Anger Foot im Test: Wie John Wick im Drogenrausch - laut, schnell und völlig irre!

Test Felix Schütz
Anger Foot im Test: Wie John Wick im Drogenrausch - laut, schnell und völlig irre!
Quelle: Devolver Digital

Dröhnende Beats, schlechte Gags und irres Tempo: Anger Foot ist ein bemerkenswerter Shooter. Ob er auch Spaß macht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Stellt euch vor, ihr schmeißt John Wick und Hotline Miami in einen Farbtopf. Gießt dann noch zwei, drei Liter Energy Drinks dazu. Eine Riesenladung Toilettenhumor obendrauf, ohrenbetäubende Beats und zum Abschluss versucht ihr noch, ein altes Garagentor mit dem Kopf einzurennen. So ungefähr fühlt es sich an, mehrere Stunden am Stück Anger Foot zu spielen.

Oder anders ausgedrückt: Um damit Spaß zu haben, muss man schon in der richtigen Stimmung sein. Nach den ersten Minuten mit Anger Foot fluchte ich sogar leise in mich rein: Warum zum Teufel hatte ich mich für diesen Test gemeldet?

Doch irgendwann machte es Klick, oder besser gesagt: Kick. Denn in Anger Foot ist der Name Programm. Und ja: Es kann richtig Spaß machen, wenn man sich drauf einlässt!

Willkommen in Scheißhausen!

So schräg Anger Foot auch sein mag, muss man ihm doch eines hoch anrechnen: Es gibt wirklich niemals vor, etwas anderes zu sein als komplett hohler, überdrehter Actionwahnsinn.

Das Spiel entführt euch ins idyllische Scheißhausen, zu Englisch: Shit City. Ein ätzender Ort, in dem praktisch jeder Einwohner Teil einer Verbrecherbande ist. Dort schlüpft ihr in die giftgrüne Haut von irgendeinem Typen, dem gleich zu Beginn seine wertvollsten Sneaker geklaut werden. Euer Job ist also klar: Ihr müsst euch durch 60 Levels kämpfen und die vier Edeltreter zurückerobern.

Rennen, treten, schießen: Darum geht's in Anger Foot. Quelle: Devolver Digital Und damit wäre das Wichtigste zur Story auch schon gesagt, was uns im Fall von Anger Foot aber eigentlich ganz recht ist. Ab und zu ist man zwar noch in kurzen Abschnitten unterwegs, in denen man auch mal mit NPCs reden kann, doch bei dem irren Setting und den schwachen Gags kann man auch gut drauf verzichten. Steckt da vielleicht clevere Satire drin? Oder ist Anger Foot einfach nur ausgemachter Blödsinn? Es bleibt keine Zeit, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, denn das Gameplay tritt von Anfang an aufs Gas.

John Kick auf Speed

Der Spielablauf ist in praktisch jedem Level gleich: Ihr lauft ein paar Schritte, tretet eine Tür ein. Im Raum dahinter spawnen Gegner, die sofort zum Angriff blasen. Ob man sie besiegt oder einfach an ihnen vorbeirennt, spielt keine Rolle. Hauptsache, man schafft es irgendwie bis zur nächsten Tür, zum nächsten Raum, zur nächsten Herausforderung! Dabei hämmern pausenlos, wirklich pausenlos aggressive Beats aus den Lautsprechern, die immer dann aufdrehen, sobald die Gegner anrücken. Das ist stimmungsvoll und sogar spielerisch nützlich, doch ob das eure Nerven auf Dauer aushalten, steht natürlich auf einem anderen Blatt. (Schon allein deshalb spielt sich Anger Foot am besten in kurzen Häppchen!)

Das Figurendesign ist gewöhnungsbedürftig. Quelle: Devolver Digital Und so setzt sich das Spielchen fort, bis man das Levelende erreicht. Das gelingt oft übrigens schneller als man denkt: Normalspieler werden vielleicht nur drei bis vier Minuten bis zum Ausgang brauchen, doch wer es darauf anlegt und clever spielt, kann manche Levels auch schon in 40 Sekunden knacken. Für frustresistente Speedrunner, die ständig neue Bestzeiten aufstellen wollen, ist Anger Foot also ein gefundenes Fressen.

Eintritt, Arschtritt, der Fuß regelt

Euer wichtigstes Werkzeug ist - wer hätte es gedacht - euer Fuß. Mit dem kickt ihr einfach alles kurz und klein, Gegner, Inneneinrichtung, ganz egal. Hauptsache, es geht kaputt! Die Treterei schaut dank der sauberen Physik-Effekte nicht nur ziemlich irre aus, sie spielt sich auch erstaunlich gut. Die Steuerung ist nämlich sehr verzeihend, so dass man selbst im ärgsten Stress nicht genau zielen braucht.

Die meisten Gegner vertragen nur einen Treffer. Quelle: Devolver Digital Das gilt auch für die Schusswaffen, die viele Gegner zurücklassen. Euer Held hebt sie automatisch auf, dann dürft ihr das Magazin kurz leerballern und die Wumme anschließend einfach wegwerfen. Munition aufsammeln oder Nachladen gibt's nämlich nicht, das hätte wohl auch nur den Spielfluss unterbrochen. Die Waffenauswahl ist dafür ganz ordentlich, es gibt zum Beispiel Uzis, Granatwerfer, Shotguns, Armbrüste, Pistolen und so weiter, sogar einen Pümpel mit einer praktischen Kette dürft ihr hin und wieder benutzen. Zwar fühlen sich die Waffen eher an wie Plastikspielzeuge, doch das passt eigentlich ganz gut zum übrigen Design. Außerdem sorgen sie für Abwechslung und werten die Action auf - und das ist doch die Hauptsache.

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