Age of Mythology: Retold im Test: Grandioses Remake oder doch nur ein Remaster?
Test
Prostagma! Age of Mythology ist zurück, mit frischer Grafik und sinnvollen Upgrades. Aber genügt das im Jahr 2024 noch? Im Test gibt's alle Antworten. Update: Jetzt auch mit Video-Review!
Wir schreiben das Jahr 1999: Age of Empires 2 schlägt ein wie eine Strategie-Bombe, es hagelt Awards, die Kassen klingeln. Und die Fans? Die rechnen nun fest damit, dass man bei Ensemble Studios direkt den nächsten Teil in den Ofen schiebt - schließlich wäre so ein Age of Empires 3 doch ganz sicher eine Goldgrube!
Doch die Entwickler denken gar nicht daran, sie brauchen einen Tapetenwechsel - und liefern stattdessen drei Jahre später ein waschechtes Fantasy-Spin-Off ab: Age of Mythology pfeift genüsslich auf die Geschichtsbücher und bedient sich dafür lieber bei den griechischen, ägyptischen und nordischen Sagenwelten. Das Ergebnis kommt super bei den Echtzeit-Strategie-Fans an, die das Spiel bis heute als Klassiker feiern.
Obwohl mit der Extended Editon eigentlich schon 2014 eine ganz ordentliche Neuauflage erschien, reichte das Microsoft offensichtlich noch nicht. Schließlich wurde mittlerweile die gesamte Age of Empires-Reihe liebevoll mit Definitive Editions aufgepeppt und fit für die Zukunft gemacht - doch ein besonderes Spiel fehlte bislang noch!
Update: Jetzt auch mit Video-Review!
Und so schließt sich nun endlich der Kreis: Age of Mythology: Retold ist genau die Neuauflage, auf die so viele Fans gewartet haben. Ein kräftig aufpolierter Klassiker, der sich ganz entspannt zwischen Remaster und Remake einordnet. Mit an Bord sind eine brandneue Grafik, moderne Features und ein paar sinnvollen Verbesserungen. Verantwortlich für das Projekt zeichnen insgesamt fünf (!) Entwicklerteams, da ist also ordentlich Arbeit reingeflossen. Und damit sich das auch lohnt, hat man das Spiel gleich noch für Xbox Series S/X umgesetzt, inklusive neuer Gamepad-Steuerung und Crossplay, sodass PC- und Konsolenspieler gemeinsam zocken können.
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So schön wie die eigene Erinnerung
Wer schon eine der älteren Versionen gespielt hat, bemerkt es natürlich sofort: Age of Mythology: Retold kommt mit einem brandneuen Look daher, der sich stilistisch zwar sehr eng am Original bewegt, aber viel mehr Details zu bieten hat und nebenbei auch ein bisschen farbenfroher wirkt.
Die Entwickler nutzen dafür die aufgebrezelte Engine von Age of Empires 3: Definitive Edition. Deren Wurzeln reichen bis zum originalen Age of Mythology von 2002 zurück, das als erster Serienteil auf 3D-Grafik setzte. Und das macht sich jetzt bezahlt, denn so konnte man das 22 Jahre alte Spiel zwar problemlos auf die neue Technik portieren, aber gleichzeitig auch die Grafik komplett austauschen. Ihr bekommt also keine alten, hochgerechneten Assets zu sehen, stattdessen wurden alle Charaktermodelle, Gebäude und Texturen von Grund auf neu gestaltet. Und wir finden: Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen.
Die Wasserdarstellung mit ihrem weichen Wellengang und ihren sanften Spiegelungen schaut zum Beispiel wieder richtig schick aus. Auch die Landschaften bieten nun deutlich mehr Details als früher, da gibt es jetzt zerklüftetes Gelände und deutlich mehr Vegetation. Und auch bei der Darstellung von Beleuchtung und Schatten hat sich im Vergleich zur Version von 2014 einiges getan.
Sehr hübsch sind auch die neuen Zerstörungseffekte bei Gebäuden geraten. Gerade wenn Belagerungswaffen zum Einsatz kommen, bröckelt nun Mauerwerk ab und die Bauwerke krachen irgendwann einfach in sich zusammen. Das Ganze ist zwar nicht so schick und hochdetailliert wie in in der 2D-Engine von Age of Empires 2: Definite Edition, aber für die Aatmosphäre sind die neuen Zerstörungseffekte trotzdem ein klarer Gewinn.
Nur bei den Animationen und den hüftsteifen Zwischensequenzen merkt man doch deutlich, dass letztendlich noch ein 22 Jahre altes Spiel darunter steckt. Das Ergebnis schaut zwar trotzdem deutlich besser aus als früher, doch gerade in den Dialogen und Cutscenes, in denen die Story vorangetrieben wird, kann das Spiel sein hohes Alter nicht mehr verbergen.
Trotzdem muss man die Entwickler hier ausdrücklich loben, denn grafisch ist das alles schon sehr nahe dran an einem vollständigen Remake! Die Atmosphäre profitiert außerdem deutlich von einem überarbeiteten Soundtrack - die alten Stücke wurden nochmal komplett neu eingespielt und klingen jetzt deutlich lebendiger und orchestraler als früher. Dazu gibt es eine neue Übersetzung und sogar komplett neue deutsche Sprachausgabe - die reißt zwar keine Bäume aus, klingt aber zumindest etwas besser als die alte Vertonung.
