Im zweiten Akt unserer großen Konsolen-History widmen wir uns ganz dem PlayStation-Macher.
Die Nintendo-CD-ROM und ihre Folgen
Party-Spass: Auch Sony setzt auf Lifestyle
Eine weitere Überlegung treibt Nintendo direkt zu Kutaragi. Um der erstarkenden Konkurrenz einen entscheidenden Schritt voraus zu sein, will man für den NES-Nachfolger ein CD-ROM-Add-on konzipieren. Kutaragis Erfahrung mit der Hardware und Sonys Fachwissen über das neue Medium (man hatte es schließlich mitentwickelt) machten dies zur logischen Konsequenz. Die gemeinsamen Pläne sehen nun ein Add-on mit dem Namen SNES-CD und ein Kombigerät aus dem modulbasierten SNES und der CD-Erweiterung vor, das den Namen Play Station tragen soll. Im Juni 1989 sollen die Geräte dem Publikum auf der CES in Las Vegas vorgestellt werden, doch stattdessen lässt Nintendo eine Bombe platzen. Der CEO von Nintendo of America, Howard Lincoln, kündigt zwar das CD-Add-on für das SNES an, allerdings benennt er einen neuen Partner, den man kurz zuvor ins Boot geholt hatte: Philips. Nintendo-Präsident Yamauchi selbst war verantwortlich für den Kurswechsel, denn bei einer Durchsicht des 1988 mit Sony geschlossenen Vertrages war ihm aufgefallen, dass Sony allein das CD-Format des SNES kontrollierte, während Nintendo lediglich die modulbasierten Spiele verantwortete. Damit hätte das Videospielunternehmen die Kontrolle über die Software auf seiner eigenen Plattform abgegeben, was einer Katastrophe gleichgekommen wäre. Die Sony-internen Kritiker sehen durch Nintendos Vertragsbruch ihre Befürchtungen bestätigt. Einzig Sony-Chef Ohga fühlt sich bei der Ehre gepackt, weshalb er Kutaragi erneut Unterstützung zusagt und ihm den Auftrag gibt, sein Projekt fertigzustellen. Nintendo schafft sich damit seinen schärfsten Konkurrenten.
Die Geburt des neuen Sterns am Videospielhimmel
PSOne: Geburt einer Legende
Basierend auf der Technologie des Super NES, entwickelt Kutaragi die Play Station, die gerüchteweise in einer kleinen Stückzahl von 200 Exemplaren tatsächlich produziert wird. Schnell wird dem Ingenieur klar, dass die Technik des SNES seinen Ansprüchen nicht genügt, und er entwickelt eine von Grund auf neue Konsole. Wie jegliche Bindung an das Super Nintendo verliert der neue Name des Gerätes auch das Leerzeichen: Die PlayStation wird geboren. Damit diese auf festen Beinen steht, ruft Sony-CEO Ohga eine neue Abteilung ins Leben, die sich ausschließlich um Videospiele kümmern soll: Am 16. November 1993 wird Sony Computer Entertainment Inc. unter der Führung von Ken Kutaragi gegründet, und gut ein Jahr später, am 3. Dezember 1994, wird die Konsole in Japan auf den Markt gebracht. Im September 1995 erscheint die PlayStation in den USA und in Europa, anfangs noch mit mäßigem Erfolg. Segas etwas früher veröffentlichter Saturn und das höchst erfolgreiche, aber leicht betagte SNES erschweren Sony den Markteinstieg, trotz erfolgreicher und beliebter Titel wie "Ridge Racer".
Den notwendigen Vorsprung vor den Mitbewerbern verschaffen der Konsole das Image des Konzerns sowie clevere Publishing-Deals und Studio-Käufe, denen bald exklusive und teils hochwertige Spiele folgen.
Spätestens nachdem der erfolgreiche Rollenspielspezialist Squaresoft mit Nintendo bricht und sich auf Sonys Seite schlägt, ist der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Dank vieler exklusiver Titel von Drittherstellern und der festen Integration der Marke in die Lifestyle-Kultur wird die PlayStation zu einem kulturellen Phänomen. Nintendos SNES-Nachfolger Nintendo 64 wirkt wegen der teuren Modultechnologie rückständig und wie ein Kinderspielzeug, Sega vermag Sonys Marktmacht kaum etwas entgegenzusetzen. Bereits 1997 ist die Videospielsparte die erfolgreichste des Konzerns, innerhalb von nur sechs Jahren verkauft der Konzern fast 73 Millionen Geräte und löst das NES als meistverkaufte TV-Konsole ab.
