Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe

Test Felix Schütz
Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe
Quelle: PC Games

Deck 13 hat Lust auf etwas Neues: Das neue Werk der Frankfurter ist ein sehenswertes Wüstenspektakel, das lässiges Sand-Surfen mit wuchtigen Kämpfen verbindet - ganz ohne Souls-like. Doch schnell zeigen sich Schwächen, die an der Wertung nagen - im Test zu Atlas Fallen klären wir, was euch erwartet. Update: Jetzt auch mit Video-Review.

Wenn ihr eine Rüstung aufstuft, erhaltet ihr auch Perk-Punkte, damit schaltet ihr dauerhafte Upgrades frei. Zum Beispiel höhere Essenzerträge, verbesserte Heilung oder schnelleren Energiegewinn im Kampf. Weil einige Perks aber viel nützlicher sind als andere, hat man das System sehr schnell durschaut. Es ist also überhaupt nicht nötig, jeden Perk freizuschalten, zumal man die Punkte jederzeit umverteilen darf. Wer aber wirklich jedes Upgrade haben will, wird gegen Spielende eine Weile grinden müssen, bis man die nötige Essenz dafür zusammengekratzt hat.

Dialoge zum Wegdrücken

Im Gegensatz zu Lords of the Fallen und The Surge setzt Deck 13 diesmal wieder stärker auf eine Story mit umfangreicher Hauptquest - das wäre ein dickes Lob wert, wenn die Handlung nicht so vor sich hindümpeln würde. Der Plot wird nie überraschend oder interessant, setzt euch aber trotzdem jede Menge ausgewalzte Dialoge vor, in denen es immer wieder ums Gleiche geht: Thelos ist böse, dem Land geht's schlecht und überhaupt war früher alles besser. Spätestens nach ein paar Stunden laden die Gespräche zum Wegdrücken ein, daran können auch die Sprecher nicht mehr viel ändern, was schade ist - ein paar Rollen sind nämlich gut besetzt. Szenen, die anrührend sein sollten, verpuffen in ihrer Wirkung: Da werden Charaktere eingeführt, die wir überhaupt nicht kennen, für die wir uns aber bitteschön interessieren sollen - und zwar am besten sofort.

Erst auf der dritten Ausbaustufe erhält eure Rüstung besondere passive Eigenschaften. Quelle: buffed Erst auf der dritten Ausbaustufe erhält eure Rüstung besondere passive Eigenschaften. Auch der namenlose Held bleibt von Anfang bis Ende blass. Und wenn es doch mal größere Ereignisse gibt, so finden diese stets im Off statt - von einer angreifenden Armee oder einer dramatischen Burgeroberung erfahren wir zum Beispiel erst, wenn die Show schon gelaufen ist. Überhaupt fehlt es der Spielwelt an Leben: Alle NPCs bleiben an Ort und Stelle stehen, niemand läuft umher, es gibt kaum Zufallsereignisse oder Überraschungen, die etwas Dynamik in die hübsche Spielwelt bringen könnten. Natürlich haben wir von Atlas Fallen kein neues Gothic 2 erwartet - doch etwas mehr hätte es schon sein dürfen.

Zähe Dialoge, ständige Wiederholungen und ein fader Held: Die Story ist keine Stärke von Atlas Fallen. Quelle: PC Games Zähe Dialoge, ständige Wiederholungen und ein fader Held: Die Story ist keine Stärke von Atlas Fallen. Auch das Questdesign kann das nicht ausgleichen. Die meisten Nebenaufgaben sind schlichte Botengänge oder Suchaufträge, das geht zwar in Ordnung, begeistert aber nicht. Und dann gibt es noch ein paar Sidequests, die fast schon deplaziert wirken. Als wir etwa für einen empörten Obsthändler zehn verlorene Äpfel sammeln sollen, wurden wir neugierig: Das klingt so banal, da kommt doch bestimmt noch eine spannende Folgequest, ein raffinierter Dialog oder zumindest eine interessante Nebenfigur? Doch leider Fehlanzeige: Dem Händler geht's wirklich nur um seine Äpfel.

Einfach dem Hirsch nach

Immerhin gibt es aber ein paar freiwillige Aktivitäten, die man prima im Vorbeigehen erledigen kann. Man darf sich zum Beispiel mit Schatzsuchen beschäftigen, für die man mehrere Kartenteile sammeln muss. Oder man arbeitet nach und nach die Siegeltotems ab, die überall auf den Maps verteilt sind. Die erzeugen dann für kurze Zeit einen Lichtstrahl zu einem weiteren Totem, das man dann Hals über Kopf erreichen muss - das ist zwar nie knifflig, sorgt aber für ein bisschen Nervenkitzel und macht Spaß.

Die Spielwelt ist vollgestopft mit Schätzen, von denen wir das Meiste aber gar nicht brauchen. Quelle: PC Games Die Spielwelt ist vollgestopft mit Schätzen, von denen wir das Meiste aber gar nicht brauchen. Das komplette Gegenteil sind dagegen die Wildtierschätze: An bestimmten Orten tummeln sich Schweine und Hirsche, von denen uns ein zufälliges Tier zu einem vergrabenen Schatz führt. Dazu müssen wir uns dem Tier vorsichtig nähern, aber gleichzeitig auch eine gewisse Distanz wahren, sonst büxt uns der Vierbeiner nämlich einfach wieder aus. Das spielt sich nicht nur öde, es will auch einfach nicht so recht in ein Spiel passen, das doch eigentlich mit satten Kämpfen und schneller Fortbewegung punkten will.

