Battlefield 3: Der letzte große Meilenstein in der Rückschau

Special Carlo Siebenhüner
Battlefield 3: Der letzte große Meilenstein in der Rückschau
Quelle: EA

Battlefield 3 wird im Oktober 2021 runde 10 Jahre alt. Deswegen statten wir ihm zum Jubiläum einen Besuch ab und schauen, was den Serienteil damals zum Meilenstein machte und was nicht so gut lief. Denn obwohl der Titel spielerisch Spitzenklasse war, wurde der Release von der ein oder anderen Kontroverse überschattet.

Es gibt Momente, da fühlt man sich plötzlich ganz schön alt. Das kann passieren, wenn man neuerdings gesiezt wird oder mit dem neuesten Internettrend mal so gar nichts anfangen kann. Videospielern passiert das ebenfalls gern mal. Nämlich dann, wenn man merkt, dass ein Spiel schon zweistellige Jahreszahlen auf dem Buckel hat, obwohl es in der eigenen Erinnerung doch "gerade erst herausgekommen" ist.

Battlefield 3 (jetzt kaufen ) ist so ein Fall. Der Multiplayershooter ist bei uns im Redaktionsgedächtnis doch gerade erst erschienen und uns traf der Schlag beim Blick auf das Releasedatum. Am 25. Oktober 2021 feiert das Spiel seinen zehnten Geburtstag. Damit ist es zwar an der Grenze zu unserem selbst gesteckten Retro-Bereich, aber es ist drin. Deswegen wollen wir gar nicht lange diskutieren, ob Battlefield 3 jetzt schon Retro genug ist oer nicht, sondern uns anschauen, was das Spiel damals so gut machte. Schließlich gilt das Spiel heute als einer der besten Ableger der Serie.

Zeit für einen Meilenstein

So um das Jahr 2010 dümpelte das Genre der Ego-Shooter eher so rum. Call of Duty: Modern Warfare räumte damals das Genre auf, war zu diesem Zeitpunkt aber auch schon ein paar Jahre her. Die Serie startete langsam seine jährlichen Releases, was die Qualität eher abnehmen ließ. Auf der anderen Seite sah es bei Battlefield auch nicht viel besser aus. Da kam zwar Bad Company 2 und das war wirklich gut. Nur krankte das an ein paar seltsamen Beschneidungen. So fand man nur Hubschrauber und keine Jets auf den vergleichsweise kleinen Karten. Außerdem war das Bewegungsrepertoire eingeschränkt, da man nur knien, aber nicht liegen konnte.

Es war Zeit für einen großen Schritt und der wurde Mitte 2011 angekündigt. Knapp ein Jahr nach Battlefield Bad Company 2 sollte der nächste Meilenstein kommen: Battlefield 3. Damals war das noch der erste richtige Versionssprung nach Teil 2 aus dem Jahr 2005 und was DICE uns aufgetischt hat, war fast zu gut, um wahr zu sein. Ein volles Battlefield-Paket mit modernem Setting, riesigem Waffenarsenal und einem enormen Fuhrpark - jetzt auch wieder mit Jets. Was aber schlussendlich alle weggeblasen hat, war die Grafik.

Ein Grafikbomber sondergleichen

Mit der zerstörbaren Umgebung konnte man ganz einfach Häuserwände und dahinter stehende Gegner zerbröseln.  Quelle: EA Mit der zerstörbaren Umgebung konnte man ganz einfach Häuserwände und dahinter stehende Gegner zerbröseln.  Mit der neuesten Frostbyte Engine 2 schafft DICE einen Sprung, der damals unerhört groß war. Vor allem die flüssigen Animationen setzen die Messlatte so hoch, wie noch nie. Aber auch abseits davon sieht das Spiel fantastisch aus. Gerade Außenlevels packt die Frostbyte Engine in einem Detailgrad auf den Bildschirm, den man so noch nicht kannte. Der Sound setzt ebenfalls Maßstäbe. Das führte zu tollen Details, wie die Schallverzögerung. Sieht man eine Explosion in der Ferne, hört man sie erst einen Moment später.

Überzeugen kann natürlich auch der "Krach-Bumm-Faktor" und die damit einhergehende Zerstörung. Mit Bad Company eingeführt, ist die zerstörbare Umgebung bis heute das Markenzeichen der Serie. Wenn eine Mauer im Weg ist, dann wird die einfach weggesprengt. Dabei muss man aber zugeben, dass Battlefield 3 den Grad der Zerstörung etwas runterfährt, im Vergleich zum Vorgänger Bad Company 2. In Städten, wie Paris oder Teheran kann man zwar Häuserfassaden zerbröseln, doch ganze Häuser wegsprengen ist nicht mehr möglich. Trotzdem ist die Zerstörung auch heute noch beeindruckend und es ist bezeichnend, dass Call of Duty im Jahr 2021 damit wirbt, man könne jetzt auch durch Holzwände schießen.

