Assassin's Creed Jade gespielt: Beeindruckend mit üblem Nachgeschmack

Special Stefan Wilhelm
Assassin's Creed Jade gespielt: Beeindruckend mit üblem Nachgeschmack
Quelle: Ubisoft / Level Infinite

Mit Assassin's Creed Jade bringt Ubisoft einen richtigen Teil seiner Open-World-Reihe aufs Smartphone. Wir konnten eine frühe Version des Action-RPGs anspielen und berichten von beeindruckenden Erfahrungen und üblen Befürchtungen.

Wer Mitt 20 und somit ähnlich alt (oder eher jung) ist, wie ich, der erinnert sich vielleicht noch an die Zeit, in der ein üblicherweise ziemlich zerkratzter iPod touch zur Standardausrüstung fast jedes Mittelschülers gehörte. Apples App-Store war gerade dabei, richtig groß zu werden, iPhones für die meisten Gaming-begeisterten Jugendlichen aber viel zu teuer. Deswegen wurden diese damals noch spannenden Mobile-Games eben auf dem MP3-Player gespielt, als den man ihn den Eltern vielleicht vorstellte, um nicht noch mehr Gaming-Hardware vor ihnen rechtfertigen zu müssen.

Neben App-Store-Legenden wie Doodle Jump, Fruit Ninja und Tiny Wings machten auch viele größere Studios beim Mobile-Boom mit, und wenn nicht, dann hatte Gameloft zu jedem wichtigen Franchise einen schamlosen Klon im Angebot. Heute ist das etwas anders: Nur die ganz, ganz großen Marken bekommen authentische Smartphone-Versionen spendiert, so gut wie immer Free 2 Play und so gut wie immer voller schleimiger Echtgeldkäufe, Log-In-Boni und mehr roten Hinweispunkten, als ein durchschnittlicher Mensch in der Kaffeepause wegdrücken könnte.

Ein Spiel als solches zu kaufen und dann seine Ruhe zu haben, ist auf dem Smartphone völlig out - Square Enix und seine schweineteuren Remaster mal außen vor gelassen.

Der Assassine schwingt sich mit gezogenem Dolch über eine Mauer. Im Vordergrund steht ein ahnungsloser Wachmann. Quelle: Ubisoft / Level Infinite Was ich damit sagen will: Als Assassin's-Creed -Fan wäre ich vor zehn Jahren noch völlig aus dem Häuschen gewesen, wenn mir Ubisoft gesagt hätte, dass sie einen vollwertigen Teil der Reihe in die App-Stores bringen.

Mittlerweile weiß ich: Ja, Smartphones sind stark genug, um ein solches Open-World-Monster zu stemmen, aber die Schattenseiten des Mobile-Marktes sind leider noch deutlich stärker.

Will ich wirklich die Pracht einer AC-Welt auf dem Handy erleben, wenn ich dafür Pop-Ups wegdrücken muss, die mir sagen, ich soll bei niedriger Gesundheit doch bitte ein Heilkraut im "Quick-Shop" kaufen?

So geschehen bei meiner Anspielsession zu Assassin's Creed Jade, dem ersten "echten" Mobile-AC von Ubisoft und Level Infinite (Tencent). Jade spielt im alten China vor nicht ganz 2.000 Jahren, zur Zeit der Qin-Dynastie, des ersten chinesischen Kaiserreichs.

Die Terrakotta-Armee, zeitgenössische Architektur und Kleidung und natürlich eine große Mauer (wenn auch noch nicht die Chinesische Mauer): Der Ottonormalspieler bekommt das authentische Setting, das er bei einem Assassin's Creed erwartet.

Dank der verwendeten Unreal Engine machte das Spiel auf dem Testgerät, einem Samsung Galaxy S23, ordentlich was her. Das alte China ist detailliert gestaltet und stimmungsvoll beleuchtet, die Charaktermodelle sind schick, die Vegetation dicht.

Weil ich furchtbar schlecht darin bin, mir die Namen chinesischer Generäle zu merken, und ich das Intro in einer lauten Messebude ohne Ton erlebt habe, erspare ich euch hier den Versuch, die Story-Prämisse zu erklären.

Bildergalerie

Die schmucklosen Standbild-Cutscenes wirkten aber ohnehin prädestiniert dafür, bei einer kurzen Session im Bus einfach weggedrückt zu werden. Man schlüpft jedenfalls in die Rolle von Xia, einem Assassinen oder einer Assassine, dessen oder deren Visage erstmals in der Seriengeschichte per Charaktereditor verändert werden darf. Danach will auch direkt der erste Außenposten von Gegnern befreit werden.

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