Assasssin's Creed Origins im Test/Review: Story und Quests

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Assasssin's Creed Origins im Test/Review: Story und Quests
Quelle: PC Games

Auf Seite 2 unseres ACO-Reviews gehen wir auf die Stärken (und Schwächen) der Hintergrundgeschichte ein - inklusive der Gegenwarts-Story von Assassin's Creed Origins um Animus und Abstergo. Außerdem beleuchten wir im Test die neuen Nebenquests.

Assassin's Creed: Origins im Test - Geschichte erleben, Dramatik zugegen

Der Protagonist des Spiels hört auf den Namen Bayek, ein sogenannter Medjay. Der dunkelhäutige Held ist eines der letzten Relikte einer vergangenen Ära: Rund um die Zeitenwende, gut 50 Jahre vor Christi Geburt, ist die Epoche der Pharaonen und des ursprünglichen Ägyptens nahezu ausgelaufen. Nach Alexanders Eroberungen hat die griechische Kultur im Land Einzug gehalten, verkörpert von der Küstenstadt Alexandria. Auf dem Thron sitzt mit Ptolemaios XIII. der letzte männliche Nachfahre der Ptolemäer-Linie, seine Schwester und spätere Pharaonin Kleopatra ist integral für die Handlung. Bayek sieht sich als letzter Medjay in der Rolle eines Beschützers der Bevölkerung; seine Rolle entspricht einer Mischung aus Lokalpolizist und FBI-Agent, Dienstabzeichen inklusive.

Aya und ihr Mann Bayek sind die zwei Protagonisten von Assassin's Creed Origins, meistens spielt ihr Bayek. Quelle: PC Games Aya und ihr Mann Bayek sind die zwei Protagonisten von Assassin's Creed Origins, meistens spielt ihr Bayek. Obwohl sich Ubisoft Montreal durch mehrere Rückblenden nach dem verwirrenden Beginn Mühe gibt, Bayek mehr Persönlichkeit zu verleihen, bleibt er doch immer die idealisierte Version eines Gutmenschen: Stets hilft er, wo er kann, und erwartet dafür keine Bezahlung. Allerdings befindet er sich gleichzeitig auf einem Rachefeldzug gegen eine Reihe von Bösewichtern, die alle Ebenen des Staatswesens infiltriert haben - der Orden der Ältesten, eine frühe Form des Templerordens aus vergangenen Assassin's Creed-Teilen. Origins erzählt die Gründungsgeschichte der Assassinen-Bruderschaft, bei der Bayek eine zentrale Rolle spielt - zusammen mit seiner Frau Aya.

Mit der willensstarken Kämpferin trefft im Spielverlauf immer wieder zusammen, doch die Dame hat eigene Ziele und ist auch nicht immer einer Meinung mit Bayek. Insgesamt macht sie das zum deutlich interessanteren Charakter; tatsächlich mutet besonders der Schlussakt von ACO so an, als könnte Aya in einem Sequel ihre eigene Hauptrolle bekommen. Doch bereits in Origins steuert ihr Aya mehrmals: Neben einer Mission zu Fuß steht auch ein Trio von Seeschlachten auf dem Programm, in denen ihr als Aya eine Galeere kommandiert und gegnerische Flottenverbände versenkt. Diese Einsätze gehören zum Pflichtprogramm der Kampagne, mechanisch ähneln sie sehr stark den Schiffskämpfen aus Assassin's Creed 4: Black Flag.Die Kampagne von Assassin's Creed Origins ist abwechslungsreich gestaltet, es gibt keine dämlichen "Sie verlassen das Einsatzgebiet"-Warnungen und die Tageszeit hat Auswirkungen auf den Bereitschaftszustand von Wachen sowie den Aufenthaltsort einer Zielperson. Wer die mehrstufigen, Hitman-artigen Mordanschläge aus Assassin's Creed Unity gewohnt ist, könnte sich allerdings wundern, denn diese glänzen mit Abwesenheit.

Dafür überraschen die Story-Einsätze besonders gegen Ende mit ungewöhnlichen Ideen. Und anders als beim schwachen Plot des Vorgängers Syndicate überzeugt auch die eigentliche Geschichte von Assassin's Creed Origins. Jedenfalls die historische: Die gewohnte Gegenwarts-Story mit dem Templer-Unternehmen Abstergo Industries ist natürlich auch wieder mit von der Partie und enttäuscht einmal mehr durch fehlenden Schwung. Zwar erstreckt sich die Handlung um eine Forscherin, die Bayeks Erinnerungen im Animus nacherlebt, diesmal nicht nur auf eine Handvoll Zwischensequenzen. Aber trotz kleiner Gameplay-Sequenzen bleibt die in der Moderne verortete Parallelhandlung ein Anhängsel ohne befriedigende Auflösung oder interessante Charaktere.

