Amnesia The Bunker im Test: Der Horror des Ersten Weltkriegs

Test Benjamin Kegel Lukas Schmid
Amnesia The Bunker im Test: Der Horror des Ersten Weltkriegs
Quelle: Frictional Games

Intensiver Horror, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt: In Amnesia: The Bunker kämpfen wir in einem desolaten Bunker im Ersten Weltkrieg gegen einen erbarmungslosen Jäger um unser Überleben. Unser Test!

Amnesia: The Bunker ist schnell erklärt, da in seinem Kern eigentlich ein sehr simples Spiel: Ihr schlüpft in die Rolle von Henri Clement, eines französischen Soldaten, der an der Front des Ersten Weltkriegs gegen die Deutschen kämpft. Eines Nachts entfernt ihr euch unerlaubt aus eurem Bunker, um nach eurem Freund zu suchen - Augustin Lambert, der Henri zuvor in einer gut gemachten Tutorial-Intro-Sequenz das Leben während eines Senfgas-Angriffs gerettet hat. Tatsächlich findet Henri seinen Freund weit draußen im Niemandsland der entsetzlichen Kriegsfront: Augustin ist offenbar in eine Grube gestürzt und kann aus eigener Kraft nicht wieder aufstehen. Niemals würde Henri seinen Kameraden hier zum Sterben zurücklassen: Er schwingt seinen Freund auf die Schultern und versucht, sich zusammen mit ihm zurück zum sicheren Bunker zu schleppen. Doch die Deutschen entdecken die beiden und eröffnen das Feuer. Eine Explosion zerreißt die Luft, und das Letzte, was Henri sieht, ist Augustins Körper, der neben ihm auf den Boden aufschlägt.

Henri schließt die Augen und geht nicht davon aus, sie wieder zu öffnen. Genau das geschieht aber: Er wacht, schwer verletzt, im Lazarettflügel des französischen Bunkers auf. Der Storm ist ausgefallen.

Er scheint allein zu sein. Wenig später findet Henri heraus, dass das nicht der Fall ist. Und noch etwas später wünscht er sich, es wäre doch so gewesen.

Die Hölle von Verdun

Ihr befindet euch jetzt im Herzen einer auf den ersten Blick sehr kompakten, aber clever gestalteten Bunkeranlage der französischen Truppen. Eure Aufgabe ist simpel: Der einzige Ausgang aus dem Bunker ist von euren Offizieren auf der Flucht verschüttet worden.

Wollt ihr entkommen, müsst ihr den Schutthaufen sprengen. Das dazu nötige Dynamit samt Zünder findet ihr in den Seitenbunkern, die am zentralen Bunker angeschlossen sind. Findet die Ausrüstung, sprengt den Ausgang frei, entkommt und überlebt.

Doch das ist nicht so einfach: In ihrer Panik haben die Soldaten den Bunker vermint, gefährliche Fallen warten überall - ein falscher Schritt und euer Leben endet in einer Explosion. Ratten haben sich in dem Bunker eingenistet und machen sich über die Körper eurer ehemaligen Kameraden her. Auch euch werden die feisten Nager zusammenbeißen, wenn ihr ihnen zu nahe kommt.

Die Dunkelheit ist ebenfalls ein Feind: Viele Bereiche des Bunkers sind stockfinster, man kann die Hand vor Augen nicht sehen. Eure aufziehbare Taschenlampe ist eure einzige, schmale Hoffnung, wenn das Licht ausfällt.

Auch eure begrenzte Tragekapazität müsst ihr bedenken: Jeder Gegenstand in eurem Inventar nimmt wertvollen Platz weg, den ihr aber mit gefundenen Taschen weiter ausbauen könnt.

Ein sehr dunkler Raum, in dem die spielfigur auf rattenähnliche, riesige Monster trifft Quelle: PC Games Am schlimmsten jedoch: Irgendein furchtbares Monstrum - von euren gefallenen Kameraden in ihren letzten Notizen als "der Dämon" bezeichnet - macht Jagd auf euch.

Das Biest kann nicht getötet werden, die Soldaten um euch herum haben es verzweifelt versucht und das mit dem Leben bezahlt. Eure einzige Option: Bleibt still, bleibt versteckt und ergreift zur Not die Flucht. Im äußersten Notfall solltet ihr zum Verwaltungsbüro im Herzen des Bunkers rennen, dem einzigen Raum, in dem ihr euch vor dem Dämon verbarrikadieren könnt.

Enter the Survival Horror

Eure Verbündeten: in erster Linie eure eigene Kreativität und eure Reflexe. Die Physik-Engine des neuesten Amnesia-Spiels macht sehr viel möglich, das müsst ihr aber auch nutzen. Denn mit Waffengewalt kommt ihr hier allein deshalb schon nicht weit, weil ihr im ganzen Spiel nur eine Handvoll Patronen findet.

Euer zweitwichtigstes Werkzeug: ein alter Generator in einem Seitenraum des Verwaltungsbüros. Füllt ihr diesen Generator mit den im Bunker überall verstreuten Benzinkanistern, könnt ihr das Licht in allen Tunneln anschalten. Das macht nicht nur die Fortbewegung deutlich einfacher und sicherer - der Dämon hasst außerdem das Licht.

Ein Benzinkanister, an dem jemand hektisch herumschraubt Quelle: PC Games Das Spielgefühl ist sehr nahe an den Xenomorph-Jagdsequenzen aus Alien: Isolation, nur eben in einem dreckigen, klaustrophobischen Weltkriegs-Bunker. Die Atmosphäre ist herrlich dicht - dieses Spiel hier mit einem Dolby-System und einem feinen Ultrawide-Curved-Monitor: eine intensive Thriller-Erfahrung, die unter die Haut geht.

The Bunker macht fast nichts neu, nutzt aber alle wohlbekannten Konzepte seines Genres auf kompaktem Raum hervorragend aus. Das Ergebnis ist ein handwerklich stark gemachtes Horrorspiel, das auf seinen eigenen Beinen stehen kann, ohne sich vor Vergleichen mit seinen Inspirationsquellen verstecken zu müssen.

Ein bisschen Trench foot

Es gibt aber auch so ein paar Kleinigkeiten, die gehen mir auf den Militär-Hartkeks. Zum Beispiel, dass mich die PC-Version des Spiels direkt bei der ersten Türcode-Eingabe mit einem Bug belästigt, der es mir nur erlaubt, jede zweite Reihe und auch nur jede zweite Ziffer des Zahlencodes einzugeben.

So bekomme ich den richtigen Code natürlich nicht ins Schloss, das so frecherweise zubleibt. Stellt sich raus, wenn man in der aktuellen Version von The Bunker die Standard-Tastenbelegung für die Bewegungs-Keys ändert, bekommt das Spiel Schnappatmung.

Bildergalerie

Lösen lässt sich das, indem man WASD wenigstens als Sekundär-Tastenbelegung eingestellt lässt und nutzt. Alternativ klappt es auch mit einem angeschlossenem Controller am PC. Wer das nicht weiß, dem kann dieser potenzielle Softlock-Bug schnell den Spaß verderben, deswegen sage ich es euch hier. Keine große Sache, aber so etwas sollte beim internen Betatest bitte auffallen.

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