Assassin's Creed Origins: Die Spielwelt in der Vorschau - Antike ist nicht gleich Antike!
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Wir waren drei Monate vor dem Release von Assassin's Creed Origins zu Besuch bei Ubisoft Montreal. Dort durften wir nicht nur selbst Hand anlegen, sondern konnten mit den leitenden Entwicklern ausführlich über die Entstehung des Ägypten-Abenteuers sprechen. Im vierten Teil unserer Artikelreihe beleuchten wir die Spielwelt und das Setting im antiken Ägypten.
Nachdem in den letzten Teilen unserer Origins-Artikelreihe das Quest- und Kampfsystem sowie der Held Bayek im Fokus standen, kommen wir nun zu dem wohl wichtigsten in einem Open-World-Spiel: zu der Spielwelt. Wie die meisten schon mitbekommen haben, ist Assassin's Creed: Origins im antiken Ägypten angesiedelt. Wer aber denkt, dass wir nun im Auftrag von so berühmten Pharaonen wie Djoser oder Cheops unterwegs sind, täuscht sich gewaltig. Ubisoft Montreal hat sich für ein Szenario entschieden, das in der Zeit um 60 v. Chr. angesiedelt ist, sprich während der Herrschaft von der berühmten Königin Kleopatra. Entsprechend ist der Abstand der Ära deutlich weiter von der Epoche des Alten Reichs (ca. 2700-2200 v.Chr.) entfernt als das Meuchelmörderabenteuer von unserer heutigen Zeit - dessen sollte man sich unbedingt bewusst sein, wenn man sich nun als Medjau Bayek zum Gründer des Assassinen Ordens hochkämpft.Schließlich bedeutet der Zeitabstand, dass die Pyramiden für die Bewohner der Spielwelt seit Tausenden von Jahren im Tal von Gizeh stehen, Tutanchamun seit mehr als einer Millenniumsfeier seinen letzten Frieden gefunden hat und die Streitwagen der Ägypter schon seit Ewigkeiten keine Bedeutung für die Weltpolitik haben. Stattdessen ist das Abenteuer am Ende der Römischen Republik angesiedelt, einer für Historiker spannenden Epoche der Weltgeschichte. In dieser Zeit kämpft das erste Triumvirat aus Gaius Julius Caesar, Gnaues Pompeius Magnus und Marcus Licinius Crassus letztendlich um die Vorherrschaft im Römischen Reich, mit dem Endergebnis dass Caesar zwar seine einstmaligen Verbündeten ausschalten konnte, aber dann im Augenblick des Triumphs von Marcus Junius Brutus und seinen Umgebenen während einer Senatssitzung ermordet wurde - ein Kapitel der Weltgeschichte, den Shakespeare mit seinem berühmten Theaterstück wohl für immer und ewig unsterblich gemacht hat.
In diesem Artikel
Assassin's Creed Origins in der Vorschau: Ein Weltreich im Wandel
Doch die Innenpolitik des Römischen Reichs spielt für die Bürger Ägyptens jener Zeit eine eher untergeordnete Rolle. Das ehemalige Großreich wurde vor knapp 300 Jahren von Alexander dem Großen erobert und ist dadurch als Teil des Makedonischen Reichs griechisch geworden. Die berühmte Königin Kleopatra, mit der wir es im Spiel zu tun bekommen, gehört zum Beispiel dem Haus der Ptolemäer an, einer von dem fähigsten General Alexanders gegründeten Dynastie. Dazu spricht fast ein Fünftel der Bevölkerung jener Zeit in Ägypten auch Griechisch, vor allem die Regierenden. Das Hellenistische macht sich auch sonst überall in Ägypten bemerkbar. Ob von Griechen entworfene Siedlungen wie die Residenzstadt Alexandria, der immens wichtige Seehandel mit den griechischen Nachbarn im Mittelmeer oder Gottheiten wie Zeus und Athene: die griechische Kultur ist seit knapp 300 Jahren dabei, alte ägyptische Gepflogenheiten und Sitten zu verdrängen.