Die Gegenwarts-Story dreht sich um eine Abstergo-Mitarbeiterin, die per Animus Bayeks Erinnerungen nachspielt. Der Plot tritt aber bis zum Ende auf der Stelle. Quelle: PC Games Die Gegenwarts-Story dreht sich um eine Abstergo-Mitarbeiterin, die per Animus Bayeks Erinnerungen nachspielt. Der Plot tritt aber bis zum Ende auf der Stelle. Die große Distanz zum Geschehen im historischen Ägypten dürfte der ein oder andere Spieler aber als Plus sehen: Noch nie in der Assassin's Creed-Serie waren die Hinweise auf Abstergo und den Animus so unauffällig wie in AC: Origins. Es gibt keine Funksprüche aus der Gegenwart oder gar Risse im Zeitgefüge à la Unity. Selbst das Interface reißt einen diesmal nicht aus der dichten Ägypten-Atmosphäre heraus. Da scheint Ubisoft wohl selbst bemerkt zu haben, dass man ohne Desmond Miles keine interessante Geschichte in der Gegenwart mehr erzählen kann, und hat den Fokus komplett auf den Historienpart gelegt. Gut so, denn dort ist die Geschichte richtig fesselnd! Lediglich die Bösewichter bleiben bis auf zwei Ausnahmen blass, da man als Spieler zu wenig von den Menschen hinter den Ordensmasken erfährt. Besser gelungen sind den Autoren da schon die NPCs in den vielen, vielen Nebenquests. Schwache Charakterzeichnung: Die namentlich erwähnten Gegner und Mitglieder des Ordens der Ältesten sind einem - mit wenigen Ausnahmen - egal. Quelle: PC Games Schwache Charakterzeichnung: Die namentlich erwähnten Gegner und Mitglieder des Ordens der Ältesten sind einem - mit wenigen Ausnahmen - egal.

Aufgabenwust statt Sammelwahn (AC: Orgins-Review)

Im Test zählten wir deutlich über 50 Nebenmissionen in Assassin's Creed Origins, alle mit eigenen Charakteren, vertonten und teils sogar aufwändig im Stil der überragenden Story-Inszenierung aufgenommenen Zwischensequenzen. Egal ob ihr einen alternden Gladiator durch die Stadt begleitet, für eine Gruppe Jünglinge von verschiedensten Türmen in die wartenden Heuhaufen springt oder einen betrunkenen Ehemann vor Krokodilen rettet: Die in den Nebenquests erzählten Geschichten sind nahezu durchgehend lustig und interessant, manche stimmen gar nachdenklich.

Die im neuen Quest-Logbuch aufgelisteten und mit einer Mindeststufe versehenen Aufträge binden NPCs in einer Region oft mehrmals über eine ganze Kette von Einsätzen ein, wodurch man als Spieler sehr vertraut mit bestimmten Personen wird. Zwielichtige Schmuggler, besorgte Mütter, rabiate Umweltaktivistinnen: Die Figuren wachsen einem mit der Zeit richtig ans Herz. Das tröstet über leichte Abnutzungserscheinungen beim Gameplay hinweg.

Das alte Assassin's Creed-Problem, die fehlende spielerische Abwechslung, macht sich in Origins wieder bemerkbar, wenn auch bei weitem nicht so negativ wie in vielen Vorgängern. Dennoch sei gesagt: Im Grunde macht ihr immer das Gleiche, besonders in den Nebenquests. Wenn ihr nicht einen Tatort untersucht oder Gegner vermöbelt, rettet ihr einen Gefangenen, eskortiert einen NPC oder infiltriert eine feindliche Festung. Irgendwann geht einem diese fehlende Abwechslung auf die Nerven. Das exzellente Kampfsystem und die hohe Motivation durch die neuen RPG-Mechaniken sorgen aber dafür, dass man sich nie über Gebühr aufregt.
Optionale Wagenrennen sind nur eine von vielen Nebenbeschäftigungen - stupide Sammelgegenstände haben die Entwickler aus dem Spiel verbannt! Quelle: PC Games Optionale Wagenrennen sind nur eine von vielen Nebenbeschäftigungen - stupide Sammelgegenstände haben die Entwickler aus dem Spiel verbannt!

Zudem hat sich Ubisoft Montreal merklich Mühe gegeben, Assassin's Creed Origins von überflüssigen Sammelgegenständen und unsinnigen Aufgaben zu befreien. Nebenaktivitäten umfassen Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe (bringen Gold) sowie Puzzles, bei denen ihr Sternenbilder am Firmament ausrichtet. Dazu gibt es eine einzige Multiplayer-Mechanik: Wenn ihr mit dem Internet verbunden seid, könnt ihr den Tod anderer Spieler rächen, deren Leichen manchmal in der Spielwelt herumliegen. Dazu murkst ihr einfach den oder die Gegner ab, welche sich als zu stark für den anderen Spieler erwiesen haben. Assassin's Creed Origins hat aber keine PvP-Elemente oder ähnliche aufgesetzte Online-Features. Zum Glück!

