Amnesia The Bunker im Test: Der Horror des Ersten Weltkriegs

Test Benjamin Kegel Lukas Schmid
Amnesia The Bunker im Test: Der Horror des Ersten Weltkriegs
Quelle: Frictional Games

In Amnesia: The Bunker kämpfen wir in einem desolaten Bunker im Ersten Weltkrieg gegen einen erbarmungslosen Jäger um unser Überleben. Unser Test!

Im selben Raum, in dem sich der Türcode-Lästling breit macht, steht auch eine Item-Box. Die orientiert sich in ihrer Funktion an die Pendants aus den frühen Resident-Evil-Spielen, hat aber zwei entscheidende Individualfaktoren. Nummer eins: Es gibt davon im Spiel nur eine einzige, genau in diesem Raum, ganz zentral im ganz zentralen Hauptbunker, von dem aus ihr die weitläufigeren Areale der bedrückend engen Weltkriegsfestung erforscht. Und, Nummer zwei: Die Kiste hat nur 16 Lagerplätze. Das erscheint zu Beginn viel, erweist sich nach etwa einer Stunde aber als ziemlich eng. Und weil ihr ja immer in diesen Raum zurückkehren müsst, um dringend benötigte, aber überschüssige Items abzulegen - wie zuvor erwähnt die einzige Item-Box im Spiel -, schmeißt ihr eure Gegenstände dann eben irgendwann einfach auf den Boden eures Safe-Rooms.

Also entweder man gibt der Kiste unendlich viel oder wenigstens den fünffachen Speicherplatz oder man lässt sie einfach völlig weg und erzieht den Spieler dadurch, das Verwaltungsbüro insgesamt als Lagerplatz zu verwenden und sein ganzes gesammeltes Zeug komplett auf dem Fußboden zu deponieren. So, wie es jetzt "gelöst" ist, ist das einfach nur bescheuert.

Logistik und Literatur

An diese Lagerhaltung gewöhnt man sich ohnehin schnell - Benzinkanister direkt am Generator abzuladen ergibt am meisten Sinn, weil es Laufwege und Kistengeräume spart.

Und man kommt auch recht zügig auf die Idee, die kleinen Büros mit den Kartenausschnitten zu Beginn jedes der Seitenbunker als Ablageort für die ganzen dort gesammelten Items herzunehmen, weil man dann vom Zentralbunker aus bequem alles bei benzinsparend abgeschaltetem Generator räubern kann.

Logistik macht einen starken Faktor in The Bunker aus: Trageplatz für Items, Benzin für Beleuchtung durch den Generator, kostbare Munition und Granaten zur Abwehr eures Jägers und zur Bekämpfung der lästigen Ratten - das sind die stark begrenzten Ressourcen, die The Bunker so von Vertretern der Amnesia-Reihe am deutlichsten ins Genre des Survival-Horrors stellen. Und da macht es einen guten Eindruck.

Es gibt da noch ein Detail, das mir ein wenig sauer aufstößt: die Art, wie die Entwickler von Frictional Games hier die eigentlich solide Hintergrundgeschichte fast ausschließlich über Notizen, Fotos und ähnliche Dokumente erzählen.

Eine blutige Hand, plus ein Schriftzug, der darauf hinweist, dass die Spielfigur verwundet wurde Quelle: PC Games Einerseits haben sie das schon besser hinbekommen, insbesondere in Soma, dem für mich nach wie vor besten Produkt der schwedischen Spieleschmiede.

Andererseits ergibt The Bunker aber auch nur dann wirklich Sinn, wenn ihr eben als letzter Überlebender durch die dunklen Gänge und Räume schleicht, was dann im Umkehrschluss eben bedeutet, dass keine anderen Figuren in der Spielwelt präsent sein können, um euch die Geschichte organischer zu präsentieren.

Das bedeutet aber leider auch, dass The Bunker ziemlich in Lesearbeit ausartet und man schon viel Geduld haben muss, um sich durch die Berge an Text zu wühlen. Das hat sich offensichtlich auch Frictional gedacht und die wichtigsten Dokumente mit speziellen Markierungen gekennzeichnet, damit ihr sie schnell wiederfindet. Einsame Horror-Atmosphäre oder präsente NPCs - beides geht schlecht, einen Tod muss man halt sterben.

Memento mori ac repetere

Bei eurem Charakter wird es mehr als ein Tod werden, aber das ist vor allem auf der schweren Stufe einfach die Natur des Biestes.

Und damit meine ich sowohl das Spiel selbst als auch den Dämon, der euch erbarmungslos verfolgt. Ihr könnt das verstörende Monstrum mit Waffengewalt oder durch das geschickte Ausnutzen von Fallen kurzzeitig verjagen. Aber es kommt wieder, und das größtenteils nicht gescriptet, sondern dynamisch als aktiver, smarter Feind, der auf eure Handlungen reagiert.

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