Anthem: Klassenkampf im Weltall - so gut wird das Science-Fiction-Abenteuer

Special Lukas Schmid
Anthem: Klassenkampf im Weltall - so gut wird das Science-Fiction-Abenteuer
Quelle: EA

Anthem in der Hands-on-Vorschau: Singen wir Lobeshymnen oder beklagen wir, dass sich Bioware im Ton vergriffen hat? Wir konnten Anthem mehrere Stunden lang ausführlich anspielen und gehen in unserer großen Vorschau der Frage auf den Grund, ob die Macher von Mass Effect, Dragon Age und Co. auch mit ihrem kooperativen Action-Abenteuer wieder zu überzeugen wissen. Inklusive Preview-Video!

Was genau ist die Anthem (jetzt kaufen )? Diese Frage können wir auch nach mehreren Stunden, die wir in der Welt des gleichnamigen Spiels verbringen durften, noch nicht beantworten.

Es ist eine unbändige Kraft aus uralten Zeiten, deren Ursprung und deren Bedeutung niemand in der futuristischen Realität des Abenteuers so recht kennt. In einer Welt, die unserer ähnelt, aber ihr doch nicht gleicht - über den genauen Handlungsort des Spiels schweigen sich die Entwickler aus -, sorgt die Anthem regelmäßig durch gewaltige Stürme und offenbar von ihr herbeigerufene Monster für Chaos und Zerstörung. Die Menschen haben sich in abgesicherte Städte zurückgezogen, so etwa Fort Tarsis, wo wir in Gestalt unseres selbst erstellten Recken ebenfalls residieren. DIe Gestaltung der Spielwelt ist toll gelungen, vor allem aufgrund ihrer ausgeprägten Vertikalität. Quelle: PC Games DIe Gestaltung der Spielwelt ist toll gelungen, vor allem aufgrund ihrer ausgeprägten Vertikalität. Mittels mächtiger Spezialanzüge, sogenannter Javelins, machen sich die besten Kämpfer auf, um dem Treiben der Anthem zumindest ein wenig Einhalt zu gebieten. So viel zur Prämisse von Anthem, die sich gut eingliedert in das Portfolio, welches man von Rollenspiel-Experte Bioware gewohnt ist. Allerdings: Der Schein trügt. Mit den entscheidungsträchtigen RPG-Monstern der Vergangenheit hat das Abenteuer wenig zu tun. Stattdessen handelt es sich um ein Actionspiel mit offener Welt, nur geringen Rollenspiel-Elementen, jeder Menge Loot fürs Javelin-Crafting und einem deutlichen Fokus auf Koop-Gameplay für bis zu vier Teilnehmer. Und obwohl die Handlung definitiv ambitionierter ist als etwa jene eines Destiny 2, ist klar: Auch hier steckt weniger Bioware-DNA drin, als man gewohnt ist. Das Spiel ist darauf ausgelegt, über Jahre hinweg mit neuen Inhalten versorgt zu werden, sodass fraglich ist, ob im Rahmen dieser Struktur eine abgeschlossene respektive stringente Narration überhaupt möglich ist.

Beziehungen mit NPCs sind Vergangenheit, Entscheidungen beschränken sich auf simple Dialogoptionen mit Figuren in Fort Tarsis und bringen keine relevanten Auswirkungen mit sich. Das mag enttäuschend sein für alteingesessene Bioware-Fans und man mag sich darüber streiten, ob die Entwickler und Publisher EA klar genug vermittelt haben, dass das hier eben kein klassisches Bioware-Spiel ist. Findet man sich damit ab, so wird aber schnell klar: Das, was die Macher von Mass Effect und Dragon Age hier abliefern, hat Potenzial.

Welt klasse

Alle vier Klassen spielen sich sehr unterschiedlich. Der Colossus etwa geht mit einem ausfahrbaren Schild vor. Quelle: PC Games Alle vier Klassen spielen sich sehr unterschiedlich. Der Colossus etwa geht mit einem ausfahrbaren Schild vor. Auch wenn uns im Interview mit den zwei Lead Producern (das Interview lest ihr auf der letzten Seite dieser Vorschau) versichert wurde, dass es keine direkte spielerische Interpretation nicht gab, ist klar: Bioware will mit Anthem am Koop-Kuchen von Titeln wie Destiny 2 oder Tom Clancy's The Division mitnaschen. Zwar gibt man sich trotz der genannten Einschränkungen eindeutig mehr Mühe im Story-Segment als bei der Konkurrenz. Kollegiales Looten und Erforschen steht aber im Mittelpunkt. Hierfür haben die Entwickler eine Spielwelt geschaffen, die sich wirklich sehen lassen kann. Die große, aber nicht riesige Map ist gespickt mit interessanten und thematisch abwechslungsreichen Lokalitäten, tollen Anblicken und bietet so viele Möglichkeiten, interessante Events und Geheimnisse zu verstecken, dass man hier auch nach langer Zeit noch nicht alles entdeckt hat. Riesige Berge wechseln sich ab mit bewachsenen Urwäldern, glänzenden Seen, verfallenen Ruinen und mehr - zu Lande, zu Wasser und in der Luft frei erforschbar.