Koop-Spaß für zwei

Seine Stärken kann Atlas Fallen zum Glück aber in seinem Koop-Modus ausspielen: Ihr könnt das komplette Abenteuer gemeinsam mit einem Freund erleben, denn der Multiplayer wird direkt nach dem Intro freigeschaltet. Klasse! Beachtet, dass es sich um reinen Online-Koop handelt, einen lokalen Spielmodus via Splitscreen gibt es nicht. Eine Spielersuche (Matchmaking) hat man sich aber leider gespart, ihr dürft nur Freunde direkt in euer Spiel einladen. Und auch Crossplay wird nicht unterstützt, ihr könnt also nur mit Freunden auf der gleichen Plattform zocken.

Wer mag, kann das komplette Spiel im Online-Koop bestreiten. Quelle: PC Games Wer mag, kann das komplette Spiel im Online-Koop bestreiten.

Dafür werden aber die Fortschritte für beide Gruppenteilnehmer gespeichert, wenn sie ungefähr den gleichen Stand in der Geschichte erreicht haben. Dadurch könnt ihr eure Charaktere später auch alleine weiterspielen, wenn ihr das wollt. Im Koop wird der Schwierigkeitsgrad für jeden Spieler angeglichen, was in unserem Test auch ziemlich gut funktioniert hat. Da Atlas Fallen im Kern aber trotzdem ein Solo-Abenteuer bleibt, gibt es keine besonderen Koop-Aktivitäten, Team-Aufgaben oder Wettbewerbe. Wenn ihr also lieber alleine spielt, entgeht euch absolut nichts. Für Koop-Partien gibt es lediglich ein paar Essenzsteine, die auch euren Mitspieler stärken oder heilen können - als Solo-Spieler hat man da keinen Nachteil.

Die Technik

Technisch zeigte sich Atlas Fallen meistens gut in Form. Auf der PS5 lief das Spiel im Performance-Modus butterweich, die Weitsicht war klasse und die Levels wirkten schick ausgeleuchtet. Auch die flüssigen Kampfanimationen sind echte Hingucker, was man aber leider nicht über die Charaktere sagen kann: Gerade in den langatmigen Dialogen sind viele Figuren nur spärlich animiert und wirken damit aus der Zeit gefallen. Beim Erkunden fielen uns auch einige unschöne Pop-Ups auf, hier soll der Day-1-Patch nachbessern. In unserem Test kam es auch mehrmals zu Abstürzen, wodurch uns allerdings nie Spielfortschritt verloren ging - immerhin! Auch die PC-Fassung haben wir stundenlang getestet. Die Technik hinterließ einen guten Ersteindruck und die Performance war unter DX11 sauber. Wir empfehlen zum Spielen aber Gamepad, damit gehen die hektischen Kämpfe etwas besser von der Hand als mit Maus und Tastatur. Für mehr Infos zu PC-Technik und Performance schaut bitte bei unseren Kollegen von PC Games Hardware vorbei, die Atlas Fallen ebenfalls getestet haben.

Wertung zu Atlas Fallen (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Atlas Fallen (PS5)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Wuchtige Action, Koop-Modus und ein schicker Sandkasten zum Surfen: Atlas Fallen zeigt gute Ideen, zieht aber nicht alle Register: Die dünne Story enttäuscht und auf Dauer fehlt es einfach an Abwechslung, Tiefgang und einer lebendigen Spielwelt.


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Für die Hauptquest sollt ihr laut der Entwickler etwa 15 bis 20 Stunden einplanen. Wir haben für unseren Test etwa das Doppelte investiert und dabei alle Sidequests abgehakt, alle Rüstungen maximiert und alle Perks freigeschaltet. Bis auf ein paar optionale Schätze gab es da nicht mehr zu tun und der Wiederspielwert tendiert gegen Null, da Story und Quests streng linear verlaufen und es auf Dauer einfach an Abwechslung fehlt. Atlas Fallen ist somit ein Spiel, das zwar immer gut beschäftigt, aber nur selten begeistert. Zumindest hat es mit seinem Koop-Modus aber einen Pluspunkt, der vielen anderen Spielen fehlt und der unsere Wertung noch knapp auf eine 7 wuchtet. Ist Atlas Fallen deshalb ein schlechtes Spiel? Natürlich nicht, es hat viele Stärken! Doch wuchtige Kämpfe und launiges Sandsurfen allein genügen einfach nicht für einen Top-Titel - und das zeigen leider auch die vielen durchwachsenen Wertungen auf Metacritic, die das Spiel bislang eingefahren hat. Atlas Fallen ist für PC, PS5 und Xbox Series S/X erhältlich, der Preis liegt bei 50 Euro (PC) bzw 60 Euro (Konsole).

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