CoD Black Ops Cold War: Unser Test klärt, ob die Rückkehr zu den Wurzeln gelingt
Test
Endlich keine futuristischen Kämpfe im Exoskelette mehr! Das neue Black Ops darf zu seinen Wurzeln zurückkehren - in die wilden 80er-Jahre. Wie gut das gelingt, verrät euch Antonia im Test zu Call of Duty Black Ops: Cold War.
Nachdem Black Ops 4 gänzlich auf einen Singleplayer verzichtete und Modern Warfare mit einer verstörenden Kampagne für Aufregung sorgte, findet Treyarch nun die goldene Mitte: Eine kontroversfreie Handlung, gepaart mit einem Multiplayer, der das Beste aus Black Ops und Modern Warfare vereint. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist der Zombiemodus, in dem es untoten Nazis an den Kragen geht. Was soll bei diesem Erfolgsrezept noch schief gehen? Doch gerade als sich alle einig waren, dass es um Call of Duty keine Krise geben wird, springt die Katze aus dem Sack: ein Playstation-exklusiver Modus.
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Obwohl sich viele Spieler vor den Kopf gestoßen fühlen, dürfte Cold War dennoch ein Kassenerfolg werden, inhaltlich orientiert sich der Titel nämlich an einem der beliebtesten Ableger der Reihe, dem ersten Black Ops aus dem Jahre 2010.
So sieht man sich wieder
Cold War hat prinzipiell eine eigenständige Handlung, die für Neueinsteiger in den Shooter kaum Fragen offenlässt, eingefleischte Fans der Serie kommen aber richtig auf ihre Kosten. So treffen wir auf die bekannten Charaktere Mason und Woods, die wir nicht nur durch manche Level steuern, sondern nach den Ereignissen aus dem ersten Teil fragen können. Hinweise darauf, was seitdem noch passiert ist, finden wir zudem überall in der Welt, wenn wir die Augen offenhalten.
Quelle: PC Games
Als Leiter unseres Einsatztrupps, hat Russel Adler das sagen. Mit Zigarette und Sonnenbrille bewaffnet, schreckt er vor Nichts zurück, wenn es um die Verteidigung Amerikas geht.
Natürlich lernen wir in der Kampagne auch neue Gesichter kennen, wie den Leiter unserer Spezialeinheit Russel Adler - ein abgebrühter CIA-Agent, der ohne Zigarette und seine 80er-Jahre-Sonnenbrille nicht das Haus verlässt. Der Protagonist ist Adler aber nicht, sondern ein Geheimagent mit Codenamen Bell, dem wir als Spieler eine eigene Identität geben dürfen. Der brandneue Charaktereditor, den es in Call of Duty so noch nie gab, verzichtet komplett auf die klassischen kosmetische Optionen - schließlich werden wir Bell nur aus der First-Person-Ansicht betrachten. Dafür können wir jedoch Namen, Hautfarbe, Geschlecht und zwei Persönlichkeitsmerkmale bestimmen. Letztere sind Boni, die wir durch den ganzen Spielverlauf behalten, wie schnelleres Nachladen oder eine stärkere Rüstung.
Wer eine größere Herausforderung sucht, kann auf diese Boni aber auch gänzlich verzichten. Die Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich sonst nämlich wenig voneinander. Spielen wir auf einem hohen Schwierigkeitsgrad, wird weder die KI schlauer, noch treffen wir auf mehr Gegner. Lediglich die Anzahl der Kugeln, die wir einstecken können, vermindert sich und so wechseln wir lediglich zwischen Ducken und Schießen, anstatt uns eine wirkliche Strategie einfallen zu lassen.
Quelle: PC Games
Das erste Mal in der Geschichte von Call of Duty dürfen wir uns einen eigenen Charakter erstellen. Abgesehen von Geschlecht und Hautfarbe gibt es aber keine kosmetischen Optionen.
Ganz schön kalt im Krieg
In den 80er-Jahren ist Berlin eine geteilte Stadt, Spion der absolute Trendberuf und an David Hasselhoff noch nicht zu denken. Die permanente Bedrohung eines dritten Weltkriegs sorgt so richtig für Spannung - zumindest eine ganze Mission lang. Als wir inkognito durch Ost-Berlin laufen, mit geladener Waffe unterm Mantel an der Stasi vorbei, klopft unser Herz hörbar schneller. Gleichzeitig lassen uns viele kleine Details immer wieder innehalten: Fahrpläne in der U-Bahn, Vermisst-Aushänge in runtergekommenen Ost-Berliner Wohnungsblocks und eine alte deutsche Kneipe namens Schwarzhirsch. In Prä-Mauerfall-Spionage-Stimmung verfallen wir beim Anblick des Grenzstreifens und eigentlich wollen wir mehr davon sehen. Stattdessen ist die Handlung von Black Ops Cold War eine Reise durch Zeit und Welt.
