler heilen und auch eine Rollenverteilung wie in Battlefield sucht man vergeblich. Die Fahrzeugsteuerung wirkt zudem noch nicht ganz ausgereift. Das könnte aber auch daran liegen, dass es keine Umgebungszerstörung gibt und ihr so selbst mit Panzern an einer Mülltonne hängenbleibt. Zu guter Letzt wäre da noch das Mapdesign: Die zwei verfügbaren Karten laden mit ihren Klippen und Hochhäusern perfekt zum Campen ein. So kommt es vor, dass man schon auf dem Weg zu einem Eroberungspunkt scheinbar aus dem Nichts erschossen wird.

Ein häufiges Bild in Modern Warfare: Die Abschusskamera verrät, dass ihr wiedermal hinterrücks mit einem Scharfschützengewehr erledigt wurdet. Quelle: PC Games Ein häufiges Bild in Modern Warfare: Die Abschusskamera verrät, dass ihr wiedermal hinterrücks mit einem Scharfschützengewehr erledigt wurdet. Das ist jedoch ein allgemeines Manko des Multiplayer-Modus. In Modern Warfare segnet ihr bereits nach wenigen Treffern das Zeitliche. Im Gegenzug wurden dafür die Abschussserien wiedereingeführt, das Spieltempo etwas heruntergeschraubt und die Karten so offen gestaltet, dass ihr quasi aus jeder Ecke beschossen werden könnt. Das führt entsprechend dazu, dass sich viele Spieler nur noch wenig bewegen und lieber an einem sicheren Punkt verharren, bis ihre Opfer zu ihnen kommen - oder sie sich durch laute Schritte und einen "Feinde im Gebiet!"-Schrei selbst verraten. Dazu gesellen sich noch ein paar Probleme beim Waffenbalancing und den Spawns. Unausgewogene Karten wie Piccadilly oder Euphrates Bridge lassen aufgrund eines fehlenden Map-Votes außerdem nicht überspringen. Spaß kann man mit Call of Duty: Modern Warfare natürlich trotzdem haben. Man muss sich aber eben darauf einstellen, dass ein übermäßig aggressives Vorgehen nun nicht mehr zum Erfolg führt, und seinen Spielstil entsprechend anpassen.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Call of Duty: Modern Warfare (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Call of Duty: Modern Warfare (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Packend inszenierte KampagneGelungene Mo-Cap-ZwischensequenzenTolle Grafik- und SoundeffekteBefriedigendes GunplaySeparater Koop-ModusUmfangreicher MultiplayerNeue Modi wie Feuergefechte oder BodenkriegCrossplay und Crosssave
Story gefühlt etwas zu kurzTechnische Probleme bei den Cutscenes (PC-Version)Fehlende Features im Spec-Ops-ModusKartendesign begünstigt CampingKeine UmgebungszerstörungProbleme bei Spawns und Waffenbalancing

Bildergalerie

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  1. Seite 1 Call of Duty: Modern Warfare im Test - Alles zur Kampagne des Ego-Shooters
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