Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe

Test Felix Schütz
Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe
Quelle: PC Games

Deck 13 hat Lust auf etwas Neues: Das neue Werk der Frankfurter ist ein sehenswertes Wüstenspektakel, das lässiges Sand-Surfen mit wuchtigen Kämpfen verbindet - ganz ohne Souls-like. Doch schnell zeigen sich Schwächen, die an der Wertung nagen - im Test zu Atlas Fallen klären wir, was euch erwartet. Update: Jetzt auch mit Video-Review.

Das muss man Deck 13 wirklich lassen: Die Frankfurter überraschen immer wieder aufs Neue! Spätestens nach The Surge 2, das im Test richtig gut abschneiden konnte, hatten viele schon mit dem nächsten Souls-like gerechnet. Doch Atlas Fallen will davon nichts wissen. Hier erwartet euch ein zugänglicheres, gewöhnlicheres Action-Abenteuer, das aber mit satt inszenierten Kämpfen, schicker Wüstenwelt, coolem Sandsurfen und Koop-Modus punkten will. Wir haben es durchgespielt und verraten euch, wo Atlas Fallen seine Stärken hat - und warum es trotzdem nur mittelmäßige Wertungen einfahren kann.

Bevor sich jemand wundert: Atlas Fallen (jetzt kaufen 22,03 € ) hat nichts mit Lords of the Fallen zu tun. Das merkt man schon an der neuen, sandigen Fantasy-Spielwelt, die wirkt auf den ersten Blick nämlich regelrecht einladend. Doch der schöne Schein trügt, denn viele Menschen sind hier dem strengen Gott Thelos unterworfen, für den sie sich tagein, tagaus abschuften müssen. Auch das Land hat schwer unter der Tyrannei von Thelos gelitten, große Teile der Natur sind einer Wüste gewichen, riesige Monster treiben sich im Sand herum und von den meisten Ortschaften sind nur noch Ruinen übrig. In diese Welt werdet ihr als namenloser Held hineingeboren - euer Geschlecht und Aussehen könnt ihr in einem Editor selbst bestimmen, doch alles Weitere ist streng vorgegeben: Gleich zu Beginn erhaltet ihr einen magischen Handschuh, der in der deutschen Fassung nur der "Gauntlet" genannt wird. (Soll wohl cooler klingen als "Panzerhandschuh".) Dadurch erhaltet ihr mächtige Götterkräfte und den geisterhaften Begleiter Nyaal, der euch ab hier durch das gesamte Abenteuer begleitet und dabei regelmäßig zutextet.

Update: Jetzt mit Test-Video.

Durchkämmt die Wüste!

Der Ersteindruck fällt enttäuschend aus: In der ersten halben Stunde ist man nur in einem optisch langweiligen Tutorial-Abschnitt unterwegs, vollgepackt mit ausgedehnten Dialogen, die noch dazu altbacken inszeniert sind. Hat man den zähen Prolog erst mal hinter sich, bessert sich die Laune, denn dann werdet ihr endlich in die schicke Spielwelt entlassen, die aus vier sehr großen Maps besteht. Vor allem der dritte Level fällt dabei so wunderbar weitläufig aus, dass fast schon richtiges Open-World-Feeling aufkommt.

Während ihr versucht, das Geheimnis um den Gauntlet zu entschlüssen und Thelos das Handwerk zu legen, bekommt ihr sehr, sehr viel Wüste zu sehen. Umso besser! Denn in Atlas Fallen dürft ihr lässig über den Sandboden surfen und gelangt so in Windeseile von A nach B. Das Feature bleibt zwar bis zum Spielende gleich und kommt leider auch nie in Kämpfen zum Einsatz, aber immerhin: Uns wurde es nie langweilig, geschmeidig durch die Wüste zu zischen.

Spaßig: Anstatt zu rennen, surft ihr lässig über den Wüstensand. Quelle: PC Games Spaßig: Anstatt zu rennen, surft ihr lässig über den Wüstensand.

Höher, schneller, weiter

Atlas Fallen will auch mit hoher Bewegungsfreiheit und vertikalem Leveldesign punkten. Wenn ihr in der Ferne eine zerborstene Gebirgsformation, einen abgelegenen Tempel oder einen Wachturm entdeckt, dürft ihr auch wirklich dorthin. Fast von Anfang an dürft ihr einen praktischen Doppelsprung und einen Dash in der Luft nutzen, mit denen ihr riesige Distanzen überbrückt und schwindelerregende Höhen erreicht. Das ist vor allem in den ersten Stunden toll, nutzt sich mit der Zeit aber auch ab: Das ständige Springen und Dashen entwickelt sich nie mehr weiter und bietet nach einer Weile keinerlei Herausforderung mehr, zumal Fallschaden praktisch nie ein Problem ist.

Überhaupt gibt es im gesamten Spiel nur sehr wenige neue Fähigkeiten entdecken, die wichtigsten Features erhaltet ihr schon nach wenigen Stunden. Man kann zum Beispiel alte Bauwerke aus dem Wüstensand anheben und sie so als Kletterhilfe nutzen. Und man lernt, bestimmte Schalter zu aktivieren, dadurch werden dann magische Treppenstufen und Plattformen erschaffen, mit denen ihr weitere Bereiche erkunden könnt. Leider machen die Entwickler zu wenig daraus: Clevere Puzzles oder kreative Geschicklichkeitsaufgaben, die etwas Abwechslung ins Abenteuer bringen könnten, ergeben sich daraus leider nicht.

Riesige Weitsicht und hohe Bewegungsfreiheit: Atlas Fallen spielt sich ganz anders als The Surge. Quelle: PC Games Riesige Weitsicht und hohe Bewegungsfreiheit: Atlas Fallen spielt sich ganz anders als The Surge.

Action ohne Souls-Allüren

Stattdessen konzentriert sich Deck 13 lieber auf die Kämpfe gegen Phantome, die an festgelegten Orten in der Spielwelt spawnen. Die Wüstenmonster gibt's in zwei Geschmacksrichtungen: Da sind einmal kleine Standard-Feinde, die so harmlos sind, dass man sie nach einer Weile kaum noch beachtet. Und dann gibt es noch eindrucksvolle Elite-Gegner, die oft auch als Bossgegner zum Einsatz kommen: Riesige Skorpione und Krebsmonster, bissige Vierbeiner, fliegende Bestien - sie alle sind toll animiert und setzen uns mit blitzschnellen Attacken zu. Ihr könnt die meisten Angriffe zwar blocken oder ihnen mit einem Dash ausweichen, doch das kann schnell hektisch werden - da sind gute Reaktionen gefragt. Übertrieben knifflig wird's aber nie und von einem Souls-like ist das Spiel meilenweit entfernt. Auf normaler Schwierigkeitsstufe kam uns Atlas Fallen im letzten Spieldrittel sogar zu leicht vor. Tode werden außerdem nicht bestraft, ihr landet dann einfach wieder an eurem letzten Speicherpunkt und könnt den Kampf nochmal probieren.

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