Wir haben die völlig beknackte Kampagne von Black Ops 7 gespielt und nur noch blinkende Fragezeichen im Kopf: Was hat Treyarch da bloß geritten?
Tja, jetzt stehe ich ganz schön doof da. Vor wenigen Wochen habe ich in meinem Test zur Battlefield-6-Kampagne den EA-Shooter noch dafür kritisiert, dass er im Vergleich zur starken Konkurrenz von Treyarch nur eine hirnlose Ballerbude mit zu wenig Abwechslung ist, und jetzt das: Die neueste Kampagne meines Lieblings-CoD-Studios ist eine noch hirnlosere Ballerbude mit noch weniger Abwechslung.
Aber damit nicht genug, denn darüber hinaus hat man den früheren Popcorn-Agenten-Thriller auch noch zum Fantasy-Shooter ohne Bezug zur Realität umgemodelt.
Bevor ich euch Anfang nächster Woche den finalen Test mit Wertung zum Black-Ops-7-Storymodus liefere, will ich heute schon einmal kurz meine Eindrücke mit euch teilen. Ich habe Redebedarf, und den habt ihr vermutlich auch, wenn ihr euch das Spiel bereits geholt und die Kampagne ausprobiert habt.
Left 4 Duty
Black Ops 7 macht kein Hehl daraus, dass dieses Jahr alles anders ist. So ist die neueste Kampagne von vornherein als kooperatives Erlebnis konzipiert, was mich zuerst noch glauben ließ, dass Treyarch vorgeht wie bei World at War und Black Ops 3 - also immer noch das klassisch durchinszenierte CoD-Erlebnis mit vielen Setpieces, nur eben als Bonus auch mit mehreren Leuten spielbar.
Die Realität sieht anders aus: Die Kapitel in Black Ops 7 spielen sich eher wie Strikes bei Destiny 2, der Fokus liegt also komplett auf Kämpfen (und Bosskämpfen!), die Missionsumgebungen sind deutlich statischer als von den Kampagnen gewohnt und die Aufgaben abseits des Geballers fallen supersimpel aus, wenn es überhaupt mal welche gibt.
Freundliche NPCs existieren nicht, und wer im Singleplayer spielt, der muss die endlosen Gegnerhorden komplett alleine wegballern, da es auch keine Bot-Unterstützung gibt. Seltsamerweise quatschen mir die für die anderen Spieler vorgesehenen Teamkollegen aber immer noch dauernd ins Ohr, als stünden sie neben mir, und sie tauchen in jeder Zwischensequenz auf.
Da der Online-Koop in unserer sehr knappen Testzeit bisher nicht funktionieren wollte, kann ich euch leider noch nicht sagen, ob die Chose mit Freunden mehr Laune macht, aber im Vergleich zu den anderen CoD-Koop-Kampagnen fühlt sich die Solo-Erfahrung hier definitiv eher wie eine Dreingabe an.
Mit allem und Zombies
Der andere Umstand, der Black Ops 7 von Treyarchs bisherigen Storys unterscheidet, ist das völlig bekloppte Setting. Wer die Sub-Reihe kennt, der weiß, dass Psychotrips und Zombies durchaus mal vorkommen, aber bisher waren das einzelne Momente, die gesetzt wurden, um besondere Story-Twists zu unterstreichen oder uns zu überraschen. Drumherum wurden immer noch recht klassische Militär- oder Agentensettings gezeichnet, die Ausflüge in Albtraumwelten waren die Kirsche auf der Worldbuilding-Torte.
Nicht so bei Black Ops 7. Hier wird unser Team schon in der ersten Mission einem Nervengas ausgesetzt, das völlig abgefahrene Halluzinationen auslöst, und dieses Schema setzt sich dann in fast jeder Mission fort. Soldaten, Kampfroboter, Zombies, Spinnen, Monsterblumen, vom Himmel fallende Riesenmacheten, hier ist alles möglich, weil ohnehin alles nur ein Traum ist.
Ich bin nun wirklich der letzte, der bei Call of Duty einen bierernsten Militärshooter verlangt, aber so ganz ohne Bezug zur Realität kommt auch eine Black-Ops-Kampagne nicht aus. Teil 7 wirkt bisher, als hätten die Entwickler alle möglichen Elemente (darunter auch viele recycelte Monster aus dem Zombiemodus) ins Spiel geworfen, ohne sich viele Gedanken darüber zu machen, ob das alles überhaupt in eine Kampagne passt, die noch irgendwo eine kohärente Geschichte erzählen soll.
Und trotzdem hat die Kampagne ihre launigen Momente: Die Albtraumwelten sind oft fantasievoll gestaltet, Gunplay und Movement sind serientypisch klasse. Mit ausgeschaltetem Hirn macht es also durchaus Spaß, sich ein paar Stündchen durch all den absurden Blödsinn zu ballern. Nach den Credits wartet darüber hinaus noch das Endgame, ein eigener Open-World-PvE-Modus mit Extraction-Elementen und auflevelbaren Charakteren.
Auch das wirkt zwar wie "Features an die Wand werfen und schauen, was kleben bleibt", aber vielleicht bin ich nach der Story ja weich gekocht genug, um mir keine Gedanken mehr darüber machen zu müssen und den Quatsch einfach zu genießen. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden - nächste Woche bekommt ihr das finale Fazit zur Kampagne hier auf PC Games!
