Fehlstart und Zukunftshoffnung zugleich: Bei Assetto Corsa Evo stockt der Motor
Special
Assetto Corsa Evo besitzt das Potenzial, das Rennspiel-Genre zu revolutionieren. Im Early Access gibt's aber noch Probleme.
Nur echtes Fahren ist schöner
Denn was ich auf der Piste bereits zu dem frühen Zeitpunkt geboten bekomme, ist erstklassig. Bei einer Racing-Sim kommt es in erster Linie eben auf das Fahrverhalten an, und Evo überzeugt mit seiner hauseigenen Physik-Engine eindrucksvoll.
Bevor ich genauer auf das Gameplay eingehe, kann ich euch sagen, dass ich für den Early-Access-Check einerseits eine Logitech Pro DD 11 Wheel Base inklusive Lenkrads und Pedalerie verwendet habe, andererseits standen uns von Caseking ein Sim-Racing-Rig von Nitro Concepts inklusive Lenkrads und Pedalerie von Moza zur Verfügung. Doch auch mit einem Gamepad lässt sich der Titel mit ein wenig Übung fahren.
Ich spüre auf den Strecken jede Bodenwelle und das Spiel schafft es außerdem, mir ein gutes Gefühl des Übersteuerns und Untersteuerns zu vermitteln. Obwohl bei manchen Fahrzeugen gerne einmal das Heck ausbricht, schaffe ich es häufig, nicht abzufliegen und mein Auto abzufangen.
Quelle: Kunos Simulazioni
Nachdem ich aber auch hinter dem Steuer von Straßenfahrzeugen sitze, kämpfe ich zusätzlich gegen das Schieben über die Vorderachse. Mit entsprechenden Set-ups sowie Feingefühl des Gasfußes kann ich allerdings auch das Untersteuern eindämmen.
Das Handling ist trotz des gelungenen Fahrzeug- und Aufhängungs-Feedbacks anspruchsvoll und definitiv nicht für komplette Rennspielneulinge geeignet, Simulations-Fans kommen hingegen voll auf ihre Kosten.
Sauwetter
Noch mehr Feingefühl braucht es, wenn der Himmel seine Pforten öffnet. In AC Evo gibt's ein dynamisches Wettersystem, bei dem sogar die Wolken realistisch simuliert werden. Der Übergang vom Trockenen zum Niederschlag funktioniert bereits einwandfrei. Ich spüre zum Beispiel direkt, wenn sich die Grip-Verhältnisse verändern. Auch die Regentropfen auf der Windschutzscheibe geben einen guten Indikator, wie sich die Feuchtigkeit auswirkt.
Wenn viel Wasser auf dem Asphalt steht, rutschen mir die Karren aktuell allerdings noch zu wenig. Die Rundenzeiten müssten eigentlich deutlich in die Höhe schnellen, wenn ich mit Slicks über die nasse Piste brettere. Doch die Unterschiede fallen gering aus.
Quelle: Kunos Simulazioni
Der Grip-Level nimmt in der Realität vor allem bei kälteren Temperaturen recht zügig ab, da sollten die Entwickler noch nachbessern. Doch mein Vertrauen in Kunos ist groß, denn auch die anderen Teile der Reihe wurden nach und nach fast perfekt optimiert.
Auf trockenem Untergrund ist die Simulation des Reifendrucks und der Temperatur hingegen um einiges besser umgesetzt. Jeder kleine Rutscher lässt die Reifenoberfläche direkt erhitzen. Nach ein paar Sekunden kühlt das schwarze Gold aber wieder in das korrekte Arbeitsfenster ab.
Das ist kein Autoscooter!
Probleme machen noch die NPC-Piloten. Manchmal leiden sie auf bestimmten Streckenabschnitten unter Wegfindungsstörungen und fahren aberwitzige Linien. Auch in Duellen verhalten sie sich zu aggressiv und unvorhersehbar, was schnell in Frust ausarten kann. Nicht nur einmal habe ich mich entgegen der Fahrtrichtung wiedergefunden, nachdem die KI einfach nicht nachgeben wollte, obwohl ich den nötigen Platz gelassen hatte. Je mehr Gegner ich an den Rennen teilnehmen lasse, desto chaotischer verlaufen vor allem die Startphasen.
