Atlas Fallen im Test: Wüstenspektakel mit Sand im Getriebe
Test
Deck 13 hat Lust auf etwas Neues: Das neue Werk der Frankfurter ist ein sehenswertes Wüstenspektakel, das lässiges Sand-Surfen mit wuchtigen Kämpfen verbindet - ganz ohne Souls-like. Doch schnell zeigen sich Schwächen, die an der Wertung nagen - im Test zu Atlas Fallen klären wir, was euch erwartet. Update: Jetzt auch mit Video-Review.
Wenn es im Kampf doch mal stressig wurde, hatte das oft eher mit der Kamera zu tun. Die kommt im offenen Gelände zwar prima mit der Action klar, doch sobald irgendwo ein Hang, ein Stück Mauer oder etwas Vegetation im Weg ist, geht die Übersicht schnell über Bord. Besser funktioniert das Anvisieren von feindlichen Körperpartien, was ein bisschen an The Surge erinnert. Rote Körperteile muss man zerstören, gelbe dagegen sind stark gepanzert und völlig optional. Wer sich die Mühe macht und ein gelbes Körperteil zerstört, bekommt theoretisch eine bessere Belohnung nach dem Kampf. In unserer Spielzeit hatten wir aber nicht den Eindruck, dass sich das wirklich auszahlt.
So funktionieren Essenzsteine
Im gesamten Abenteuer stehen euch drei Waffen zur Verfügung, von denen ihr immer zwei gleichzeitig nutzen dürft. Klingt nach wenig? Ist es auch! Eure Axt, Peitsche und magischen Fäuste haben zwar unterschiedliche Attacken und Kombos und erfüllen alle ihren Zweck, doch nach einer Weile haben wir auch ein paar Upgrades vermisst, um das Kampfgerät ein bisschen aufzumotzen. Auch eine richtige Fernkampfwaffe hat man sich leider gespart, obwohl man häufig fliegenden Feinden begegnet - da hätte sich ein magischer Bogen oder Bumerang doch sicher angeboten.
Quelle: PC Games
Die Kämpfe gegen große Elite-Phantome können richtig cool aussehen - wenn die Kamera mitspielt.
Dafür hat Atlas Fallen aber ein interessantes Skillsystem, das etwas Abwechslung in die Kämpfe bringt. Im gesamten Spielverlauf findet ihr sogenannte Essenzsteine, die nichts anderes sind als aktive und passive Fähigkeiten. Sie unterteilen sich in drei Ränge, wobei ihr für jeden Rang vier Steine festlegen dürft. Die Auswahl kann sich richtig sehen lassen: Ihr könnt insgesamt rund 150 (!) Essenzsteine erbeuten, darunter Betäubungszauber, heilende Druckwellen, Flächenangriffe, Konterattacken, Schadensauren und vieles mehr.
Quelle: buffed
Mit Essenzsteinen baut ihr eure Skill-Leiste zusammen.
Um die eingesetzen Steine zu nutzen, müsst ihr aber erst mal eine blaue Energieleiste füllen, indem ihr euch in Nahkämpfe stürzt. Habt ihr genug Energie aufgebaut, werden die passiven Steine automatisch aktiv und eure Kampfzauber einsatzbereit. Und auch eure Angriffe werden mit gefüllter Energieleiste stärker, das heißt: Je länger ihr auf einen Gegner draufhaut, desto mächtiger werdet ihr dabei. Hat man dann noch eine gute Kombination aus Essenzsteinen zusammengestellt, müssen sich selbst Bossgegner warm anziehen: Wenn man lässig durch die Luft wirbelt, während die ganzen Zaubereffekte auf den Gegner niederprasseln, und wenn man dann noch einen vernichtenden Spezialangriff hinterschickt, der angeschlagene Feinde erbarmungslos auf die Matte schickt, dann fühlt man sich wie ein Fantasy-Superheld: Wo wir hinhauen, wächst so schnell kein Wüstengras mehr!
Trotzdem werden die Kämpfe auf Dauer etwas eintönig. Das liegt vor allem an den Gegnertypen, die sich einfach zu häufig wiederholen. Selbst das größte Monsterphantom wirkt eben nicht mehr so eindrucksvoll, wenn man es gerade zum fünften Mal plattgemacht hat.
Quelle: PC Games
Nur drei Waffen und zu wenig Gegnertypen: Auf Dauer fehlt es dem Spiel an Abwechslung.
Moment - wo ist das Vieh hin!?
Ein Detail an den Kämpfen hat uns im Test richtig genervt: Alle Gegner haben einen Aktionsradius, in dem sie sich bewegen dürfen. Wenn sie ihre Grenze überschreiten, lösen sich die Monster ganz einfach auf. Mitten im Kampf! Sie verschwinden vor unseren Augen und respawnen dann wieder an ihrem Ausgangspunkt. Dabei bekommen sie ihre volle Lebensenergie zurück. Das ist nicht nur ärgerlich, weil man den ganzen Kampf von vorn beginnen muss, sondern auch, weil man oft gar nix dafür kann! Kämpfe gegen größere Phantome können problemlos zwei, drei Minuten dauern und in der Zeit springen und wandern und springen die Viecher munter durch die Gegend. Landen sie dann zufällig außerhalb ihrer unsichtbaren Grenze, wird der Respawn ausgelöst. Und das ist leider kein Einzelfall: In unserem Test ist es uns insgesamt sieben Mal passiert, dass sich ein Gegner mitten im Kampf einfach auflöst. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass Deck 13 mit einem Patch nachbessert.
Quelle: PC Games
Mit Angriffen baut ihr Energie für eure passiven und aktiven Skills auf.
Schatzsucher
Kämpfe und Sandsurfen sind aber natürlich noch nicht alles. Beim Erkunden der Spielwelt findet man auch massenhaft kleine Schätze, teilweise liegen sie einfach am Wegesrand, auf einem unscheinbaren Hügel oder hinter der nächstbesten Ruine. Oft findet man auch Schatztruhen, die unter dem Sand vergraben liegen oder die man erst später mit einem Upgrade für den Handschuh, pardon dem Gauntlet öffnen kann. Natürlich ist es keine schlechte Idee, die Spielwelt mit viel Sammelkram vollzustopfen. Nur leider ist der Großteil der Beute ziemlich unspektakulär. Zwar findet man ab und zu auch neue Essenzsteine, doch das Meiste ist einfach nur Plunder, den man beim Händler zu Geld machen kann. Damit kann man sich dann ab und an mal eine Schatzkarte kaufen oder ein neues Amulett (das ist zuständig für Heilung). Doch das meiste Zeug davon braucht man einfach nicht, wodurch Gold schnell an Reiz verliert.
Quelle: buffed
Beim Händler verkaufen wir unseren gesammelten Plunder. Mit dem verdienten Gold können wir aber nur wenig anfangen.
Rüstung ist alles
Die besten und wichtigsten Käufe im Spiel sind ohnehin Rüstungen, die man teilweise auch über Quests bekommt. Insgesamt zehn Rüstungen haben wir so im Spiel gefunden. Die Klamotten steigern nicht nur Basisattribute wie Angriff oder Abwehr, sondern haben auch noch besondere Effekte. Dazu muss man die Klamotten aber erst zwei Mal upgraden, was viel Essenz (Erfahrungspunkte) kostet. Die Rüstungsränge entsprechen dann eurem Charakterlevel, das heißt: Wenn euch ein Gegner zu schwer ist, solltet ihr einfach versuchen, eine hochstufigere Rüstung zu bekommen. Eine andere Möglichkeit, eure Charakterwerte zu steigern, gibt's nämlich nicht.
