Hey Anno 117, das MUSS noch besser werden! Diese Dinge passen derzeit noch nicht
Kolumne
Wo das Grundspiel von Anno 117 schon sehr solide daherkommt, steckt der Teufel im Detail. In seiner Kolumne klärt Carlo Siebenhüner, was noch nicht passt.
Zumindest beim ersten Punkt wurde ich auch nicht enttäuscht. Anno 117 machte in der Preview-Version schon einen sehr runden und vertrauten Eindruck. Der war fast schon ein bisschen zu vertraut.
Anno 1800 in Rom
Wer Anno 1800 gespielt hat, der kommt nämlich sofort zurecht. Das Interface ist leicht angepasst, aber vertraut. Der Aufbau ist dem aus 1800 sehr ähnlich. Klassische Kontrollmechaniken wie das Rechtsklick-Menü sind genau da, wo sie sein sollen. Komfortmechaniken wie das Verschieben von ganzen Häuserblöcken sind natürlich ebenfalls mit am Start. Das Arbeitskräfte-System ist wieder mit dabei. Sogar manche Betriebe funktionieren genauso. Die Schaffarm mit ihren Gattern kann man etwa exakt so bauen, wie in Anno 1800.
Quelle: PC Games
Das ging so weit, dass ich am Ende meiner Spiel-Session schon den starken Eindruck hatte, dass ich hier gerade Anno 1800 gespielt habe, nur halt mit einem römischen Anstrich. Versteht mich aber nicht falsch! Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Anno 1800 ist ein hervorragendes Spiel und dass 117 die Traditionen weiterträgt, ist lobenswert.
Mein Problem war eher, dass ich die Neuerungen, die es dann doch gibt, eher enttäuschend oder sogar aufgesetzt finde.
Das Straßensystem von Anno 117 im Detail
Allen voran ist da das für Anno-Verhältnisse fast schon revolutionäre Aufbrechen des starren Grid-Musters in ein etwas feineres Grid-Muster. Die größte neue Innovation dadurch ist der 45°-Winkel. Anstatt wie früher kann man in Anno 117 seine Straßen nun also nicht mehr nur in starren 90°-Winkeln bauen, sondern auch im schrägen 45°-Winkel.
Das Straßensystem wurde dabei so umgebaut, dass sich automatisch natürlichere Rundungen ergeben. Obendrauf kann man Gebäude jetzt ebenfalls in 45°-Schritten drehen. Für Anno-Spieler ist das natürlich unerhört! Nach 27 Jahren im rechten Winkel hört sich das nach einer wahnsinnigen Freiheit an.
Das Problem ist nur, ich finde das ganze System leider nicht bis zu Ende gedacht. Das ist mir beim Spielen dann auch recht schnell aufgefallen. Das größte Manko am schrägen Bauen ist, dass es einfach zu viel Platz kostet, weil viele Gebäude darauf nicht angepasst sind.
Quelle: pcgames
Bei Feldern ist es noch gut gelöst. Deren Haupthäuser haben zwar eine feste Form, die Felder können jetzt aber auch dreieckig sein. Damit kann man also die kleinen Ecken ausfüllen.
Die Probleme des Straßensystems
Schaut man aber in die Städte, wird das ganze System leider ziemlich unbrauchbar. Wie schon bei der Farm gilt: Häuser haben feste, rechteckige Formen. Die kann man zwar jetzt um 45° drehen, aber wenn man sie mit Straßen umschließen möchte, dann verlaufen die wieder im rechten Winkel um die Häuser herum. Die Straßenanbindung ist auch weiterhin ein Muss, damit die Häuser an den Bedürfniskreislauf angeschlossen sind.
Man kann Straßen jetzt zwar auch über die Ecke an den Häusern entlangführen und sie anbinden, aber auch das hinterlässt eben hässliche Lücken. Bevor jetzt jemand wütend in die Tasten haut: Mir ist bewusst, dass ich es hier in diesen Aufnahmen wirklich auf die Spitze getrieben habe. Ich wollte aber eben schauen, wie dynamisch das System ist. Die Antwort ist: nicht wirklich. Im Gegenteil ist es sogar weiterhin ziemlich starr. Überall bleiben hässliche Lücken beim schrägen Bauen.
Quelle: pcgames
Die Entwickler sind sich diesem Punkt sogar völlig bewusst. Auf ihrem Blog schreiben sie ganz offen, dass schräges Bauen mehr Platz kostet. Sie stellen es nur als Option für Schönbauer hin und wenn man nicht will, kann man es auch abschalten.
Es tut mir leid, aber das finde ich zu einfach gedacht.
Damit bestraft man meiner Meinung nach die Schönbauer sogar. Da hält man ihnen erst die Möglichkeit der weicheren Kurven und des natürlicheren Stadtbilds unter die Nase, nur um ihnen dann die Platzverschwendung um die Ohren zu knallen. Ich würde mich zum Beispiel auch als gemächlichen Schönbauer bezeichnen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht trotzdem versuche, effizient zu bauen.