Age of Empires 3 Definitive Edition: Nicht in allen Bereichen gut gealtert
Test 17,99 €
Nach den erfolgreichen Neuauflagen der ersten beiden Age-of-Empires-Spiele spendiert Microsoft jetzt auch dem dritten Teil eine Frischzellenkur. Neben optischen Verbesserungen, zusätzlichen Komfortfunktionen und Balancing-Anpassungen beinhaltet die Definitive Edition einige interessante inhaltliche Ergänzungen. Doch reicht das, um dem Echtzeitstrategie-Klassiker zu neuem Ruhm zu verhelfen? Das verraten wir euch im Test zu Age of Empires 3 Definitive Edition
Mit Age of Empires 3 porträtierten die Ensemble Studios im Jahr 2005 erstmals die Kolonisierung Amerikas. Der Titel konnte zwar nie ganz die Topwertungen des Vorgängers einstreichen, bot aber dennoch sehr gelungene Echtzeitstrategie-Unterhaltung mit zahlreichen neuen Ideen (etwa der Heimatstadt und Handelsrouten), haufenweise unterschiedlichen Einheiten und einer für damalige Verhältnisse wirklich umwerfenden Präsentation. Knapp 15 Jahre später wird nun ebendieser Klassiker, den PC Games damals mit 89 Prozent bewertete, noch einmal neu aufgelegt - die Erweiterungen The WarChiefs und The Asian Dynasties inklusive. Was genau sich dabei alles verändert hat, verrät unser Test.
In diesem Artikel
Sinnvolles Interface- und Gameplay-Tuning
Kommen wir zunächst zu den zahlreichen Gameplay-Optimierungen. Eine der mit Abstand auffälligsten ist zweifelsohne die Möglichkeit, nach einem Wechsel ins Hauptmenü jederzeit zwischen drei verschiedenen Benutzeroberflächen wählen zu können. Den Anfang macht die Einstellung "Standard". Sie richtet sich an Serien-Neulinge und zeigt die Karte sowie die Ressourcen-Anzeige unten rechts im Bild. Das Befehlspanel hingegen platzierten die Entwickler im linken unteren Eck, während die Banner oben links angezeigt werden. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt die Einstellung "Definitive". Hierbei wandert die Ressourcen-Anzeige in eine schmale, aber weiterhin gut lesbare Leiste am oberen linken Bildrand. Der große Vorteil in beiden Fällen im Vergleich zum Original: Durch die Neuanordnung der Schaltflächen schafft man am unteren Bildrand deutlich mehr Platz und hat so letztendlich noch mehr Übersicht.
Quelle: PC Games
Szene aus der 4K-Fassung von Age of Empires 3: Definitive Edition: Grafisch sticht die Generalüberholung der Texturen sofort ins Auge.
Bliebe noch die klassische Ansicht. Hier thronen die Karte und die Ressourcen-Anzeige wie damals unten links und das Befehlspanel unten rechts. Die Fläche dazwischen bleibt jedoch frei, wodurch ebenfalls etwas mehr Platz geschaffen wird. Kaum die erste Partie gestartet, werden Kenner sogleich weitere Komfortverbesserungen bemerken. So wurde unter anderem der Kamera-Zoom leicht erweitert, was für etwas mehr Übersicht sorgt, und Gebäuden eine Radius-Indikator verpasst. Mit seiner Hilfe seht ihr dann beispielsweise, wie weit ein Wachturm schießt und könnt Verteidigungsanlagen entsprechend so ausrichten, dass jeder Bereich eurer Lagerbefestigung optimal abgedeckt ist.
Ebenfalls praktisch: Schiffe stechen nun wahlweise in geordneten Formationen in See, Späher verfügen erstmals über eine Auto-Scout-Funktion, Gebäude lassen sich auch außerhalb des Szenario-Editors endlich drehen und ein jederzeit einsehbarer Technologiebaum hilft Einsteigern dabei, den Upgrade-Überblick zu behalten.
Weitere Änderungen betreffen das schon damals gelungene Heimatstadt-Feature. Zur Erinnerung: Auf Knopfdruck wechselte man bereits im Original unterbrechungsfrei in die Heimatstadt der jeweiligen Fraktion und orderte Lieferungen, um den Truppen in der neuen Welt unter die Arme zu greifen. Welche Boni anschließend zur Verfügung stehen, hängt von Kartendecks ab, die man sich selbst zusammenstellen musste. Das Komfortable in der Definitive Edition: Wer keine Muße zum Deckbau hat, kann jetzt einfach aus bereits vorgegebenen Decks wählen. Prima zudem, dass neue Boni-Karten ins Spiel gefunden haben (etwa Granatwerfer), einige bekannte Karten überarbeitet wurden und alle Maps von Anfang an freigeschaltet sind.
Quelle: PC Games
Die Heimatstädte der insgesamt 16 Nationen machen optisch einiges her und ermöglichen es wie gehabt, Lieferungen in die neue Welt auf den Weg zu bringen.
Zwei spaßige neue Modi
Ein Blick ins Hauptmenü offenbart ferner zwei neue Spielmodi. Erstgenannter heißt "Kriegskunst" und konfrontiert euch mit acht verschiedenen Herausforderungen, die wichtige Gameplay-Mechaniken wie etwa die Schatzsuche noch einmal erklären und euch dann auffordern, bestimmte Ziele in vorgegebener Zeit zu erfüllen. Größter Motivationsfaktor: Je nach Performance honoriert euch das Spiel mit einer Bronze-, Silber oder Goldmedaille.