Quelle: Ubisoft
Die ehemalige Hauptstadt Memphis ist berühmt für seine großen Tempelanlagen. Die Anlage war dem Schöpfergott Ptah gewidmet, dem Hauptgott in Memphis, der zusammen mit Sachmet und Nefertem eine göttliche Triade bildete
Insgesamt ist das letzte vorchristliche Jahrhundert im Nildelta somit eine Zeit der Umbrüche. Das macht sich auch an unserem Helden bemerkbar, der das Amt eines Medjau trägt. Medjaus waren im Alten Ägypten als eine Art Polizisten bekannt, die sich um die alltäglichen Probleme wie etwa die Kriminalität kümmerten. In der Spielwelt haben ältere Menschen noch großen Respekt vor Bayek und seinen Kollegen, viele der Jüngeren hingegen interessieren sich nicht mehr alte Sitten und wissen nicht einmal, was ein Medjau genau ist. Ebenso gibt es tagtäglich kleine Streitereien zwischen Ägyptern und Griechen auf den Straßen Alexandrias, Grundsatzdiskussionen zwischen Priestern Amuns und Zeus' oder Machtkämpfe im Königshaus zwischen Traditionalisten und Hellenisten.
Assassin's Creed Origins in der Vorschau: Wunderschöne Umsetzung
Quelle: Ubisoft
Memphis war die Hauptstadt des Alten Reichs. In der Zeit um 60 v. Chr. hatte die ehemalige Residenz der Pharaoen zwar noch viele Einwohner, aber längst nicht mehr eine so große Bedeutung für die Herrscher Ägyptens.
Diese Konflikte erleben wir in Assassin's Creed: Origins in einer gigantischen Spielwelt - der bisher größten der Reihe! Wir können uns von Alexandria im Norden bis Memphis im Süden ganz nach Gusto bewegen und so etwa den Hafen der Residenzstadt begutachten, aber ebenso gut die uralten Tempelanlagen der ehemaligen Königsstadt. Dazwischen erleben wir eine abwechslungsreiche Spielwelt, die nicht nur aus Wüste besteht, sondern dank des Nils auch mit herrlich grünen Landschaften und kleinen Siedlungen aufwartet. Das Schöne: Die Entwickler haben sich - wie schon bei den Vorgängern - unheimlich viel Mühe bei der Gestaltung der Open World gegeben. So hat man alle wichtigen Monumentalbauten Ägyptens besucht, die Lichtverhältnisse der Wüste analysiert, die Auswirkungen des Hochwassers am Nildelta begutachtet und obendrein sich von einem Historiker beraten lassen (das Interview findet ihr auf der nächsten Seite).
Das Ergebnis kann sich unserer Meinung nach wirklich sehen lassen. Wir haben die hochaufgelöste Xbox-One-X-Version in Montreal anspielen dürfen und waren einfach nur baff, wie realistisch zum Beispiel die Monumentalbauten im Spiel aussehen, wie wunderschön eigentlich eintönige Wüstenlandschaften bei einem Sonnenuntergang wirken und wie akribisch genau Tempelanlangen in das Spiel umgesetzt wurden. Am Ende waren wir sogar ganz froh, dass die Entwickler sich dafür entschieden hatten, die aus den Vorgängern bekannte Minimap-Anzeige zu streichen - so hatten wir jedenfalls einfach mehr Lust zum Erkunden. Dazu bekommt die Spielwelt durch die vielen Passanten und Tiere eine Extraportion Lebendigkeit, wodurch wir uns tatsächlich wie auf einem Urlaub im antiken Ägypten fühlten. Am Ende entscheidet der Spielspaß darüber, ob aus Assassin's Creed: Origins tatsächlich ein Meisterwerk wird. Nach unserem Studiobesuch sind wir jedenfalls guter Dinge, dass das Grundgerüst aus Quest-Struktur, Kampfsystem, Held und Spielwelt auf festem Fundament gebaut sind. Nach dem Test im Oktober wissen wir dann auch, ob die Pfeiler auch gegen Wind und Wetter gewappnet sind.
