Bayonetta 3 im Test: Action-Orgie ohne Rücksicht auf Verluste - Seite 3
Test
Action-Göttin Bayonetta ist wieder da und bringt die Switch ordentlich ins Schwitzen. Ob Bayonetta 3 seine Vorgänger überflügeln kann, lest ihr im Test!
Und apropos abgefahren: Auch, wenn wir aus Spoiler-Gründen allzu sehr darauf eingehen wollen, sind die Action-Setpieces in Bayonetta 3 nicht nur zahlreich, sondern gnadenlos chaotisch und herrlich überdreht. Die Multiversum-Story erlaub es den Entwicklern etwa, euch vom Deck eines Kreuzfahrtschiffs ins moderne Tokio und danach ins antike China zu verfrachten, wo ihr der Belagerung einer riesigen Festung beiwohnt.
Auch hier kommen eure Dämonenschergen häufig zum Einsatz, wenn ihr euch beispielsweise auf Gomorrahs Rücken eine Verfolgungsjagd über einstürzende Hochhäuser liefert. Die halsbrecherischen Gameplay-Wechsel in Nier Automata sind nicht spurlos an Platinum Games vorbeigezogen, genauso wenig wie der eine oder andere Kaiju-Film.
In diesem Artikel
Hexen-Sabbatical
Um euch gelegentlich eine Pause vom Dauergetöse der Hauptmissionen zu gönnen, hat Platinum Games die Abschnitte mit Jeanne als 2D-Stealtheinlagen gestaltet. An den Sichtkegeln der Homunculi vorbei bewegt ihr euch durch Korridore und Lüftungsschächte, versteckt euch in Schränken und meuchelt Feinde von hinten. Weil Bayonetta 3 auch hier nicht ganz aus seiner Haut kann, werden die Schleichlevels aber gerne mit Bosskämpfen und Actionsequenzen beendet. Besonders viele dieser Abschnitte gibt es nicht und sie steuern sich etwas umständlicher als die 3D-Parts, aber sie sind eine willkommene Ergänzung zu einem Spiel, dessen Gameplay ohnehin schon mit ordentlich Abwechslung glänzt.
Quelle: PC Games
Viola zersäbelt ihre Feinde am liebsten mit dem Katana. Wenn das gerade benutzt wird, um ihren Dämon Cheshire zu beschwören, packt sie die Fäuste aus.
Die ebenfalls sparsam eingestreuten Kapitel mit Neuzugang Viola kommen dagegen wesentlich vertrauter daher. Im Grunde spielt sich die Katana-schwingende Punkrockerin wie das große Hexenvorbild, allerdings ist sie auf einen einzigen Dämonenschergen beschränkt: Grinsekatze Cheshire erscheint, indem ihr euer Schwert auf den Boden werft, und wird dann von der KI kontrolliert. Durch die Beschränkung auf zwei Waffen und einen Dämon gestaltet sich das Kämpfen mit Viola ein gutes Stück langweiliger als mit Bayonetta, und bei ihrer geringen Anzahl an Missionen wirkt es seltsam, dass sie mit separaten Lebens- und Magiebalken daherkommt, die wertvolle Upgradematerialien verschlingen.
Technische Defizite
Während das Gameplay die meiste Zeit über großen Spaß macht und die Action permanent auf Hochtouren läuft, ist Bayonetta 3 kein perfekter Nachfolger geworden. Man sieht dem Spiel deutlich an, dass Platinum Games einige Kompromisse eingehen musste, um in die Nähe einer konstanten Bildrate von 60 FPS zu kommen.
Quelle: PC Games
Beim ersten Mal wirken die Schleichabschnitte mit Jeanne noch reichlich bizarr und unpassend. Hat man aber den Bogen raus, machen sie auf ihre eigene Weise Spaß.
Während die Hauptfiguren beispielsweise ordentlich detailliert sind, sind Gegner und Umgebungen oft von Matschtexturen überzogen, die euch das Spiel in seinen Cutscenes auch gerne mal direkt vor die Nase hält. Bei vielen Effekten könnt ihr schon fast die Pixel zählen und die allgegenwärtigen Nebelschwaden, mit denen Levelgrenzen markiert werden, sollte man wirklich nicht aus der Nähe betrachten. Wenn viel auf dem Bildschirm passiert - also quasi immer - wird die Auflösung außerdem sichtbar heruntergeregelt und grobes Kantenflimmern ist vorprogrammiert.
Das wäre nun alles kein Beinbruch, wenn es denn ausgereicht hätte, aber auch mit diesen Einschränkungen ist die Bildrate alles andere als konstant, vor allem in Zwischensequenzen und beim Erkunden der ziemlich dröge gestalteten Umgebungen. Sie bleibt zwar stets über der 30-FPS-Schmerzgrenze, stabile 60 Bilder pro Sekunde solltet ihr aber nicht erwarten. Zumindest in den abgetrennten Kampfarealen geht's dafür meist flüssig zur Sache, was bei einem Spiel wie Bayonetta natürlich die Hauptsache ist.
Quelle: PC Games
Trotz der Übersichtsprobleme sind die Dämonen ein tolles Feature, das den ohnehin schon sehr vielseitigen Kämpfen eine neue Ebene hinzufügt.
Fazit: Fans greifen zu, alle anderen gerne auch
Trotz dieser technischen Probleme können wir das Spiel jedem Freund von überdrehter Action und komplexen Kampfsystemen empfehlen. Bayonetta 3 erweitert das zeitlos unterhaltsame Gemetzel um sinnvolle neue Features, es trägt seine völlig bekloppte Aufmachung voller Stolz vor sich her und schürt vor jeder Mission eure Vorfreude, wie viel Chaos und Zerstörung es der Switch diesmal zumuten will. Nicht alles, was es euch entgegenwirft, zündet hundertprozentig, und das Spiel hat kaum Interesse daran, dass ihr währenddessen irgendetwas versteht. Aber wenn ihr eure Synapsen mal wieder so richtig überfluten wollt, ist Bayonetta 3 eine sehr gute Wahl.
Meinung
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Bayonetta 3 erscheint am 28.Oktober 2022 exklusiv für Nintendo Switch. Neben der Standardausgabe gibt es das Spiel auch in der (inzwischen größtenteils vergriffenen) Trinity Masquerade Edition, die neben einem 200-seitigen Artbook auch austauschbare Cover-Motive aller drei Bayonetta-Designs beinhaltet.
