Assassin's Creed Shadows vs. Ghost of Tsushima: Welches Japan ist besser?
Kolumne
Der Release von Assassin's Creed Shadows ist da und die Vergleiche mit Ghost of Tsushima liegen nahe. Welches Spiel schneidet besser ab?
Weniger Realismus, aber viel Spielspaß
Dass ich meinen Spaß mit Shadows habe, liegt auch am gelungenen Gameplay. Obwohl ich großer Stealth-Fan bin, wechsle ich hin und wieder von Naoe auf Yasuke. Mit ihm kloppe ich auf meine Feinde ein, als gäbe es kein Morgen mehr.
Ich spüre direkt, wie schwerfällig sich der Samurai im Gegensatz zur Shinobi spielen lässt, dafür hält er aber auch deutlich mehr aus. Möchte ich zwischendurch mein Assassinen-Herz ausleben, geht's wieder zurück zu Naoe und dann wird heimlich vorgegangen. Als großer Hitman-Fan macht mich schließlich nur der lautloseste Kill glücklich und den schaffe ich lediglich mit Naoe.
Quelle: Ubisoft
Doch neben den unterschiedlichen Vorgehensweisen mit den beiden Hauptcharakteren können mich auch die verschiedenen Waffen überzeugen. Die bringen schließlich ordentlich Abwechslung ins Spiel. Was in Tsushima die verschiedenen Haltungen sind, macht Shadows mit der Vielzahl an Katanas und anderen Nahkampf-Gadgets wett.
Wenn ich Gegner durch Naoes Kusarigama durch die Spielwelt schleudere und mit der Naginata von Yasuke Feinde aufspieße, dann fühlt sich das gut an - anders als in Tsushima, aber trotzdem gut. Nur das Fokussieren auf einen Widersacher bereitet mir in den Kämpfen immer wieder Schwierigkeiten. Deswegen lasse ich das meistens weg und wehre mich im offenen Gefecht, dann treffe ich auch die richtigen Leute. Nur in Duellen bringt mir der Fokus ein wenig mehr.
Langweilige Story und Charaktere ohne Herz
Doch es gibt auch Punkte, in denen ist Shadows weit von Tsushima entfernt. Einmal mehr scheitert Ubisoft beispielsweise beim Erzählen einer spannenden Geschichte, die mich über die Spieldauer bei Laune halten kann. Und Shadows ist nun mal ein Titel, bei dem ich locker über die 50-Stunden-Marke komme. Schon nach wenigen Stunden tröpfelt die Story aber nur noch öde vor sich hin.
Ohne zu tief ins Detail zu gehen, ich möchte euch ja nicht spoilern, habe ich mir von einem Assassin's Creed in Japan schon ein wenig mehr erhofft. Das Potenzial wäre gegeben, doch die Idee der Entwickler kommt ausgelutscht daher. Die Story können leider auch die beiden Hauptcharaktere nicht retten.
Quelle: Ubisoft
Ganz im Gegenteil: So richtig ans Herz wachsen mir die zwei einfach nicht. Mir fehlt es an Tiefe und Emotionen. In seltenen Fällen baut Ubisoft zwar interessante Entscheidungsmöglichkeiten ein, doch die stellen sich sehr schnell als rein oberflächlich heraus.
Dabei wäre so viel mehr möglich gewesen: Auf der einen Seite der dunkelhäutige Samurai, der sich in einem fremden Land zurechtfinden muss, auf der anderen die mysteriöse Shinobi, die gegen sämtliche Widrigkeiten ankämpft. Bis auf ein paar Höhepunkte bleiben meine Helden aber sehr blass. Nicht so schlimm wie Basim in Assassin's Creed Mirage, aber mir fehlen immer noch besondere Charakterzüge.