Neben einer europäischen Rundtour und einigen Abstechern in die Sowjetunion erleben wir in mehreren Rückblicken den Vietnamkrieg aus nächster Nähe, was uns schließlich völlig vom aktuellen Weltgeschehen loslöst. Schlecht ist die Kampagne aber deshalb nicht. Die gewohnt effektvolle Inszenierung mit verehrenden Explosionen und gewaltreichen Kreuzverhören macht Cold War zu einem rasanten und kurzweiligen Actionhit.
Quelle: PC Games
Schaurig schön ragt die Mauer vor uns auf, während wir sowohl die Detailgetreue als auch die Inszenierung des Grenzstreifens bewundern.
Tiefer graben
Mit sechs bis acht Stunden Spielzeit ist dieser aber auch recht kurz bemessen. Zwar gibt es mehrere mögliche Enden und zwei optionale Nebenmissionen, die Handlung bleibt jedoch sehr linear und die meisten Entscheidungen haben kaum Auswirkungen auf den Ausgang des Spiels.
Einen Wiederspielwert bietet die Kampagne trotzdem, denn für den erfolgreichen Abschluss der Nebenmissionen müssen wir zunächst Beweise sammeln und kombinieren. Diese sind entlang der Hauptmissionen verstreut und können allesamt übersehen werden. Außerdem sind manche Missionen extra so konzipiert, dass wir erst bei mehrmaligem Durchspielen die ganze Wahrheit um das Geschehen erfahren. Diese Mechanik erweist sich als erstaunlich erfrischend und belohnt neugierige Spieler, ohne dem Gelegenheitsgamer unnötig viel Hintergrundgeschichte aufzubürden.
Quelle: PC Games
Ab und zu dürfen wir selbst entscheiden, wie wir in einer Mission verfahren. Dies hat aber nur marginale Auswirkungen auf die spätere Handlung.
Schießen auf mehr Spieler
Nach der Kampagne ist ein Call-of-Duty-Titel natürlich noch lange nicht durchgespielt - Multiplayer und Zombiemodus sei Dank! Wem Modern Warfare gefallen hat, der wird auch an Black Ops Cold War seine Freude haben, denn das Spielgefühl ist im Prinzip dasselbe. Schnelle und intensive Schusswechsel dominieren die meisten Matches und immer wieder werden wir von Campern hinterrücks erschossen. Das geschieht zwar wesentlich seltener als in Modern Warfare, trotzdem laden einige Maps dazu ein, sich in einer Ecke zu verschanzen, auf feindliche Schritte zu lauschen und im richtigen Moment den Abzug zu betätigen. Solche zumeist unbeliebten Karten können zum Glück übersprungen werden, mit dem neusten Teil hält nämlich das Map-Voting wieder Einzug in Call of Duty.
Richtig gut gefällt uns das Scorestreak-Modell, bei dem wir Belohnungen wie die Spionagedrohne aufgrund unserer Punkte bekommen und nicht durch unsere Abschussserien. Zudem werden die Punktestände nicht mit dem Ableben unseres virtuellen Alter Egos zurückgesetzt. Der Vorteil daran ist, dass Campen dadurch schwächer und die Erfüllung von Zielen stärker belohnt wird, was zuvor ja immer sehr "unbalanced" in Call of Duty war.
Quelle: PC Games
Was in früheren Teilen zumeist Abschussbelohnungen sind, erhalten wir in Cold War durch Punkte, die beim Tod nicht zurückgesetzt werden.
Alles neu macht der Multiplayer
Klassische Modi wie Frei-für-Alle, Herrschaft und Team-Deathmatch werden ergänzt durch verschiedene Alternativen, die neue Kampferfahrungen beinhalten. Mit dem bereits bekannten Modus Verbundene Waffen versucht sich Call of Duty an großen Maps inklusive Fahrzeugeinbindung. Dieser halbherzige Schritt in Richtung Konkurrenz Battlefield steht dem Shooter allerdings nicht wirklich gut. Zu rudimentär ist das neue Pingsystem und damit die Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Teammitgliedern außerhalb eines Sprachchats. Gänzlich neu ist der Modus unter dem Namen Fireteam: Dreckige Bombe, bei dem auf sehr großer Map zehn Teams à vier Personen gegeneinander antreten, indem sie Uran gefüllte Bomben zünden. Dieser strategisch-herausfordernde Spaß ist aber vor allem mit Randoms kaum zu empfehlen und auf einer weitläufigen Karte jedem Scharfschützen gänzlich schutzlos ausgeliefert zu sein, hat ebenfalls wenig mit Spaß zu tun. Wesentlich ausgewogener spielt sich da schon der neue Modus VIP-Eskorte. Dort muss das Team einen zufällig gewählten Spieler an einen von zwei Extraktionspunkten bringen. Gefragt sind hier clevere Ablenkungsmanöver und schnelles Vorgehen, was eine spannende Abwechslung zu den gewohnten Spielmodi bietet, in denen zumeist einfach der schnellere Colt gewinnt.
