Der clevere Trick von ARC Raiders

Kolumne Carlo Siebenhüner
Der clevere Trick von ARC Raiders
Quelle: PC Games

Auf dieser Seite schauen wir uns den cleveren Trick von ARC Raiders an und wie das Spiel insgesamt eine enorme Sogwirkung entwickelt.

Wenn ich höre, dass in der Nähe ein anderer Raider unterwegs ist, verhalte ich mich erst einmal ruhig. Entweder bleibe ich unauffällig oder ich mache mich bewusst bemerkbar und signalisiere, dass ich nichts Böses im Schilde führe. Letzteres kann natürlich auch gefährlich werden, wenn mein Gegenüber nicht so freundlich ist.

Natürlich habe ich online auch viel über Spieler gelesen, die an Ausgängen campen und dort andere gnadenlos abfarmen. Oder über solche, die zunächst freundlich wirken und einem dann doch in den Rücken schießen. Das ist mies, keine Frage. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen: Wer sich darüber beschwert, ständig von anderen Spielern umgenietet zu werden, enttarnt sich dabei auch ein Stück weit selbst.

Ein Raider taucht aus einer dunklen Ecke auf. Quelle: Embark Studios Wer einen anderen Raider hört, sollte sich überlegen, wie man reagiert. Eventuell könnte es das Letzte sein, was man tut. ARC Raiders hat nämlich einen ziemlich cleveren Trick auf Lager: Aggression-based Matchmaking.

Wer besonders aggressiv spielt und häufig andere Raider abschießt, landet anschließend bevorzugt in Runden mit ähnlich aggressiven Spielern. Und umgekehrt eben genauso. Eine simple Idee, die erstaunlich gut funktioniert.

Bei mir hat das dazu geführt, dass ich inzwischen größtenteils auf freundliche Spieler treffe, wenn ich solo unterwegs bin. Und sorry, aber wenn sich Leute beschweren, dass sie nur noch in Lobbys landen, in denen permanentes PvP-Schwitzen angesagt ist, dann sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst auch keine Engel.

Ganz perfekt ist das System allerdings noch nicht. Es gibt durchaus Berichte von Spielern, die sich lediglich gegen einen aggressiven Gegner verteidigt haben und danach trotzdem in die entsprechenden Aggro-Lobbys gerutscht sind. Ich will hier also keineswegs alle Kritiker über einen Kamm scheren.

ARC Raiders bleibt fair

Zumal das Risiko dadurch ja auch nicht komplett eliminiert wird. PvP ist weiterhin jederzeit möglich, und auch ein zunächst freundlicher Spieler kann sich spontan dazu entscheiden, doch die Waffen sprechen zu lassen. Die Spannung bleibt also erhalten - das Risikoniveau wird lediglich auf ein für den jeweiligen Spielstil verträglicheres Level abgesenkt oder angehoben. Die Entwickler machen damit klar: Soziales Verhalten hat Konsequenzen.

Und das funktioniert übrigens auch in die andere Richtung. Wenn ich in eher feindseligen Lobbys unterwegs bin, ist ein plötzlich freundlicher Spieler fast schon eine wohltuende Abwechslung.

Spieler schießt auf ARC-Roboter Quelle: Embark Studios/Steam Ein Spieler schießt auf einen der größeren ARC-Roboter. Ohne gute Ausrüstung kommt man da aber nicht weit. Gleichzeitig gibt es aber noch genug andere Risikofaktoren, die ein Match brenzlig machen können. Gerade solo sind die KI-Gegner nicht zu unterschätzen. Wie oft ich schon geflucht habe, weil wieder ein fliegender Rocketeer am Ausgangspunkt patrouilliert hat, kann ich gar nicht mehr zählen. Trotzdem fühlt sich das Risiko für mich selten unfair oder übermäßig frustrierend an.

Klar, wenn man es einmal nicht erfolgreich aus einer Runde schafft, ist das ärgerlich. Im Zweifel ist schließlich ein gutes Ausrüstungsset weg. Allerdings kann man sich in ARC Raiders vergleichsweise schnell wieder hochspielen.

Mit dem Gratis-Loadout darf man mit zufälliger Ausrüstung ins Match starten und bekommt so zumindest wieder ein Schild, etwas Munition und mit ein bisschen Glück sogar eine Starterwaffe, die einem liegt. Das ist mehr als fair.

Nur noch eine Runde...

Mit seiner Story, den entstehenden Geschichten in den Matches und der ständigen Karotte in Form der Projekte und Aufträge vor der Nase schafft ARC Raiders für mich etwas, das nur wenige Spiele hinbekommen: diesen gefährlichen "Nur noch eine Runde"-Sog.

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Wenn ich gerade an einem Auftrag sitze, mich an einer der Ranglistenaufgaben versuche oder gezielt Ressourcen für meine Projekte sammle, verfliegt die Zeit einfach. Plötzlich ist es zwei Uhr nachts, obwohl man eigentlich schon vor drei Stunden ins Bett wollte. Und trotzdem fühlt es sich richtig gut an. Multiplayer-Shooter lösen dieses Gefühl bei mir wirklich nur sehr, sehr selten aus.

Dass ich damit offenbar nicht allein bin, zeigen auch die Spielerzahlen. Nach dem anfänglichen Hype konnten sich diese auf Steam dauerhaft bei richtig starken rund 300.000 gleichzeitigen Spielern pro Tag einpendeln. Das ist alles andere als selbstverständlich. Normalerweise gibt es nach einem Release immer einen deutlichen Einbruch. Den gab es hier zwar auch - aber bei ARC Raiders folgte danach etwas Ungewöhnliches.

Im Gegensatz zu Battlefield und Call of Duty sind die Spielerzahlen über Weihnachten sogar wieder deutlich angestiegen und haben fast ihr Allzeithoch erreicht. Und selbst jetzt, wo der Alltag wieder eingesetzt hat, halten sie sich weiterhin stabil bei über 300.000 gleichzeitigen Spielern im Tageshoch. Mittlerweile konnte man sogar 12 Millionen verkaufte Spiele insgesamt verkünden.

Am Ende spricht das vor allem für die Qualität, die die Entwickler hier abgeliefert haben. In meiner persönlichen Gunst hat sich ARC Raiders über die Feiertage vom Geheimtipp zum echten Meisterstück hochgearbeitet. Ich hoffe sehr, dass das Entwicklerteam dieses Niveau auch in Zukunft halten kann. So, und jetzt entschuldigt mich bitte - der Rust Belt ruft. Ich brauche noch eine Kaffeekanne und ein paar alte PC-Lüfter.

  1. Seite 1 ARC Raiders statt Battlefield 6: Mein überraschender Shooter-Favorit
  2. Seite 2 Großartige Geschichten in ARC Raiders
  3. Seite 3 Aggression Based Matchmaking & die enorme Sogwirkung
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