Battlefield 6 Singleplayer im Test: Als hätte man uns nach dem Durchspielen das Gedächtnis gelöscht

Test Stefan Wilhelm
Battlefield 6 Singleplayer im Test: Als hätte man uns nach dem Durchspielen das Gedächtnis gelöscht
Quelle: Electronic Arts

Im Test zur Kampagne von Battlefield 6 zeigt sich, dass auch die generischste Schießbude noch unterhalten kann, wenn die Basics stimmen - aber auch, warum es der Einzelspielermodus nicht aus dem Fahrwasser von Call of Duty herausschafft.

Der Song "Masters of War" des legendären Folk-Sängers Bob Dylan ist eine Protesthymne, wie sie im Buche steht. Er stellt sich gegen den militärisch-industriellen Komplex, gegen den Krieg und vor allem gegen die, die aus ihm Kapital schlagen. Mit für seine Verhältnisse ungewohnt harten Worten verurteilt Dylan all die Schreibtischtäter, die junge Leute für ihre eigenen Zwecke zum Sterben losschicken.

Ein besonderes Lied also, das sich EA für den Enthüllungstrailer zu seinem heiß erwarteten Militär-Shooter Battlefield 6 (jetzt kaufen 69,99 € ) ausgesucht hat. Und eines, das uns hoffen ließ, dass Battlefields Rückkehr zu einem modernen Kriegsszenario vielleicht auch mit einer Kampagne daherkommt, die mehr auf dem Kasten hat als Krach-Bumm-Action mit brüllenden Klischee-Soldaten.

Für die Reihe wäre das nicht ungewöhnlich, immerhin haben auch schon Battlefield 1 und 5 versucht, ernstere Töne in ihren Geschichten anzuschlagen. Was wir mit Battlefield 6 bekommen, ist aber klar eine Fortführung von Teil 3 und 4.

Während sich Multiplayer-Fans darüber zurecht freuen werden, bedeutet es für den Singleplayer einen Rückschritt - damit geht es nämlich direkt zurück in die Ära, in der eine BF-Kampagne nicht viel mehr war als ein Call-of-Duty-Klon mit besserer Optik. Und auch wenn das nicht heißt, dass es keinen Spaß machen würde, sich durch die Story zu ballern, hat sie uns im Test doch eher unbeeindruckt zurückgelassen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Akute Amnesie nach den Credits

Dabei hätte das Szenario, das Battlefield 6 entwirft, eigentlich genügend Raum für eine brisante Geschichte geboten. Im Jahr 2027 wird die NATO von einer privaten Militärorganisation namens Pax Armata bedroht. Das alte Bündnis steht kurz davor zu zerbröckeln, weil sich mehr und mehr Staaten angesichts der Überlegenheit von Pax entschließen, die NATO zu verlassen.

In der Rolle des US-Marines Dylan Murphy sind wir live dabei, als in einer Militärbasis in Georgien plötzlich die brutale Invasion durch Pax Armata beginnt, was Murphy völlig aus der Bahn wirft. Den Rest der Geschichte erleben wir dann in Form von Rückblenden.

Die erste Mission endet für Murphy im Trauma. Aufgegriffen wird das später aber nicht mehr. Quelle: PC Games Die erste Mission endet für Murphy im Trauma. Aufgegriffen wird das später aber nicht mehr. Murphys Squad namens Dagger 1-3 entschließt sich nämlich irgendwann, eigene Nachforschungen anzustellen, und befragt dazu eine ehemalige Befehlshaberin, die ihre Infos nur sehr zaghaft rausrücken will. Das Spiel zieht also eine zweite Erzählebene auf, zu der immer wieder zurückgekehrt wird.

Die eigentliche Story plätschert dann aber von Mission zu Mission spannungsarm vor sich hin, was vor allem daran liegt, dass sie sich für nichts die nötige Zeit nimmt. Obwohl wir fast immer mit dem gleichen Team unterwegs sind und in vielen Missionen auch mal ein anderes Mitglied spielen dürfen, haben wir zum Beispiel nicht das Gefühl, als hätten wir irgendeinen unserer Kameraden ansatzweise kennengelernt. Das fällt vor allem dann auf, wenn das Spiel eine dramatische Szene mit einem der Kollegen inszenieren will.

Wie der Rest des Teams auch hat Protagonist Murphy keine wirkliche Persönlichkeit, und das Trauma, das er im ersten Kapitel erlebt, wird später zwar kurz angeschnitten, aber direkt wieder fallen gelassen. Es fehlen Momente, in denen die Figuren mal durchatmen und erzählen dürfen, oder miteinander streiten, damit wir in der kurzen Laufzeit irgendeine Verbindung zu ihnen aufbauen können.

Battlefield-6-Charaktere Quelle: PC Games Beim Großangriff auf die USA müssen wir natürlich auch den Präsidenten in Sicherheit bringen. Dem großen Gegenspieler werden nur zwei, drei Szenen eingeräumt, und auch den hätten wir schnell wieder vergessen, wenn uns nicht ständig zugebrüllt worden wäre, dass wir ihm noch hinterherjagen müssen.

Zwischendurch kommen die Bösen dann noch an eine neuartige Superwaffe, wie es sich für eine Kriegs-Shooter-Kampagne gehört, aber selbst da gibt sich das Spiel kaum Mühe, die Enthüllung besonders zu inszenieren.

Es passiert einfach irgendwann, wir verhindern es, und weiter geht's. Immerhin: Ganz am Schluss haben die Schreiber noch einen kleinen Plottwist auf Lager, der die Augenbrauen kurz hochgehen lässt, aber auch der kann leider nicht allzu hart einschlagen, wenn die Geschichte vorher schon nur an uns vorbeigezogen ist.

Von der tiefgründigeren Stimmung aus dem Reveal-Trailer ist im fertigen Spiel also nix mehr zu spüren. Nicht falsch verstehen: Wir haben hier kein zweites Spec Ops: The Line erwartet, aber selbst schwächere Call-of-Duty-Kampagnen bekommen erinnerungswürdigere Momente und Figuren hin, ob sie nun kontrovers, unfreiwillig komisch oder erzählerisch gelungen sind. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, ob die Action die miese Story wieder rausreißt.

  1. Seite 1 Story
  2. Seite 2 Gunplay, Zerstörung, Squad-Mechanik
  3. Seite 3 Inszenierung, Länge, Fazit und Wertung
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk