Ad Infinitum im Test: So muss atmosphärischer Horror
Test 31,49 €
Der Erste Weltkrieg war voller Schrecken, die der deutsche Entwickler Hekate mit ihrem atmosphärischen Psycho-Horrorspiel nun zu euch nach Hause bringt.
Atmosphärische Meisterleistung
Trotzdem schafft es Ad Infinitum, dass wir immer auf Habachtstellung sind. Denn wirklich sicher fühlen wir uns eigentlich nie. Oder doch: Wenn wir einen der vielen Briefe lesen, die in der Welt verstreut sind. Dann hält die Welt kurz den Atem an und wir können uns voll auf die Lore einlassen. Das ist perfekt gelöst, denn wenn gerade ein anderes Audio-File abspielt und wir währenddessen einen Brief zur Hand nehmen, so pausiert der Umwelt-Sound und läuft danach weiter. Nervige, doppelte Soundspuren, abgebrochene Geschichtenschnipsel - alles kein Problem. Das wäre auch umso ärgerlicher, da die Geschichte genau das ist, was und motiviert und stets bei der Stange hält. Selbst als absoluter Schisser motiviert Ad Infinitum immer weiterzumachen, denn wir wollen wissen, wie es weitergeht, wer gestorben ist, welchem Wahnsinn sich die Frau Mutter verschworen hat und wo der Albtraum aufhört und die Realität anfängt.
Eine klare Unterscheidung lässt sich übrigens letztlich nicht ziehen, stattdessen werden die Überschneidungen zwischen Familienanwesen und Schützengraben immer stärker. Und genauso wenig, wie es eine klare Realität gibt, gibt es ein klares Gut und Böse. Die Berichte der Soldaten zeichnen ein Bild von Ambivalenz. Sie wollen diesen Krieg nicht - zumindest nicht so. Unschuldige Menschen in Dörfern abzuschlachten und eine bereits verlorene Schlacht zu kämpfen, weckt in vielen nur den Wunsch nach einem möglichst schnellen, schmerzlosen Tod.
Die Kreaturen sind aus der Not heraus geboren und lassen sich ebenfalls nicht als komplett böse abtun. Ebendarum haben wir auch immer mehrere Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen. Das Spiel weist uns an gegebenen Stellen darauf hin, dass unser Handeln nun Konsequenzen haben wird. Dementsprechend gibt es auch mehrere Enden, die wir im Abspann des vierten Kapitels erleben, das eher als kurzer Epilog dient und kein Gameplay mehr enthält.
Die größte Stärke und größte Schwäche
Überhaupt ist die Geschichte wirklich gut und hält auch einen Plot-Twist bereit, bei dem uns die Kinnlade herunterklappte. Im Nachhinein betrachtet hat sich das zwar angebahnt und vielleicht standen wir nur auf der Leitung - am Ende hatten wir aber mehr als einen Wow-Effekt, für den sich das Spiel auf jeden Fall gelohnt hat.
Die größte Schwäche von Ad Infinitum ist eine fehlende Kapitelauswahl. So haben wir keine Chance, die verschiedenen Enden zu sehen, ohne noch mal das ganze Spiel durchzumachen. Das ist bei dem Gebotenen eigentlich nicht so schlimm, aber der Psycho-Thriller lebt nun mal viel davon, dass wir nicht wissen, wann was geschieht, dass wir für die Rätsel unser Gehirn anstrengen müssen und die Story Schritt für Schritt aufdecken. Für einen zweiten Durchlauf sind wir sicherlich noch zu haben, so können wir unsere Theorien über die Hintergründe der Geschichte wenigstens klarstellen, trotzdem hätte man sicherlich eine bessere Lösung finden können.
Ebenfalls ankreiden möchten wir einige Bugs, die uns untergekommen sind. Es waren nicht sehr viele und die meisten davon vor allem grafischer Natur, allerdings mussten wir den letzten Bosskampf einige Male spielen, da eine Mechanik nicht getriggert hat. Und natürlich war der Checkpoint vor der einzigen Zwischensequenz gesetzt, die man im Spiel nicht überspringen kann.
Das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau, bei rund sechs bis acht Stunden Spielzeit handelt es sich beim Erstling der deutschen Entwickler Hekate ohnehin nicht um einen Vollpreistitel, sondern kommt je nach Plattform mit 35 bis 40 Euro daher. Ad Infinitum erscheint nur für die neuen Konsolengenerationen Playstation 5 und Xbox Series, sowie auf PC via Steam und Epic - auf der Switch ist der Titel nicht verfügbar.
Wer sich für Schauergeschichten interessiert, Creepypasta liebt und vor allem mit Psycho-Thrillern etwas anfangen kann, dem sei Ad Infinitum ans Herz gelegt. Man merkt die Liebe, die in das Spiel geflossen ist, und sowohl unsere Horror-Anfänger als auch die Redaktions-Grusel-Veteranen würden Ad Infinitum gerne noch einmal zum ersten Mal spielen.
