Ancestors: Das Urzeit-Survival-Abenteuer im Test

Test Felix Schütz
Ancestors: Das Urzeit-Survival-Abenteuer im Test
Quelle: PC Games

Acht Millionen Jahre Menschheitsgeschichte, verpackt in ein riesiges Survival-Abenteuer, in dem wir einen Affenstamm auf seinem Weg zum Urmenschen begleiten - was für eine großartige Idee! Doch dem Action-Adventure, an dem auch der Game Director von Assassin's Creed beteiligt war, geht im Test viel zu schnell die Puste aus: Ancestors steckt voller Ambitionen, spielt sich aber über weite Strecken mühsam und erschreckend eintönig.

Und warum der ganze Paarungsstress? Weil wir die kostbaren Erfahrungspunkte, die man nur durch die Babys erhält, zwingend für die Entwicklung unseres Stammes brauchen! Erfahrung kommt in Form von Neuronenenergie zum Einsatz, die wir in einer Art Talentbaum verprassen. Hier schalten wir mit der Zeit Aberdutzende verzweigte Upgrades frei: schnelleres Klettern, aufrechter Gang, verbesserte Verdauung, geschärfte Sinne, effektiveres Kämpfen, rudimentäre Kommunikation und vieles mehr. Einige Upgrades erscheinen für sich genommen erst mal mickrig, doch in der Summe wirken sie sich deutlich auf das Spielgefühl aus - und das motiviert!
In einer Art Talentbaum entwickeln wir unseren Primatenstamm Schritt für Schritt weiter. Das motiviert und hat spürbare Auswirkungen.  Quelle: PC Games In einer Art Talentbaum entwickeln wir unseren Primatenstamm Schritt für Schritt weiter. Das motiviert und hat spürbare Auswirkungen. 

Nach einer Weile empfiehlt es sich außerdem, eine Generation zu überspringen, dabei sterben die Alten und die Kleinen rücken nach. Dadurch werden in den Nachkommen zufällige Mutationen freigeschaltet, die den Forschungsbaum erweitern und unseren Stamm im Laufe der Zeit noch geschickter und anpassungsfähiger machen. Das sorgt zwar für ein befriedigendes Fortschrittsgefühl, hat allerdings auch den unschönen Nebeneffekt, dass uns kein einziger unserer Primaten jemals richtig ans Herz wächst - schließlich wechselt man sie ohnehin ständig durch.

Ancestors im Test: Gemeinsam sind wir stark

Auch wenn wir kein Wort von dem Gebrüll verstehen, das unsere Äffchen von sich geben, spielt Kommunikation eine wichtige Rolle. Mit etwas Übung und Geduld können wir unserem Stamm nämlich rudimentäre Kommandos beibringen, sodass sich die Affen beispielsweise selbst bewaffnen oder bei Angriffen automatisch verteidigen. Sind wir erst mal so gewappnet, können wir unsere Familie hinaus in die Wildnis führen, um neue Siedlungsplätze auszumachen, wo wir uns niederlassen, um zu rasten und die stockfinsteren Nächte zu überdauern, in denen man kaum die Hand vor Augen sieht. Beim Fami­lienausflug ist allerdings etwas Vorsicht angesagt: Die Wegfindungs-KI kommt nämlich nicht gut damit zurecht, wenn man allzu komplizierte Routen wählt, schlimmstenfalls laufen die Affen dann weite Umwege und marschieren schnurstracks ins nächstbeste Schlangennest. Also habt immer ein Auge auf eure Leute und reist am besten gleich bei Sonnenaufgang los, damit ihr eure nächste Raststätte noch vor Einbruch der Dunkelheit erreicht!
Haben wir unseren Stamm weit genug entwickelt, lassen wir die stimmungsvollen Dschungelgebiete hinter uns.  Quelle: PC Games Haben wir unseren Stamm weit genug entwickelt, lassen wir die stimmungsvollen Dschungelgebiete hinter uns.  Nett: Eine Minimap oder Übersichtskarte gibt es nicht, ihr müsst euch anhand von Sehenswürdigkeiten (werden per Icon markiert) und der Levelgeometrie orientieren. Das wirkt anfangs fast unmöglich, klappt aber nach ein paar Stunden besser, als man denkt - wie so vieles in Ancestors.

Bildergalerie

Während wir tiefer in die offene Spielwelt vorstoßen, müssen wir auch gelegentlich Minispiele meistern, in denen unser Affe seine Angst vor dem Unbekannten überwinden soll. Das wirkt anfangs einschüchternd, obwohl der Prozess im Grunde furchtbar banal ist. Vermeiden lässt sich das Ganze auch nicht, denn um das Erkunden kommen wir schlichtweg nicht herum: Nur wer neue Orte entdeckt, neuen Tieren begegnet und neue Pflanzen anknabbert, kann mit der Zeit noch Erfahrungen sammeln, die uns bei der Stammesentwicklung weiterbringen.

