Ancestors: The Humankind Odyssey: Test jetzt mit Video

Test Felix Schütz
Ancestors: The Humankind Odyssey: Test jetzt mit Video
Quelle: PC Games

Acht Millionen Jahre Menschheitsgeschichte, verpackt in ein riesiges Survival-Abenteuer, in dem wir einen Affenstamm auf seinem Weg zum Urmenschen begleiten - was für eine großartige Idee! Doch dem Action-Adventure, an dem auch der Game Director von Assassin's Creed beteiligt war, geht im Test viel zu schnell die Puste aus: Ancestors steckt voller Ambitionen und Atmosphäre, spielt sich aber über weite Strecken mühsam und erschreckend eintönig.Update: Jetzt mit Video-Review!

Während sich manche noch immer nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, gilt es in der Naturwissenschaft schon lange als unstrittige Tatsache: Unsere Vorfahren waren Primaten. Doch was brachte sie dazu, von den Bäumen hinabzusteigen, Werkzeuge zu verwenden und aufrecht zu gehen anstatt auf allen vieren? Es sind faszinierende Evolutionsprozesse, die sich über Millionen von Jahren abgespielt haben und die Panache Games nun in ein ambitioniertes Videospiel gegossen hat. Ancestors bildet den Weg vom Primaten zum Urzeitmenschen als riesiges Survival-Abenteuer ab und katapultiert uns dabei zehn Millionen Jahre in die Vergangenheit auf den afrikanischen Kontinent. Die Idee ist genial, umgesetzt wurde sie unter der Leitung von Patrice Désilets, der schon als Game Director von Assassin's Creed und Prince of Persia: The Sands of Time bewiesen hat, dass er sein Handwerk versteht.

Doch große Namen allein vollbringen noch keine Wunder: Ancestors entpuppt sich als originelles, oft faszinierendes, aber auch erschreckend eintöniges Abenteuer, das sein erstaunlich simples Gameplay hinter fragwürdigen Designentscheidungen verbirgt.

Update: Ab sofort findet ihr hier ein großes Testvideo zu Ancestors: The Humankind Odyssey.

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Ancestors im Test: Mühsamer Einstieg

Eintönig: Wir müssen regelmäßig essen, trinken, schlafen und bei Bedarf unsere Wunden heilen. Immerhin: Unsere Affenbabys brauchen dafür überhaupt keine Pflege. Quelle: PC Games Eintönig: Wir müssen regelmäßig essen, trinken, schlafen und bei Bedarf unsere Wunden heilen. Immerhin: Unsere Affenbabys brauchen dafür überhaupt keine Pflege. Ancestors erzählt keine Story und kennt auch kein striktes Ziel. Es geht schlichtweg darum, seinen Primatenstamm über Millionen von Jahren hinweg zu begleiten und dabei möglichst schneller in der Geschichte voranzuschreiten, als es unsere rea­len Vorfahren taten. Das alles kann einem zu Beginn aber noch völlig schnuppe sein, denn da hat man ganz andere Sorgen: Wir starten das Third-Person-Abenteuer mit einem kleinen Stamm, es gibt ein paar Kinder, Erwachsene und Greise. Einen der Primaten steuern wir, den Rest der Gruppe kontrolliert derweil die KI, außerdem dürfen wir jederzeit zwischen den Figuren hin und her wechseln. Und nun beginnen wir ... ja, womit überhaupt? Ancestors verrät so gut wie nichts darüber, was wir können und was nicht, das sollen wir bitte schön selbst herausfinden.

Deshalb verbringen wir die erste Stunde vor allem damit, die Dschungelumgebung genau zu untersuchen. Dazu gibt es eine Analyse-Funktion, die wichtige Objekte hervorhebt und mit Symbolen markiert. Auch ­Gerüche und Geräusche lassen sich so herausfiltern. Eine schöne Idee, die sich aber schnell abnutzt: Die Flut an Symbolen abzuklappern macht keinen Spaß und kostet vor allem anfangs viel zu viel Zeit. Immerhin: Später, wenn sich der Stamm weiterentwickelt hat, lässt sich der Prozess beschleunigen.
Wer fleißig übt, kann seinem Stamm beibringen, simplen Kommandos zu folgen. Hier bringen wir der Truppe bei, wie man Speere macht. Quelle: PC Games Wer fleißig übt, kann seinem Stamm beibringen, simplen Kommandos zu folgen. Hier bringen wir der Truppe bei, wie man Speere macht.

Ancestors im Test: Eintöniges Handwerk

Hat man die Umgebung studiert, geht es ans Experimentieren: Wasser, das lernen wir schnell, lässt sich trinken, so stillt man seinen Durst - eines von drei Grundbedürfnissen ist damit gedeckt, die anderen sind Hunger und Schlaf. Komplizierter wird es bei so wunderlichen Dingen wie Steinen oder Hölzern: Diese lassen sich aufheben, von einer Hand in die andere wuppen oder miteinander kombinieren. Äste funktioniert man beispielsweise in einem simplen Minispiel zu Stöcken um, ein akustisches Signal hilft uns dabei, die Taste im richtigen Moment zu drücken oder loszulassen. Bearbeiten wir den Stock danach mit einem Stein, entsteht ein Speer, unsere wichtigste Waffe. Noch schneller ginge das übrigens mit einem Keil, den man aber nur erhält, wenn man zwei Obsidiane aufeinander schlägt. Und so geht es immer weiter: Mit spitzen Stöcken lassen sich Fische angeln, Tiere jagen oder in Löchern nach Nahrung bohren. Blätter von Schachtelhalmen können wir abzupfen, um damit blutende Wunden zu verarzten. Andere Gewächse heilen dagegen Vergiftungen oder sogar Knochenbrüche in Windes­eile - da nimmt es das Spiel mit der Glaubwürdigkeit eben nicht so genau.
Fast alle Objekte haben einen Nutzen. Kokosnüsse lassen sich schälen oder mit einem Stein aufschlagen. Quelle: PC Games Fast alle Objekte haben einen Nutzen. Kokosnüsse lassen sich schälen oder mit einem Stein aufschlagen.