Außerdem gibt es endlich mal keinerlei Sammel-Items, die ihr stupide und zum Selbstzweck einsammelt - alles ist mit einer Geschichte, einer Quests oder einem umgehenden Vorteil für den Charakter wie einer neuen Waffe verbunden. Das heißt aber nicht, dass AC: Origins seine Identität als Teil der Assassin's Creed-Serie verleumdet: So gibt es immer noch über 50 Aussichtspunkte und Türme, deren Besteigung jetzt nur noch zum Freischalten von Schnellreisepunkten, nicht zum Aufdecken der Weltkarte dient.

Zum Endgame schleichen

Jene Welt weist gigantische Ausmaße auf, auch wenn einige Bereiche des Alten Ägyptens szenariobedingt lediglich aus (fast) leerer Wüste besteht. Neben der optischen Abwechslung durch römisch und griechisch angehauchte Landstriche inklusive großflächigem Ackerbau sowie von Booten befahrener Seen stimmt auch das Angebot an Aktivitäten. Assassin's Creed Origins kann es in Sachen Umfang mit den größten Spielen seiner Gewichtsklasse aufnehmen: Im Test hatten wir die Hauptstory inklusive einiger Nebenquests zwar nach gut 30 Stunden durch, aber danach war noch jede Menge zu tun. Wer alles sehen will, sollte 40 bis 60 Stunden einplanen, vor allem weil das Endgame nach Level 40 äußerst komplex ausfällt.

Über 50 Aussichtspunkte und Türme stehen als Schnellreisepunkte zur Verfügung, sobald ihr sie erklommen habt. Quelle: PC Games Über 50 Aussichtspunkte und Türme stehen als Schnellreisepunkte zur Verfügung, sobald ihr sie erklommen habt. So gibt es auf der Karte Hunderte weiße Fragezeichen - wer die alle aufdecken will, ist sehr lange beschäftigt. Dahinter verbergen sich zum Beispiel Soldatenlager voller Feinde. Hier müsst ihr oft einen Schatz finden und einen Kommandanten besiegen, um den Ort abzuhaken und die Erfahrungspunkte-Belohnung einzustreichen. Dank hervorragender Schleichmechanik (Wachen durch Pfeifen anlocken, eigener Button zum Ducken) könnt ihr das komplett unbemerkt erledigen. Leichen lassen sich aufheben und verstecken, Patrouillen mit Kopfschüssen per Pfeil und Bogen lautlos ausschalten.

Das macht irre viel Spaß und nutzt sich auch nach vielen Stunden nicht ab, erst recht wenn dann noch aus Zellen befreite Zivilisten oder Rebellen mitmischen und ein herrliches Kampfchaos entsteht. Neu in Origins: Anders als in vorherigen Assassin's Creed-Teilen gibt es keine Missionen mehr, in denen der sofortige Game Over droht, wenn eure Spielfigur entdeckt wird. Das schafft ganz neue Freiheiten beim Schleichen, ihr könnt jederzeit und ohne Reue zwischen Stealth und Kampf wechseln.

Auch unter der Wasseroberfläche warten Schätze auf den erkundungsfreudigen Spieler. Quelle: PC Games Auch unter der Wasseroberfläche warten Schätze auf den erkundungsfreudigen Spieler. Wer den Schwertarm schonen und stattdessen seinen Orientierungssinn und die Denkfunktion schärfen will, der kann sich in Gräbern und bei den Papyrusrätseln austoben. Im Alten Ägypten gibt es jede Menge Grabanlagen (beachtet dazu die AC Origins-Komplettlösung mit dem Locations-Guide zu Gräbern und Steinkreisen), die ihr nach Gold und Gegenständen durchsucht. Dazu müsst ihr Hindernisparcours absolvieren und sogar kleine Umgebungs-Puzzles lösen, verschobene Kisten und ausbalancierte Aufzüge inklusive! Die Rätselgräber aus Assassin's Creed 2 und dem Nachfolger Brotherhood standen hier sichtbar Pate, allerdings ist der Anspruch dieser Denk- und Kletteraufgaben in Origins nicht mehr ganz so hoch. Da wäre mehr drin gewesen, Ubisoft! Ein schöne Ergänzung zum Kämpfen, Schleichen und Aufleveln sind die Gräber aber allemal.

Die Rätselgräber aus Assassin's Creed 2 kehren zurück, allerdings ist der alte Anspruch verloren gegangen. Quelle: PC Games Die Rätselgräber aus Assassin's Creed 2 kehren zurück, allerdings ist der alte Anspruch verloren gegangen. Dasselbe gilt für die Papyrusrätsel: An vielen Orten findet ihr Schriftrollen, deren Text auf eine bestimmte Stelle in der Spielwelt anspielt. Gänzlich ohne Questmarker oder andere Hilfsmittel müsst ihr diesen Ort finden, wollt ihr die Belohnung (ein kostenloser Ausrüstungsgegenstand) einstreichen. Weitere, teils versteckte Bonusaufgaben und sogar eine geheime Endsequenz garantieren, dass aufmerksame Spieler wochenlang Spaß mit Assassin's Creed Origins haben können. Und sie müssen dafür nicht einmal Lootboxen kaufen.

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