Die Welt wirkt, so seltsam sich das bei einer Science-Fiction-Umgebung anhören mag, wie ein realer Ort. Uralte Bauten vergangener Zivilisationen erzählen eine Geschichte, die einem nicht auf dem Silberteller präsentiert wird, die man sich aber durch das Beobachten der Umgebung selbst zusammenreimen oder zumindest eine Interpretation finden kann. Die wirklich hübsche Grafik (wir spielten die PC-Fassung) kann sich ebenfall sehen lassen und glänzt mit schönen Texturen, beeindruckenden Effekten und einem flüssigen Bildaufbau. Lediglich relativ häufiges Screentearing und unschöne Bugs störten beim Spielen das Gesamtbild.

Verschiedene Waffentypen sorgen für Abwechslung und können von jeder Figurenklasse genutzt werden. Quelle: PC Games Verschiedene Waffentypen sorgen für Abwechslung und können von jeder Figurenklasse genutzt werden. Wie viel davon auch in der Releasefassung noch ein Problem sein wird, wird sich zeigen. Denn auch mehrere Spielabbrüche und nicht ausgelöste Missions-Events prägten in dieser noch nicht finalen Fassung das Bild und dürfen zum Release Mitte Februar wohl (hoffentlich) keine Rolle mehr spielen. Abseits dieser Makel kann sich das Spiel technisch und in Sachen Weltgestaltung - mehrere EA-Studios standen Bioware hier helfend zur Seite - auf alle Fälle sehen lassen und zeigt, dass nicht alleine die Größe einer Map wichtig ist, sondern auch, wie viel Mühe in sie hineingeflossen ist.

Hin zum und fort vom Fort

Die effektreichen Gefechte sehen oft toll aus, in all den Farben geht aber ab und an die Übersicht flöten. Quelle: PC Games Die effektreichen Gefechte sehen oft toll aus, in all den Farben geht aber ab und an die Übersicht flöten. Weniger beeindruckend ist zumindest im aktuellen Zustand Fort Tarsis. Um eine Social Hub handelt es sich dabei nicht - eine Möglichkeit, sich mit anderen Spielern abseits der offenen Welt und von Missionen zu treffen und auszutauschen, wurde angeteasert, aber noch nicht spezifiziert. Fort Tarsis zumindest gehört alleine uns und diversen NPCs. Hier nehmen wir Aufgaben an, treiben die Geschichte in Cutscenes voran, basteln an unserem Javelin herum und mehr. Alles gut und schön, aber im Grunde handelt es sich dabei eben um nicht um mehr als ein hübsch gemachtes interaktives Menü. Weitere Gebiete des Forts werden erst im späteren Spielverlauf freigeschaltet; ob sich dort etwas Interessanteres verbirgt, wird sich zeigen.

Klassenkampf

Die verschiedenen Gebiete im der Spielwelt unterscheiden sich stark. Das Erforschen mit dem Javelin macht jede Menge Laune. Quelle: PC Games Die verschiedenen Gebiete im der Spielwelt unterscheiden sich stark. Das Erforschen mit dem Javelin macht jede Menge Laune. Schon jetzt deutlich interessanter und unabdingbar für die Erforschung der Welt sind die erwähnten Javelins. Was die reine Fortbewegung angeht, so funktioniert sie bei allen vier verfügbaren Klassen identisch. Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass einer unserer Kollegen in einem schwereren Kampfanzug zurückbleibt. Und die Steuerung ist wirklich klasse gelungen! Am Boden erwartet uns eine relativ klassische Third-Person-Action-Steuerung. Jederzeit jedoch können wir die Düsen an unserem Anzug starten und in die Lüfte steigen. Dadurch gewinnt das Erforschen der Welt noch einmal enorm an Reiz, zumal eben auch Wasser kein Hindernis für uns darstellt. Diese ausgeprägte Vertikalität in der Erkundung ist beeindruckend.

Strongholds setzen Viererteams voraus und warten mit besonders knackigen Herausforderungen und Bosskämpfen auf. Quelle: PC Games Strongholds setzen Viererteams voraus und warten mit besonders knackigen Herausforderungen und Bosskämpfen auf. Geregelt wird die Zeit, die wir in der Luft verbringen können, über eine Überhitzungsanzeige. Befinden wir uns im Steigflug, steigt sie an, im Sinkflug und bei Wasserkontakt geht sie wieder runter - simpel, aber gut umgesetzt. Die Unterschiede zwischen den vier verschiedenen Klassen beziehen sich hingegen auf unsere Fähigkeiten in Auseinandersetzungen und bezüglich bestimmter Elemente wie Dashes oder der Länge von Abkühlzeiten. Der Ranger ist der Allrounder im Quartett, er verfügt über ausgeglichene Angriffs- und Verteidigungswerte. Der Colossus ist der Tank, er teilt massig aus, kann aber nicht allzu viel Schaden einstecken. Der Storm-Javelin ist quasi der Magier, der als Support im Hintergrund seine Dienste leistet. Und der Interceptor zu guter Letzt ist der agilste Javelin, der entsprechend aber in Sachen Kampfkraft zurückstecken muss. Wir probierten beim Anspielen den Ranger und den Colossus aus und waren überrascht, welche deutlichen Unterschiede es zwischen den beiden Klassen gibt.

  1. Seite 1 Anthem in der Vorschau, Seite 1 - Weltdesign, Technik, Javelins und mehr
  2. Seite 2 Anthem in der Vorschau, Seite 2 - Loot und Crafting, Koop-Gameplay, Schwachstellen und mehr
  3. Seite 3 Lead Producers Ben Irving und Thomas Singleton im PC-Games-Interview
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