Die Jet-Mission ist für Fans auch heute noch eine wohlige Erinnerung.  Quelle: EA Die Jet-Mission ist für Fans auch heute noch eine wohlige Erinnerung.  Die Grafikschraube richtig hochgedreht hat DICE dann im Singleplayer. Jeder der die Kampagne damals gespielt hat, wird sich noch an die Flugzeugträger-Szene erinnern. Dort startet man unter Deck eines Flugzeugträgers und wird von einem Kollegen über die neueste Mission instruiert. Dabei läuft man einmal quer durch die Gänge des Schiffs und kommt schlussendlich an Deck. Der Regen prasselt auf einen herab, doch die Sonne bricht hier und da durch die Wolkendecke. Man steigt in den Jet, führt diverse Systemtests durch und hebt ab für einen spannenden Luftkampf. Das war fantastisch inszeniert und ist bis heute ein Highlight der Kampagne. Leider war die Story insgesamt eher auf dem Niveau eines mittelmäßigen Call-of-Duty-Singelplayers.

Das Battlelog im Visier

Im Battlelog lassen sich die eigenen Statistiken einsehen... Quelle: EA Im Battlelog lassen sich die eigenen Statistiken einsehen... Doch wer spielt ein Battlefield überhaupt für die Singleplayerkampagne? Seit jeher war das Herzstück der Serie der Multiplayer und da bildet Battlefield 3 keine Ausnahme. Bevor man jedoch in ein Multiplayer-Match kommt, führt der Weg über das sogenannte Battlelog, eine Art Social Media für Battlefield-Spieler im Browser. Man kann Statistiken von sich selbst und von Freunden anschauen, chatten und sich einen Server aussuchen und von dort aus joinen. Durch das Battlelog wird sozusagen das Hauptmenü im Spiel wegrationalisiert. Der einzige Weg ins Spiel führt auf dem PC über den Browser. Das fanden die Fans damals ziemlich doof, die sich lautstark über das Battlelog aufgeregt haben.

... und auch Spielen beitreten. Der Ersatz für das klassische Hauptmenü. Quelle: EA ... und auch Spielen beitreten. Der Ersatz für das klassische Hauptmenü. Dabei ist es in der Rückschau gar keine schlechte Idee, vielleicht nur etwas zu früh. Es ist durchaus praktisch, nicht die ganze Zeit im Spielmenü zu hängen. Mit dem Battlelog kann man schließlich gemütlich einen Server aussuchen und diesem beitreten. Während das Spiel lädt, hält sich das Spiel aber im Hintergrund. Man muss also nicht auf einen Ladebildschirm starren, sondern kann währenddessen beispielsweise noch ein Youtube-Video nebenbei gucken. Das ist durchaus komfortabel, nur sahen das 2011 noch viele anders und erst später lernten die Fans das Feature zu schätzen, nämlich als DICE das Battlelog wieder abgesägt hat.

Mit Battlefield 1 startete man das "Battlefield User Interface". Das ist wieder ein klassisches Hauptmenü, von wo aus man aber mehrere Serienteile starten kann. Ob das jetzt besser ist muss jeder für sich selbst entscheiden.

Leveln, leveln und noch mehr leveln

Jetzt kommen wir aber wirklich zum eigentlichen Multiplayer. Zum Start von Battlefield 3 kommen 9 Karten mit maximal 64 Spieler auf einer Map. Gespielt werden 5 Modi: Eroberung, Rush, Squad-Rush, Team Deathmatch und Squad Deathmatch.

Der Versorger versorgt feindliche Panzer auch mal mit C4-Sprengstoff.  Quelle: EA Der Versorger versorgt feindliche Panzer auch mal mit C4-Sprengstoff.  Wie gewohnt setzt Battlefield 3 auf ein Klassensystem. Es gibt den Sturmsoldaten, der quasi ein Medic mit Sturmgewehr und Granatwerfer ist. Dann gibt's den Versorger, der mit schweren Maschinengewehren schießt und Munitions- oder C4-Päckchen verteilt. Der Pionier rückt den Panzern entweder mit der Panzerfaust oder dem Reparaturtool auf die Pelle. Das Quartett voll macht der Aufklärer. Der sitzt entweder weit oben auf dem Berg mit seinem Scharfschützengewehr. Vielleicht ist er aber auch ein Teamplayer und kommt mit seinem Bewegungsmelder lieber an die Front, um seine Kollegen zu warnen.