Ancestors im Test: Stimmungsvolles Afrika

Keine Sorge, dem Nilfperd geht's gut. Quelle: PC Games Keine Sorge, dem Nilfperd geht's gut. Bei unseren Streifzügen bekommen wir auch stetig neue Facetten der prachtvollen Open World zu sehen: Das urzeitliche Afrika besteht nicht nur aus dichten Dschungeln und Wäldern, ihr seid auch in stimmungsvollen Sümpfen, Höhlen, Oasen und Savannen unterwegs. Natur pur! Alle Biome gehen fließend ineinander über und sorgen zusammen mit den hübschen Tag-und-Nacht-Wechseln für eine tolle Atmosphäre, die von einer starken Klangkulisse und unaufdringlicher Musik untermalt wird. Da verzeihen wir auch gern die angestaubte Technik, die sich vor allem bei den durchschnittlichen Texturen und Animationen bemerkbar macht, die hier und da etwas hölzern ausfallen.

Ancestors im Test: Sprünge durch die Geschichte

Egal ob wir zum fünften Mal Kräuter mit einem Stein zermalen, ein Nilpferd einschüchtern oder eine Wunde versorgen: Die allermeisten Aktionen und Erfolge werden im Spiel fein säuberlich dokumentiert. Denn sie alle wirken sich auf unseren Gesamtfortschritt aus, den man sich in einem Evolutionsmenü samt Zeitstrahl ansehen kann. Hier dürfen wir auch einen größeren Zeitsprung auslösen, dann erhalten wir für alle Errungenschaften kostbare Jahre gutgeschrieben, die uns in der Weltgeschichte voranschreiten lassen. Nach ein paar Millionen Jahren verwandelt sich unsere Primaten­spezies dann sogar in neue Formen des Frühmenschen, was nicht nur ihr Äußeres leicht verändert, sondern auch neue Entwicklungen im Forschungsbaum ermöglicht.
Nach so einem riesigen Zeitsprung kehren wir zu unserem alten Stamm zurück - diesmal allerdings an einem völlig anderen Ort in der Spielwelt, den wir zufällig aufgedeckt haben. Dreimal verfrachtete uns Ancestors sogar in unser Startgebiet zurück, was für ein Spiel, in dem es um langwieriges Erkunden und Entdecken geht, einem Witz gleichkommt. Es ist nur eine von vielen Macken, die dafür sorgen, dass der mühsam erkämpfte Spielfluss immer wieder zum Erliegen kommt.

Im Spielverlauf entwickelt sich unsere Spezies mehrfach weiter. Quelle: PC Games Im Spielverlauf entwickelt sich unsere Spezies mehrfach weiter. Zumal es einem der Alltag wirklich nicht leicht macht: Egal ob man eine Generation oder gleich ein paar Jahrtausende überspringt, es warten danach stets die gleichen ermüdenden Aufgaben. Schlafen, essen, bumsen, basteln - so verbringt man viele, viele Stunden in Ancestors. Wie lange man braucht, bis man auf diese Weise irgendwann am Ende angelangt ist, wissen wir auch nicht - wir haben den Test nach rund 25 Stunden (inklusive dreier Neustarts) und der Hälfte der erreichbaren Erfolge beendet, da das Spiel zu diesem Zeitpunkt nur noch auf der Stelle trat. Es fehlt an Abwechslung, Zielen und spielerischer Vielfalt - denn wäre das Leben unserer Vorfahren tatsächlich so eintönig gewesen, wären sie vermutlich einfach auf den Bäumen geblieben.

Ancestors: The Humankind Odyssey (jetzt kaufen 39,99 € ) ist derzeit nur für PC erhältlich, genauer: ein Jahr lang zeitexklusiv im Epic Games Store. Umsetzungen für PS4 und Xbox One sollen im Dezember 2019 folgen. Bei anderen Testern stieß das Spiel auf sehr gemischtes Feedback, wie eine Übersicht bei Metacritic zeigt.

Ancestors im Test: Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Ancestors: The Humankind Odyssey (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Fantastische GrundideeStimmungsvolles urzeitliches AfrikaGlaubwürdige Darstellung der MenschenaffenMotivierender „Talentbaum“Interessantes Konzept, das auf Spielerführung verzichtet und den Spieler zum Experimentieren einlädtHübsche Tag- und NachtwechselKlasse Soundkulisse
Hohe EinstiegshürdeUnglaublich eintönigKein freies Speichern oder Checkpoints, die man nachträglich laden könnteNervige Angriffe durch WildtiereLeicht überfrachtete SteuerungStändiges Abscannen der Umgebung nervt auf DauerSpielerisch wird‘s zu schnell banalGelegentliche KI-Probleme beim Affen-Stamm
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