Eine riesige Spielwelt sollte es haben, einen Mehrspielermodus und spielerische Freiheit. Die Spielwelt ist tatsächlich groß, die Freiheit wirkt aufgesetzt, der Mehrspielermodus wurde gestrichen -- Boiling Point ist ein halb fertiges Spiel.
Besonders Gefechte im Dschungel werden so zur Quickload-Orgie: Während wir hektisch versuchen, die grün gekleideten Söldner im grünen Dickicht auszumachen, fliegen uns schon längst die Kugeln um die Ohren, schlagen Granaten ein ... liegen wir schließlich tot am Boden. Und dann das Ganze wieder und wieder -- bis wir es geschafft haben.
Achtung, Baustelle!
Bei aller Kritik am spielerischen Kern muss man Entwickler Deep Shadows eines lassen: Sofern man nicht gerade in einem Flugzeug unterwegs ist, flutscht die Welt von Realia wunderbar flüssig und ohne eine einzige Ladepause durch den Speicher. Die Hardwareanforderungen liegen dafür freilich etwas höher: Mit 512 MByte RAM oder weniger sollten Sie Boiling Point im Regal stehen lassen.
Einen Rüffel gibt's dagegen für die Grafiker. Da sitzen fast alle NPCs (die sich bewegen wie Slapstick-Komiker) wie verloren hinter Schreibtischen, an denen problemlos eine ganze Hochzeitsgesellschaft tafeln könnte. Da passt vor allem innerhalb Gebäuden oftmals eine Textur farblich nicht zur nächsten. »Ich bin noch nicht fertig!«, schreit einem Boiling Point vielerorts lautstark entgegen.
Noch nicht fertig -- das gilt auch für unsere Testversion, in der viele Sprachsamples fehlten. Das wäre zu verschmerzen; häufige Abstürze haben uns den Spaß ein ums andere Mal hingegen verdorben. Genau wie die Tatsache, dass nach einem Auftrag unser fahrbarer Untersatz spurlos verschwunden war und wir minutenlang durch den Dschungel marschieren mussten. Ob diese Fehler ihren Weg in die Verkaufsversion gefunden haben, konnten wir nicht überprüfen, da uns diese bis Redaktionsschluss nicht zur Verfügung gestellt wurde.
David Bergmann