Neulinge müssen aber aufpassen. Wer ganz von vorne anfängt, schaut schnell in die Röhre, wenn er beispielsweise als Sturmsoldat den Defibrillator ziehen will, um Teamkameraden wiederzubeleben. Das Gadget hat er gar nicht dabei und da kommt das Levelsystem ins Spiel. Battlefield 3 besitzt nämlich ein dreifaches Levelsystem mit sich.

Im Ausrüstungsmenü warten für jede Klasse allerlei Gadgets.  Quelle: EA Im Ausrüstungsmenü warten für jede Klasse allerlei Gadgets.  Punkte gibt es für Abschüsse, Unterstützung und am Meisten für die Aufgaben. In Battlefield 3 gilt noch mehr, als vorher die Abkürzung: PTFO! - Play the f***ing Objective! Schließlich ist Battlefield ein Teamspiel und deswegen gibt es die meisten Punkte für das Flaggen erobern oder das scharfmachen der Bombe und nicht für Erzielen von Kills. Steigt ihr ein Level auf, warten auf euch neue Waffen oder neue Klamotten. Teilweise nur mit anderer Farbe, aber teilweise auch mit nützlichen Funktionen. Die Flak Jacket schützt beispielsweise stärker vor Explosionsschaden.

Doch hört der Spaß da nicht auf, denn auch die Klassen besitzen eigene Levelsysteme, mit denen ihr klassenspezifischere Waffen und Gadgets freischaltet. Das bringt uns dann auch wieder zum Sturmsoldaten zurück, denn den Defi gibt es erst ab dem zweiten Level des Medics. Als letztes besitzen dann noch die Waffen ihr eigenen Level. Nutzt ihr einen Schießprügel öfter, schaltet ihr zusätzliche Aufsätze frei, wie Laserpointer, TAC-Light oder Visiere. Fahrzeuge erhalten zusätzliche Boni, wie Rauchgranaten oder schnelleres Nachladen. In der Rückschau ein sehr unkompliziertes System, dass sich beim "Elder Scrolls"-Effekt bedient hat. Die Klasse und die Waffe, die man viel gespielt hat, ist automatisch besser geworden.

Seit den nachfolgenden Battlefield-Spielen bekommt man für den Levelaufstieg nur noch Ingame-Währung, für die man sich dann im Waffenshop neue Sachen dazu kaufen kann. Doch ist das wirklich ein besseres System, weil es angeblich freier und komfortabler ist oder war es unter der Hand eher ein Schritt in Richtung der ebenfalls integrierten Battle-Packs a.k.a. Lootboxen.

Das Spiel überzeugt

Je nachdem, welche Waffe und welches Fahrzeug man bevorzugt spielt, schaltet man zahlreiche Verbesserungen frei.  Quelle: EA Je nachdem, welche Waffe und welches Fahrzeug man bevorzugt spielt, schaltet man zahlreiche Verbesserungen frei.  Neben dem Levelsystem überzeugt Battlefield 3 auch Spielerisch. Natürlich gab es gerade zu Anfang einige Balancing-Probleme, doch wurden die von DICE recht schnell ausgebessert. Das gab den Weg frei für ein etwas schnelleres Spiel, als frühere Teile. Trotzdem darf man nicht kopflos über den Platz rennen, denn die Time to Kill ist kürzer, als man es damals gewohnt war. Man landet also schnell auf den Brettern, wenn man unvorsichtig ist.

Neben dem forcieren auf Teamaufgaben wurde auch das Teamplay verstärkt. Panzer halten etwas mehr aus, als ein einzelner Pionier verschießen kann. Mit dem SOFLAM besitzt der Aufklärer sogar ein Ortungsgerät, auf das der Pionier mit der Javelin-Rakete zugreifen konnte. Die Maps bieten dafür auch eine Menge Spielplätze, die in Erinnerung geblieben sind. Hören Battlefield-Fans den Namen "Operation Metro" kommen sofort Flashbacks von engen Gänge und Tunneln. Bei "Damavand Gipfel" hat man direkt den Fallschirmsprung vom Gipfel im Sinn. Nicht umsonst ist so etwas Ähnliches jetzt auf einer neuen Karte von Battlefield 2042 möglich. Die alte BF3-Karte "Kaspische Grenze" bekommt im Portal-Modus des neuesten Vertreters sogar eine echte Neuauflage.

Oh, Origin...

