Atomic Heart: Ich bin voller Shooter-Hoffnung - Kolumne mit Video!

Kolumne Stefan Wilhelm 53,99 €
Atomic Heart: Ich bin voller Shooter-Hoffnung - Kolumne mit Video!
Quelle: Mundfish

Stefan hat ein Faible für Singleplayer-Shooter, die interessante Geschichten erzählen und spielerisch mehr bieten als Schießbuden-Geballer. Leider wird er damit von der Spieleindustrie seit Jahren ziemlich im Regen stehen gelassen, denn Bioshock, Wolfenstein und Half-Life lassen schon lange nichts mehr von sich hören. Zum Glück kommt bald Atomic Heart - und das ist drauf und dran, alles, was an den besten Singleplayer-Shootern begeistert, zu einem großartigen Ganzen zu vereinen. Ist es zu schön, um wahr zu sein?

Und ja, manches ist noch ungeklärt. Im Gegensatz zu vielen der hier erwähnten Shooter-Meilensteine setzt Atomic Heart zum Beispiel teilweise auf eine offene Spielwelt, von der aus dann die linearer designten Forschungsanlagen betreten werden sollen. Während nicht nur wir von den gelungen aufgebauten Bunkern überzeugt waren (bei denen ich natürlich sofort an die großartigen Fallout-Vaults denken muss), sind wir uns bei der Spielwelt nicht so sicher.

Über die hat Entwickler Mundfish nämlich noch nicht viele Worte verloren, und auch die Gameplay-Videos spielen sich anscheinend größtenteils in linearen Levels ab. Ob es viele interessante Nebenaufgaben in der Welt gibt, oder sie nur der Spielzeitstreckung dient, bleibt also unklar. Was die Entwickler dafür schon versprechen: Atomic Heart soll mindestens 25 Stunden lang sein. Das ist deutlich mehr als die meisten anderen Solo-Shooter bieten, die irgendwo bei der 15-Stunden-Marke landen, und birgt das Risiko für Leerlauf.

Entwicklungsprobleme

Daneben wäre Atomic Heart natürlich auch der ideale Kandidat für Feature-Creep, also ein Phänomen in der Software-Entwicklung, bei dem das ursprüngliche Produkt während des Entwicklungsprozesses mit halbgaren oder unfertigen Features erweitert wird, nur um sie auf die Packungsrückseite schreiben zu können. Diese Befürchtung stützt sich vor allem auf die bisher unbestätigten Berichte von Entwicklern, die zuerst im Januar 2019 (Quelle) und zuletzt im November 2022 (Quelle) die Runde machten.

Dort ist neben Crunch vor allem von einem chaotischen Entwicklungsablauf, ständigen Neustarts und inkompetentem Management die Rede. Features mussten plötzlich implementiert werden, weil die Führungsriege sie in anderen Spielen gesehen hat, dem Projekt fehle eine klare Vision.

Atomic Heart Quelle: Mundfish Atomic Heart

Atomic Heart stütze sich vor allem auf die großartige Arbeit des Art-Designers Artyom Galeev - eine der wenigen Führungskräfte, die in den Berichten gut wegkommt. Die Szenarien in den Gameplay-Videos seien hastig zusammengekloppt worden, um Investoren zu beeindrucken. Zudem habe die Quality-Assurance-Abteilung zeitweise vollständig aus Praktikanten bestanden, inklusive des Teamleiters.

Nochmal: Diese Berichte sind nicht bestätigt. Entwickler Mundfish hat sich, soweit ich das herausfinden konnte, nicht dazu geäußert. Zumindest nicht auf einem offiziellen Kanal. Auf der Website DTF, die auch die ursprünglichen Vorwürfe veröffentlicht hatte, findet sich offenbar eine Antwort von Mundfish aus dem Jahr 2019. Darin werden die Gerüchte dementiert und dem ursprünglichen Autor Clickbait und unsaubere Recherche vorgeworfen. Mundfish habe zwar versucht, ihn zu kontaktieren, er habe aber nicht geantwortet.Die Gerüchte bestätigen zwar die schlimmsten Befürchtungen, die viele seit der Ankündigung des Spiels haben, genau das könnte aber natürlich auch der Grund sein, sie in die Welt zu setzen.

Gut genug geölt?

Nun, vor allem bezüglich des technischen Zustands sind auch nach unserer Anspielsession nicht alle Bedenken vom Tisch. Selbst auf den potenten Rechnern, die uns zur Verfügung gestellt wurden, hatten wir teils mit krassen Framerate-Einbrüchen zu kämpfen.

Das lässt vermuten, dass Atomic Heart (wie The Callisto Protocol) auf dem PC mit Shader-Kompilierungsproblemen zu kämpfen haben könnte - immerhin läuft das Ding auch mit der Unreal Engine 4. Einen Monat vor Release stimmt das nicht unbedingt zuversichtlich, dass es auf den Kisten von uns Normalos reibungslos laufen wird. Wie das Spiel auf den Last-Gen-Konsolen aussieht, wissen außerdem nur die Entwickler. Auf Current-Gen sind 60 Fps bei dynamischer 4K-Auflösung bestätigt, gesehen haben wir diese Versionen aber nicht.

Obwohl ich mich auf kaum ein Spiel 2023 so sehr freue wie Atomic Heart und die Previews sehr vielversprechend ausfallen, wäre ich also vorsichtig, direkt auf den Vorbestell-Button zu drücken. Vor allem im Hinblick auf den Cyberpunk-Release ist mir da noch zu viel in Schwebe.

Aber wie auch immer das Endprodukt am Schluss aussieht: Die Zutaten, die Mundfish da in den Topf wirft, sind verdammt schmackhaft. So schmackhaft, dass ich es kaum noch erwarten kann, von diesem Spiel restlos begeistert oder schwer enttäuscht zu werden - viel dazwischen gibt's bei mir nicht mehr, denn ein so interessanter Shooter erscheint nur alle paar Jahre mal.

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