Ein Spiel für alle oder nur für echte Fans? Kann Assassin's Creed Shadows auch ohne Japan-Interesse überzeugen?
Kolumne
Als Nicht-Fan des Japan-Settings hat sich Vivi im neuen Teil der Assassin's-Creed-Reihe ausgetobt, um zu testen, ob Shadows auch Spieler ohne Japan-Interesse überzeugen kann.
Als brandneues Spielelement wurde die Welt von Assassin's Creed Shadows mit einem dynamischen Jahreszeitenwechsel versehen. Was als neues Feature eigentlich eine coole Idee ist, die in der Theorie für mehr Immersion sorgen könnte, sieht in der Praxis ganz anders aus. Der größte Unterschied zwischen den Jahreszeiten macht sich nur durch die Häufigkeit der Regenschauer und ein hübsch gefärbtes Blätterdach im Herbst bemerkbar. Ansonsten sorgen die eingespielten Cutscenes bei jedem Wechsel eher dafür, dass ich aus der Immersion gerissen werde.
Auch die Ladezeiten beim Betreten und Verlassen des Verstecks reißen mich jedes Mal wieder aus dem Spielgeschehen. Natürlich hängt das mit dem integrierten Bausystem zusammen, mit dem ich das Versteck frei gestalten kann - ein tolles Feature, wie ich finde. Dennoch sorgen die Ladezeiten immer wieder für eine Unterbrechung meiner Spielerfahrung.
Traditionell japanisch
Wie auch schon in den Vorgängern orientiert sich Ubisoft beim Design der Ausrüstung und Waffen an historischen Überlieferungen und designt sie nach traditionellem Vorbild. Typisch für das feudale Japan kämpfe ich beispielsweise mit einem Katana, einem Tanto oder einem Kusarigama. Da sich jede der Waffen anders anführt, kann ich die Wahl passend zu meinem Spielstil treffen. Anders als bei Ghost auf Tsushima, wo auch die verschiedenen Kampfhaltungen eine Rolle spielten, hält sich Shadows aber an die bewährten Mechaniken, die mir aus den vorherigen Assassin's-Creed-Teilen schon bestens bekannt sind. Also das ursprüngliche Spielprinzip in einem neuen Look.
Die verschiedenen Waffentypen, die im Spiel integriert wurden, sind dabei auf die beiden verschiedenen Charaktere zugeschnitten und beschränkt. So kann ich beispielsweise Yasuke nicht mit einem Kusarigama ausrüsten. Da es traditionell keine angemessene Waffe für einen Samurai ist, den Yasuke in diesem Spiel verkörpert, wurde die Waffenauswahl überlegt getroffen. Ich vermisse beim Spielen von Naoe allerdings trotzdem immer wieder Pfeil und Bogen, um auch aus größerer Entfernung Gegner leise auszuschalten. Wer jetzt einwerfen will, "aber sie hat doch Wurfmesser für den heimlichen Fernkampf", ja, aber die Reichweite und Stückzahl der Hilfsmittel ist deutlich begrenzter als die Schüsse mit Pfeil und Bogen.
Auch einige der Bräuche sind ins Spiel integriert worden. So kann ich mit Naoe an verschiedenen Plätzen in der Welt meditieren oder niedliche Tiere zeichnen, die ich danach streicheln kann. Außerdem habe ich das richtige Abhalten einer traditionellen Teezeremonie als Teil einer Hauptquest gelernt. Dazu gehörten auch die richtige Verbeugung, das Drehen der Teeschale und die angemessene Kleidung. Was ich allerdings vermisse, ist ein Bezug zur Mythologie Japans.
Egal, ob Anubis in Origins, Medusa in Odyssee oder Fenrir in Valhalla, den fleischgewordenen Fabelwesen aus den Überlieferungen entgegenzutreten, war für mich in jedem Spiel ein besonderes Highlight, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Gern hätte ich gesehen, wie japanischen Fabelwesen und Dämonen Leben eingehaucht wird, und versucht, mich ihnen gegenüber zu beweisen.
Mehr Tiefgang, bitte
Wie anfangs schon erwähnt, hatte seit der Neuausrichtung jeder Assassin's-Creed-Teil etwas an sich, das mich begeistern konnte und mich bei der Stange gehalten hat, auch wenn mir andere Aspekte des Spiels eventuell nicht gefallen haben oder das Setting meinen Geschmack nicht getroffen hat. Zum Beispiel fand ich es bei Odyssey super, bekannte Philosophen zu treffen und dass sich die Geschichte, die das Spiel erzählte, als alternative Ursache für das damalige Zeitgeschehen entwickelt hat. Auch Basims ganz persönliche Geschichte in Mirage hat mich gefesselt, sodass ich stets neugierig darauf war, wie sein Weg zu den Assassinen verlaufen ist.