Quelle: PC Games
Im Modus Dreckige Bombe sammeln wir Uran, um dann Bomben zu zünden, die nicht nur das Gebiet verseuchen, sondern uns auch eine Menge Punkte einbringen.
Zombieeeeeees
Natürlich darf bei einem Call of Duty: Black Ops der Zombiemodus nicht fehlen. Und wenn wir schon bei Zombies sind, warum dann nicht gleich bei Nazi-Zombies? Wie genau die rechtsradikalen Untoten bis in die 80er-Jahre hinein "überlebten", bleibt den Videospielgeschichtsschreibern überlassen. Wichtig für uns ist nur, dass wir den Bunker öffnen, in dem die vermodernden Gestalten bereits darauf warten, uns das Leben schwer zu machen. Runde um Runde eilt eine neue Welle untoter Faschisten auf uns zu, während wir Aufgaben erledigen müssen. Je mehr Zombies wir platt machen, desto bessere Ausrüstung können wir uns leisten, was bitter nötig ist, um der stärker werdenden Truppe Herr zu werden. Alleine sollte man sich übrigens nicht in den Modus begeben, da man stets von mehreren Seiten aus angegriffen wird. Ist der virtuelle Tod der Gruppe dennoch absehbar, können wir nach Welle zehn und jeder fünften Welle darauf einen Notausstieg wählen.
Schaffen wir es erfolgreich zu extrahieren, erhalten wir sogar einen Boni, müssen uns dafür allerdings durch Extra-Horden aus untoten Widerlingen schießen. Immerhin lassen manche Zombies Power-Ups oder zusätzliche Ausrüstung fallen, was ein wenig für Ausgleich sorgt. Anders als im Multiplayer besteht unser Equipment aber nicht etwa aus langweiligen Granaten von der Stange, sondern Elementar-Munition, mit Äther gefüllten Kapseln und einer kreativen Reihe von Softgetränken. Die Tempo-Cola lässt uns beispielsweise schneller nachladen, während der Todes-Daiquiri unser Scope automatisch auf die verwundbarste Stelle unseres Gegenübers zielen lässt.
Quelle: PC Games
Im Modus VIP-Eskorte muss es ein zufälliger Spieler sicher bis zum Extraktionspunkt schaffen, während sein Team ihn deckt.
Wer seine Ausrüstung mit der seines Teams abspricht, kann sich einen immensen Vorteil verschaffen, der sich schließlich auf die Bestenliste und den Spielfortschritt auswirkt. Denn anders als in früheren Teilen zählt das Töten von halbverwestem Feindgut nun zum Waffen- und Ausrüstungsfortschritt. Ausgelegt ist der Modus im Übrigen auf vier Leute. Wer eine Playstation-Version von Cold War besitzt, kann exklusiv auf einen Duo-Zombie-Modus zurückgreifen, welcher dem Rest der Welt erst in einem Jahr zur Verfügung stehen wird. Dafür sollen alle neuen Multiplayerkarten und -modi sowie der gesamte Zombiecontent für alle Spieler kostenlos bleiben.
Technisch fein
Der 17. Teil von Call of Duty spielt sich nicht nur gut, sondern sieht auch richtig schön aus. Ob verschneite Berge im Ural-Gebirge oder ein Sonnenaufgang in Vietnam - stets sind wir von der Kulisse begeistert und nehmen uns zudem immer wieder die Zeit, unsere hübschen Waffen genauer zu betrachten. Zum tollen Bild kommt der passende Sound. Artilleriebeschuss im Multiplayer hört und fühlt sich nach ordentlichen Einschlägen an und das "Rums" einer Shotgun ist satt und befriedigend. Daneben stolpern wir auch an anderer Stelle über kleine Verbesserungen wie einer genauen Zoom-Angabe an Visieren, die im Vorgänger fehlte. Technische Fehler haben wir außerdem kaum erlebt und sind nur selten im Hauptmenü aus der Sitzung geflogen. Zusammen mit optionalem Crossplay und Couch-Coop hat Black Ops Cold War fast jedem etwas zu bieten und macht gleichzeitig richtig viel Spaß.