Die Fans waren also begeistert und die Server lange Zeit voll. Alles in Butter war es bei Battlefield 3 aber auch nicht, doch die großen Kontroversen und Shitstorms lagen abseits des eigentlichen Spiels. Wenn wir nämlich über gerade diesen Titel sprechen, dann müssen wir natürlich über Origin sprechen, EAs eigenem Online-Dienst und Steam-Klon auf dem PC. Um diesen zu stärken, zwang EA die Spieler mit Battlefield 3 auf die Plattform. Wer das Spiel spielen wollte, musste es auf Origin mit seinem Account verknüpfen und aktivieren. Allein das war nervig, weil es neben Steam und dem Ubisoft Launcher ein weiterer DRM-Client war, den man auf den Rechner hieven musste. Mit Origin brachte EA einen Shitstorm mit DRM-Funktion auf den Markt.  Quelle: EA Mit Origin brachte EA einen Shitstorm mit DRM-Funktion auf den Markt. 

Die große Überraschung kam dann, als die ersten Spieler das Programm auf ihrem PC installierten. Plötzlich ploppten Meldungen von Usern auf, deren Virenscanner bei Origin anschlug. Ein Blick in die AGB und EULA rief dann in Deutschland schlussendlich den Datenschutz auf den Plan, denn offensichtlich waren die Geschäftsbedingungen nur lose aus dem englischen Original übersetzt worden.

Das es in den USA wesentlich laxere Datenschutzgesetze gibt, als bei uns, ist kein Geheimnis und so hatte Origin laut akzeptierten AGBs durchaus Rechte, die ein durchsuchen der Festplatte nach bestimmten Daten möglich gemacht hätten. Im Ernstfall wäre das selbstverständlich von jedem deutschen Gericht in der Luft zerfetzt worden und so korrigierte EA die AGBs recht schnell. Ob ein Origin-Client am Ende nun wirklich mehr als nötige Daten nach Hause gefunkt hat ist bis auch umstritten. Mehr als Gruselgeschichten über arbeitende Festplatten, während man eigentlich gar nichts am PC macht, gab es dann doch nicht. Trotzdem hatte Origin seinen Ruf weg und bis heute schauen Spieler mit Argwohn auf den Client.

Das Premium-Paket

Den zweiten große Aufreger konnte EA ins Positive umdrehen oder zumindest in eine Pille verwandeln, die Spieler schlucken wollten: Battlefield Premium. Zum Start von Battlefield 3 eröffnete EA den Spielern dieses neue Programm. Über den Zeitraum des Jahres nach Release sollten fünf DLC-Packs erscheinen. Jedes mit neuen Karten, neuen Waffen und neuen Spielmodi. Die sind auch einzeln erhältlich, doch mit Battlefield Premium hat man sie alle im Sack und kommt billiger weg. Trotzdem muss man zusätzlich zum Hauptspiel noch einmal 50€ hinlegen.

Der DLC Armored Kill sollte riesige Maps für das volle Arsenal von Battlefield 3 bringen. Leider brachte er auch Bugs und einen kaputten Rush-Modus mit sich...  Quelle: EA Der DLC Armored Kill sollte riesige Maps für das volle Arsenal von Battlefield 3 bringen. Leider brachte er auch Bugs und einen kaputten Rush-Modus mit sich...  Da runzelt man 10 Jahre später nur die Stirn, schließlich ist der Season Pass heute völlig normal. Damals war der Ruf nach rausgeschnittenem Content noch sehr groß und die Qualität der DLCs waren auch eher wechselhaft. Während Back to Karkand noch alte Maps aus Battlefield 2 erneuert und für wohlige Nostalgieflashs sorgt, ruiniert Armored Kill mal eben den kompletten Rush-Modus auf seinen unausgegorenen Maps.

Trotzdem hat sich Premium bis Battlefield 5 durchgesetzt. Erst dort ist man zu einem kostenlosen Live-Service übergegangen. Einerseits, weil man verstanden hat, das solche kostenpflichtigen Mappacks die Spielerbasis auseinanderreißen. Andererseits hat man aber vermutlich gesehen, dass man mit Battle Passes ala Fortnite wohl mehr Geld verdienen kann.

Allen Kontroversen zum Trotz schwang sich Battlefield 3 schlussendlich zum absoluten Fan-Liebling auf. Die Server waren voll und waren es sogar noch, als EA zwei Jahre später mit Battlefield 4 nachlegen wollte. Das war am Anfang ein heftig unfertiger Rohrkrepierer, der erst nach und nach sauber gepatcht wurde. Heutzutage gilt BF4 sogar als mindestens ebenbürtig mit BF3.

Doch auch heute findet man durchaus noch einige volle Server, die dem alten Battlefield 3 die Treue schwören. Ob es die ewigen Team-Deathmatch-Server auf Noshar Kanäle sind oder doch eine Runde Rush auf Seine Überquerung. Battlefield 3 gilt bei vielen als das letzte Spiel der Reihe, das von Anfang an ziemlich ausgereift war. Wir werden sehen, ob Battlefield 2042 zu diesem Ruf zurückkehren kann.

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