Dieses ständige Experimentieren und Entdecken macht Laune und weckt hohe Erwartungen - bis man schließlich ernüchtert feststellen muss, dass es weit weniger zu tun gibt, als einen das Spiel anfangs glauben lässt. Das Bauen beschränkt sich beispielsweise darauf, ein paar Blätter zu Schlafplätzen aufzuschichten oder Äste übereinander zu stapeln - das wird sofort langweilig. Auch an Materialien haben die Entwickler gespart, die geringe Auswahl an Werkzeugen hat man schnell durchprobiert. Außerdem kostet die überfrachtete Steuerung gelegentlich Nerven: Viele Tasten auf dem Gamepad sind mehrfach belegt und jede noch so kleine Aktion muss von Hand ausgeführt werden, vor allem das Crafting verkommt dadurch zur monotonen Fleißaufgabe, die viel Zeit verschlingt.

Ancestors im Test: Kein freies Speichern

Während wir noch die Grundlagen austüfteln, leben unsere Affen bereits gefährlich: Verlässt man den Schutz des Lagers, landet man schnell auf der Speisekarte von Riesenschlangen, Urzeitlöwen, Hyänen, Krokodilen und so weiter. Die Viecher greifen oft unvermittelt an. Wer hier nicht weiß, wie man ausweicht oder das Tier in die Flucht schlägt, kassiert unbarmherzig Treffer, die zu schweren Verletzungen führen. Wer die Wunden nicht schleunigst behandelt, verliert den Primaten unwiederbringlich. Sind alle Stammesmitglieder hinüber, sieht man den Game-over-Bildschirm und muss komplett von vorne anfangen. Ancestors speichert nämlich nur automatisch, manuelle Spielstände dürfen wir nicht anlegen. Selbst Checkpoints oder erreichte Zeitalter lassen sich leider nicht gezielt laden. Das wirkt angesichts der hohen Einstiegshürde regelrecht unfair. Denn bis man weiß, wie man einen Stamm am Leben erhält und weiterentwickelt, sind mehrere Neustarts praktisch vorprogrammiert.
Die ständigen Angriffe durch Wildtiere nerven. Mit Stöcken und Steinen wehrt man die meisten Attacken jedoch leicht ab – so wird man vom Gejagten zum Jäger.  Quelle: PC Games Die ständigen Angriffe durch Wildtiere nerven. Mit Stöcken und Steinen wehrt man die meisten Attacken jedoch leicht ab – so wird man vom Gejagten zum Jäger. 

Ancestors im Test: Mutig im Angesicht der Feinde

Kleiner Tipp: Um den Frust in Grenzen zu halten, sollte man sich zu Beginn vor allem auf den Bäumen bewegen. Das kostet zwar Zeit, spart dafür aber Nerven. Als geschickter Affe können wir nämlich an fast jeder Oberfläche raufklettern und uns von Ast zu Ast schwingen. Das sieht cool aus und funktioniert mit etwas Übung erstaunlich gut, auch wenn die Kamera gelegentlich mal im Weg ist - ganz so intuitiv wie in einem Assassin's Creed ist man also nie unterwegs.

Es dauert eine Weile, bis wir endlich kapieren, wie simpel man die bissigen Wildräuber verscheuchen oder sogar töten kann: einfach eine Taste in einem Reaktionstest gedrückt halten, fertig! Ab diesem Punkt entzaubert sich die feindliche Tierwelt praktisch von selbst, da man fast jeden Angriff locker abwehrt. Dadurch trauen wir uns immer häufiger, auch mal von den Bäumen hinabzusteigen und uns freier in der prächtigen Urzeitwelt umzuschauen. Ganz wichtig dabei: Bloß nicht die Kinder vergessen!

Bildergalerie

Ancestors im Test: Kinder sind die Zukunft!

Männchen und Weibchen müssen wir von Hand verkuppeln, sonst gibt‘s keinen Nachwuchs. Banal und zeitaufwändig. Quelle: PC Games Männchen und Weibchen müssen wir von Hand verkuppeln, sonst gibt‘s keinen Nachwuchs. Banal und zeitaufwändig. Babys sind der Schlüssel zum Erfolg, denn nur wenn wir uns in ihrer Nähe aufhalten, verdienen wir kostbare Erfahrungspunkte. Und weil sie so wichtig sind, dürfen sich bis zu zwei Zwergäffchen in unserem Fell festkrallen. Pflege oder Nahrung brauchen die Kleinen zwar nicht, doch dafür fällt ihre Zeugung umso umständlicher aus. Wir müssen uns als Männchen oder Weibchen zunächst dem anderen Geschlecht nähern, ihm romantisch die Läuse aus dem Fell pulen und so ein Pärchen bilden. Anschließend gibt's noch ein kleines Schäferstündchen, die Kamera guckt derweil keusch in den Himmel, bis das Weibchen schwanger ist. Nun braucht's nur noch einen Tastendruck, eine (abbrechbare) Zwischensequenz - und schon hockt das neue Baby im Nest. So verfahren wir mit allen zeugungsfähigen Mitgliedern unseres Stammes, immer und immer wieder - eintönig und zeitaufwendig! Und sind mal nicht genügend paarungswillige Affen zur Hand, müssen wir uns in freier Wildbahn nach ihnen umsehen: Entdecken wir einen Primaten in Not, bringen wir ihm Heilpflanzen oder Nahrung, zum Dank schließt er sich unserem Volk an.

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