Assassin's Creed Jade: Beeindruckend mit üblem Nachgeschmack

Special Stefan Wilhelm
Assassin's Creed Jade: Beeindruckend mit üblem Nachgeschmack
Quelle: Ubisoft / Level Infinite

Ubisoft und Tencent bringen ein vollwertiges Assassin's Creed aufs Handy. Wir haben das es gespielt und berichten, warum uns das Projekt Sorgen macht.

Jade orientiert sich beim Gameplay an den modernen Rollenspiel-Ablegern der Reihe, soll heißen, Struktur und Gameplay sind identisch. Es gibt Ausrüstung zu sammeln und Skillpunkte zu verteilen, das Klettern steuert sich sehr simpel und die Gegner haben Level. Die ersten paar Feinde erledige ich mit der versteckten Klinge aus dem Gebüsch, bei offenen Gefechten kommt der vertraute Ablauf mit Ausweichen und Zuschlagen zum Einsatz. Jede Waffenklasse besitzt außerdem noch Spezialattacken mit Cooldowns.

Controllerunterstützung gibt's nicht, das Spiel wird also ausschließlich per Touchscreen gesteuert. Ein virtueller Stick bewegt die Figur, der andere Daumen steuert die Kamera, indem über die freie Fläche auf dem Bildschirm gewischt wird. Alle Aktionen werden mit On-Screen-Buttons ausgelöst, beim Klettern reicht ein einziger Knopfdruck, um die Figur an die Wand zu kleben. Größe und Position der Buttons können detailliert verändert werden, wie etwa bei Call of Duty Mobile. Das Ganze steuert sich ordentlich, die Position der Touch-Elemente ist schnell verinnerlicht.

Auch die paar Minuten, die ich in den verbleibenden Minuten meiner Session in der Open-World herumlaufen und reiten durfte, ließen nichts vom gewohnten AC-Gefühl vermissen.

Zusätzlich wird Jade einen Koop-Modus beinhalten, den ich allerdings noch nicht ausprobieren konnte - so etwas gab's in der Reihe seit Unity nicht mehr. Insgesamt: Beeindruckend, dass hier wirklich eine komplette Triple-A-Konsolenerfahrung aufs Smartphone gebracht wurde, sowohl spielerisch als auch technisch.

Der Assassine stürzt sich vor einem malerischen Panorama von einer großen Mauer. Quelle: Ubisoft / Level Infinite Allerdings steht da noch ein dickes "aber" im Raum, wie ihr euch beim Lesen der Überschrift vermutlich schon denken konntet: Jade ist ein Free2Play-Spiel, bei dem sämtliche Inhalte, allen voran die Story, kostenlos sein sollen.

Die Frage, auf welche Art(en) der Monetarisierung wir uns einstellen müssen, konnten die Entwickler mir noch nicht beantworten, weil sich das Spiel noch recht früh im Entwicklungsprozess befindet. Was nun folgt, sind also vor allem Befürchtungen.

Die spielbare Version ließ mich nämlich an einigen Stellen übles ahnen. Neben dem eingangs erwähnten Pop-up, das mich in den sogenannten Quick-Shop lotste, wirkten auch die Menüs mit ihren roten Punkten und etlichen Währungs-Icons wie Paradebeispiele für nerviges Mobile-Game-Design. Als mir der Entwickler im Gespräch ankündigte, dass Ausrüstung auch per Gacha-System, also de facto einer Slotmaschine, erworben werden kann, machte das den Eindruck nicht besser.

Wenn der einarmige Bandit in Assassin's Creed Jade nicht auch mit Echtgeld gefüttert werden kann, fresse ich einen Besen. Levelgating, also eine Mechanik, die bestimmte Orte und Missionen erst nach Erreichen einer höheren (Ausrüstungs-)Stufe zugänglich macht, will Level Infinite vermeiden.

Trotzdem offenbart der Blick auf die Weltkarte ein empfohlenes Level für mein Gebiet. Hier hat sich Ubisoft schon bei den Vollpreis-ACs nicht mit Ruhm bekleckert, denn dort wirkten die Levelanforderungen häufig wie ein billiger Versuch, Spieler zum Kauf von XP-Boostern zu bewegen. Bezahle Geld, um weniger langweiligen Content spielen zu müssen.

Ich kann mir basierend darauf sehr gut vorstellen, dass mir ein Assassin's Creed ohne Einstiegspreis noch viel aggressiver den Klingelbeutel vor die Nase hält.

Vor allem eines, das seine Ausrüstung offenbar auch per Glücksspiel verteilen will. Ich gehe also nicht davon aus, dass Assassin's Creed Jade, genauso wenig wie Diablo Immortal vorher, Mobile-Game-Kritiker überzeugen wird. Wenn der Unterbau verrottet ist, nutzt mir die Fassade obendrauf nichts, so vertraut sie auch sein mag. Und Jades Unterbau sieht jetzt schon modrig aus. Aber hey, die Hoffnung stirbt zuletzt und nur zu gerne lasse ich mich vom fair gestalteten Gegenteil überzeugen.

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