Boiling Point

Test

Eine riesige Spielwelt sollte es haben, einen Mehrspielermodus und spielerische Freiheit. Die Spielwelt ist tatsächlich groß, die Freiheit wirkt aufgesetzt, der Mehrspielermodus wurde gestrichen -- Boiling Point ist ein halb fertiges Spiel.

Realia ist nicht etwa eine neue Supermarkt-Kette, sondern das größtmögliche Klischee einer kolumbianischen Mafia-Republik mit korrupten Polizisten in den Städten und hispanischen Gaunern auf den Straßen. In den Bars werden Tequilas wie Wasser geschlürft, und an den großen Pools von Zigarre paffenden Mafia-Bossen räkeln sich spärlich bekleidete Damen mit ebenso großen ... aber egal. Viel wichtiger: Der Ex-Soldat Saul Myers ist auf dem Weg nach Realia, um seiner Tochter aus der Patsche zu helfen. Die wollte sich nämlich unbedingt als Reporterin in der Rüpel-Republik verdingen und ist dabei anscheinend in das ein oder andere Fettnäppchen getreten und gilt als vermisst. Und irgendwie mischen die CIA und ein okkultes Artefakt auch noch mit ...

Alles kann, nichts muss

Boiling Point ist Ego-Shooter mit kleinem Rollenspielanteil. Gespielt wird aus der Ego-Perspektive. Wie in Vampire Bloodlines also, allerdings mit drastisch erhöhtem Action-Anteil. Die unterschiedlichen Antworten in Multiple-Choice-Gesprächen öffnen keine neuen Handlungsstränge und auch mit Charakterwerten muss der Spieler nicht hantieren. Der Erfahrung im Umgang mit Vehikeln und Waffen steigt automatisch, sobald diese eingesetzt werden. Was hingegen durchaus an ein Rollenspiel erinnert, ist die spielerische Freiheit.

Sobald Sie als Saul Myers in Realia landen, sind Sie nämlich vogelfrei. Sie können sich in die nächstbeste Bar begeben und einen heben. Alten Damen über die Straße helfen (diesen Nebenauftrag gibt es tatsächlich). Oder aber Sie folgen der Storyline, suchen schnurstracks Lisas Verleger auf und stellen ein paar unangenehme Fragen.

An dieser spielerischen Freiheit ändert sich auch im weiteren Spielverlauf nichts. Die 440 Quadratkilometer des virtuellen Realia stehen Ihnen jederzeit offen. Ob, wann und wie zügig Sie dem Handlungsstrang folgen, bleibt Ihnen überlassen. Wenn Sie wollen, können Sie die Suche nach dem Töchterchen auch ganz bleiben lassen, stattdessen schwer schuften, sich für ein stattliches Sümmchen ein Traumhaus bauen und sesshaft werden.

Ohne Geld geht nichts

Im krassen Gegensatz zur Freiheit abseits der Hauptgeschichte steht die gnadenlose Eintönigkeit, die Sie erwartet, sobald Sie sich an die Rettung von Lisa machen. Ob Sie die Villa des Ober-Mafiosi ausfindig oder den Mörder einer Ihrer Kontaktpersonen dingfest machen sollen -- der Ablauf bleibt immer gleich. Um allwissenden Barkeepern und neugierigen Passanten die benötigten Informationen aus den Rippen zu leiern, müssen Sie Bargeld sprechen lassen. Das Kleingeld verdienen Sie in Aufträgen, die Sie sich bei den verschiedenen Fraktionen von Mafia über Banditen bis hin zur Armee abholen. Haben Sie genug Bares zusammen, folgen Sie kurz der Geschichte, bis das Spielchen wieder von vorne beginnt.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk