20 Jahre nach Age of Empires 2: Nullmodem-General und Burgenbauer

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
20 Jahre nach Age of Empires 2: Nullmodem-General und Burgenbauer
Quelle: PC Games

Nullmodem-Multiplayer und Aufbauwut: Unser Autor Olaf Bleich schwelgt dank der kürzlich erschienen Age of Empires 2: Definitive Edition in seligen Echtzeit-Erinnerungen.

Ich schwebe aktuell auf Wolke sieben. Wieso? Weil mich Age of Empires 2: Definitive Edition (jetzt kaufen 19,99 € ) vollends in Beschlag genommen hat. Die Neuauflage des Strategieklassikers beamt mich zurück ins Jahr 1999 und weckt damit wohlige Erinnerungen an die Hochphase des Echtzeitstrategie-Genres. Mich fixte zwar seinerzeit Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt an, doch letztlich waren es das 1997 veröffentlichte Age of Empires und dann der zwei Jahre später erschienene Nachfolger, die mich auf eine ganz andere Art an Maus und Tastatur fesselten.

Während es in Warcraft 3 oder eben Command & Conquer vor allem darum ging, möglichst schnell seine eigene Armee aus dem Boden zu stampfen, baute ich in Age of Empires meine Festung und sogar meine Zivilisation auf. Effizienz war wichtig, aber viel wichtiger war ein stimmiges Stadtbild und eine möglichst beeindruckende Burg. Bis heute vereint Age of Empires dadurch zwei meiner Lieblingsgenres: Aufbau- und Echtzeitstrategie.

Die Ruhe vor dem Sturm

Wie sehr mich gerade der Aufbaupart bei dem von Ensemble Studios entwickelten zweiten Teil faszinierte, zeigte sich in den damaligen Multiplayer-Partien. Ende der 90er hielten LAN-Partys in den deutschen Zockerzimmern Einzug. Und da meine Familie lange Zeit nicht gerade mit schnellem Internet gesegnet war, schleppten meine Freunde und ich immer wieder unsere Rechner vom einen zum anderen. Alles nur für diese eine besondere Runde Counter-Strike, Command & Conquer - oder eben Age of Empires 2. Eine "LAN-Party" bestand - zumindest in Bezug auf Age of Empires - allerdings aus einer Nullmodem-Session. Damals koppelten wir also zwei Rechner mit Hilfe eines seriellen Kabels über die Druckerausgänge. Das war zu dieser Zeit die einfachste Art, wie zwei Systeme miteinander kommunizieren und Daten austauschen konnten. Das Setup: ein großer Schreibtisch, zwei Bildschirme, zwei nebeneinander platzierte Rechner und ein Kabel. Dazu noch jede Menge Fastfood und anderer ungesunder Kram. So einfach ging Mehrspieler!

Wie anders Age of Empires allerdings war, zeigte sich auch hier. Denn während ich in vielen anderen Strategiespielen immer wieder versuchte, mein Gegenüber zu "rushen", baute ich hier mein Reich viel lieber auf und beobachtete das geschäftige Treiben. Meinem Gegenüber ging es genauso; deshalb dauerte eine Partie manchmal ewig. Genauer gesagt grasten wir die gesamte Karte zunächst nach Gold, Stein und Holz ab, und wenn wirklich nichts mehr übrig war, trafen wir uns mit unseren Einheiten im Zentrum und machten den Sieger der Partie unter uns aus.
Im freien Spiel bestimmten wir Parameter wie beispielsweise die Masse der vorhandenen Rohstoffe selbst. Diese Vorgaben veränderten den Spielverlauf enorm und forderten taktisches Umdenken. Quelle: Moby Games Im freien Spiel bestimmten wir Parameter wie beispielsweise die Masse der vorhandenen Rohstoffe selbst. Diese Vorgaben veränderten den Spielverlauf enorm und forderten taktisches Umdenken.

Aufstieg einer Zivilisation

Der Reiz in Age of Empires bestand für mich stets im Aufbau der eigenen Kultur. Im zweiten Teil arbeitete ich mich durch fünf Entwicklungsstufen - von der Dunklen bis in die Post-Imperiale Zeit. Jeder Aufstieg bescherte mir neue Möglichkeiten: Aus Milizen wurden Schwertkämpfer und später sogar Elitekämpfer. Meine Siedlung selbst erwuchs von einer lockeren Aneinanderreihung von Hütten zu einer gewaltigen Metropole mit Wachtürmen, Burgzinnen und einer florierenden Wirtschaft. Auch wenn sich Age of Empires nie den durch Bluebytes Die Siedler geprägten "Wuselfaktor" auf die Fahnen schrieb, so ist dieses Konzept hier durchaus erkennbar. Ich beobachtete, wie meine Dorfbewohner Ressourcen abbauten und anschließend ins Zentrum oder ins Lager brachten. Meine Fischerboote warfen ihre Netze aus und eilten nach getaner Arbeit in den Hafen zurück. Auf dem Bildschirm passierte einiges!

Das Wirtschaftssystem und die Erforschung neuer Technologien machten für mich einen ganz großen Teil der Faszination von Age of Empires 2 aus. Ich erfreute mich daran, wie meine Stadt wuchs und gedieh. Oftmals vernachlässigte ich sogar komplett mein Militär und wurde in einem unachtsamen Moment von meinem Kontrahenten mit nur wenigen Einheiten überrannt. Aber das war mir egal! Age of Empires 2 besitzt bis heute einen geradezu meditativen Charakter. Das rhythmische Hämmern der Spitzhacken meiner Arbeiter war dabei mein Mantra. Doch diese Ruhe wurde jäh unterbrochen, sobald das Horn ertönte und mich auf den nächsten Kampf hinwies.
Age of Empires drehte sich seit jeher nicht nur um die Kämpfe, sondern auch um den Aufbau der Kulturen. Im zweiten Teil waren 13 Zivilsationen vertreten – darunter etwa die Türken, die Sarazenen oder die Teutonen. Quelle: Moby Games Age of Empires drehte sich seit jeher nicht nur um die Kämpfe, sondern auch um den Aufbau der Kulturen. Im zweiten Teil waren 13 Zivilsationen vertreten – darunter etwa die Türken, die Sarazenen oder die Teutonen.

Miserabler Heerführer

Ich muss zugegeben, dass ich die Komplexität des Kampfsystems 1999 nicht durchblickte. Ich gehörte damals zur "Generation Tank-Rush" und dachte, möglichst viele starke Einheiten würden mich schon zum Sieg führen. Falsch gedacht! Selbst wenn ich mit 30 Paladinen anrückte, konnte ich allzu oft den Verteidigungsring meiner Gegner nicht durchbrechen. Meine Angriffsbemühungen perlten an den hohen Mauern ab wie Wassertropfen an einer frisch geputzten Fensterscheibe. Erst später entdeckte ich die taktischen Möglichkeiten und erkannte, wie gut die Truppen zueinander ausbalanciert waren und dass ich vielleicht besagte Zinnen zunächst aus der Distanz mit Katapulten einreißen sollte, ehe ich meine Kavallerie ins Feld führte.
Schiffe ergänzten Landeinheiten vorzüglich. Sie dienten dem Handel, der Gewinnung von Nahrung und natürlich den Schlachten. Derartige Gefechte waren nicht so spektakulär wie Belagerungen, aber passten gut ins Szenario. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Schiffe ergänzten Landeinheiten vorzüglich. Sie dienten dem Handel, der Gewinnung von Nahrung und natürlich den Schlachten. Derartige Gefechte waren nicht so spektakulär wie Belagerungen, aber passten gut ins Szenario.
 
Diese Feinheiten blieben mir damals zunächst verborgen, und so wurde manche Mission zu einem Ringen um Weltwunder oder die letzten Rohstoffe. Erst später mit gesetzterem Alter und mehr Ruhe arbeitete ich mich schließlich in die große Kunst des Age-of-Empires-Krieges ein. Da flankierte ich gegnerische Verbände mit meiner Reiterstaffel, bereitete Invasionstruppen in Transportschiffen vor oder nutzte erhöhtes Terrain für Bogenschützen und Belagerungswaffen. Über die Jahre schnupperte ich immer wieder in Age of Empires 2 hinein - der fleißigen Community und ihrer Szenarien und Maps sei Dank. Doch so richtig Blut leckte ich jetzt erst wieder mit Age of Empires 2: Definitive Edition. Mir fehlen zugegebenermaßen die Nullmodem-Partien und das jugendliche Ungestüm, dafür aber erfreue ich mich an der cleveren Computer-KI, gewaltigem Umfang und moderner Technik.

Und ganz in diesem Sinne, verabschiede mit dem für den ersten Teil prägenden "Wololo". Ich muss noch ein paar Burgen bauen und Elefanten schubsen!

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