Im Modus "Historische Schlachten" hingegen ist der Name Programm: Ihr stürzt euch in namhafte geschichtliche Konflikte, um den Sieg davonzutragen. Los geht's mit der Schlacht um Algier im Jahr 1516, bei der ihr als Barbaresken-Piraten einer Belagerung durch die Spanier standhalten müsst. Diese und andere Szenarien - wie etwa eine Expedition von Christopher Da Gama im Jahr 1542 oder der Kampf um New Orleans im Jahr 1815 - richten sich klar an fortgeschrittene Spieler und dauern je nach Vorgehen schon mal ein bis zwei Stunden. Habt ihr einen Auftrag abgeschlossen, erklärt ein Sprecher, begleitet von weiteren Szenen in Ingame-Grafik, wie die Schlacht damals zu Ende ging. Eine witzige Idee, die mit eventuellen DLC-Paketen zukünftig noch fortgeführt werden könnte.
Quelle: PC Games
Die Zerstörungseffekte können sich erneut sehen lassen. Gleiches gilt für die daran anknüpfenden Einsturzanimationen.
Mehr Feingefühl im Umgang mit indigenen Völkern
Als Age of Empires 3 2005 erschien, mussten sich die Entwickler deutliche Kritik am Umgang mit der Darstellung von indigenen Völkern gefallen lassen. Die Macher der Definitive Edition reagierten darauf, indem sie sich Berater aus ebendiesen Bevölkerungsgruppen ins Boot holten und verschiedene Änderungen am Spiel vornahmen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden beispielsweise alte Sprachaufnahmen durch solche mit authentischen Sprechern ersetzt, problematische Mechaniken und Handlungsstränge korrigiert und stereotype Darstellungen entfernt. Die Feuerstelle aus dem Original etwa heißt aus diesem Grund jetzt "Gemeinschaftsplatz" und sieht komplett anders aus.
Da die indigenen Völker sehr naturverbunden sind, betreiben sie außerdem keinen Bergbau mehr, sondern sammeln Gold durch den Handel mit Fellen. Weitere Modifikationen betreffen die Umbenennung einiger Stämme. So heißen die Irokesen jetzt Haudenosaunee und die Sioux Lakota. Hinzu kommt: Die Figur Crazy Horse aus der WarChief-Kampagne - zu Deutsch "verrücktes Pferd" - wurde durch einen Charakter namens Frank Warbonnet ersetzt. Sinnvolle Überarbeitungen, die auf jeden Fall Respekt verdienen.
Quelle: PC Games
Noch bevor die Kampagne durchstartet, müsst ihr zwischen den drei neuen Interface-Layouts wählen. In allen drei Varianten habt ihr im unteren mittleren Bereich spürbar mehr Sichtfläche als früher.
Die neuen Fraktionen: Inka und Schweden
Rechnet man die Fraktionen der beiden Erweiterungen hinzu, bot Age of Empires 3 ursprünglich 14 Fraktionen. Die Definitive Edition erhöht diese Zahl mit zwei spannenden Neuzugängen auf 16. Da wären zum einen die in Südamerika ansässigen Inka. Diese uralte Zivilisation richtet sich vor allem an eher defensive Spieler und glänzt mit allerlei Spezialgebäuden. Das 135 Holzeinheiten teure Kancha-Haus etwa steigert das Bevölkerungslimit um zwölf Einheiten und generiert automatisch Nahrung. Im befestigten Tambo-Handelsposten wiederum können Siedler bei gegnerischen Angriffen Schutz suchen. Da jeder Tambo das Bevölkerungslimit um fünf Einheiten anhebt, lohnt sich der Bau also gleich doppelt.
Mit dem Kallanka sowie dem Stronghold verfügen die Inka ferner über gleich zwei militärische Gebäude, die das Stationieren von Truppen gestatten. Apropos Truppen: Jedes Mal, wenn Inka-Spieler ein neues Zeitalter erreichen, erhalten sie mit dem Chasqui einen rasanten Scout, der hervorragend gegen Schatzwächter kämpft und sogar Tambos aus dem Boden stampft. Nicht außer Acht lassen wollen wir darüber hinaus die Priesterin, die Gegner zum Überlaufen bewegt, Verwundete heilt und im Gemeindezentrum allerlei Arbeiten verrichtet.
Auf europäischer Seite hingegen ergänzten die Entwickler die Schweden. Die Nordländer mit Heimatstadt Stockholm verfügen zwar nur über ein wirklich einzigartiges Gebäude namens Torp (erzeugt Nahrung und kredenzt zehn Bevölkerungseinheiten), punkten dafür aber mit besonders günstigen und schnellen Lieferungen aus der Heimatstadt, zusätzlichen Arsenal-Upgrades sowie einer ganzen Reihe an kampfstarken Spezialtruppen. Allen voran die Caroleaner: Diese schwedische Musketier-Einheit wird speziell Reitern brandgefährlich und kämpft am besten an der Seite der neuen Lederkanonen, die Infanterie in Rekordzeit niedermähen. Nicht zu unterschätzen sind darüber hinaus die Hakkapeliten - eine schnelle und schwere Kavallerie-Einheit aus Finnland, die im Nahkampf massiv Schaden anrichtet. Ideal, um beispielsweise im Schnellverfahren Rohstoff sammelnde Siedler zu eliminieren oder gegnerischer Infanterie in die Flanke zu fallen.
Quelle: PC Games
Typisches KI-Problem: Truppen, die von weiter entfernten Schiffen beschossen werden, verharren oft an Ort und Stelle, statt die Flucht zu ergreifen oder zurückzuschlagen.
