AMDs neue 300er-Serie: Leistungsbewertung und Fazit

Special Antonio Funes
Gigabyte R9 390 Gaming G1
Quelle: Gigabyte

AMD hat mit der 300er-Reihe neue Grafikkarten veröffentlicht, die auf alten Grafikchips basieren. Wir schauen uns die AMD R7 370, R9 380, 390 und 390X ein wenig genauer an und stellen die Frage, ob die Modelle ihren Preis wert sind.

Leistungseinordnung

Um die neuen Karten im Vergleich zu den 200er-Modellen, aber auch im Vergleich zu Nvidias Modellen GTX 960, 970 und 980 einzuordnen, haben wir uns bisher veröffentlichte Vergleichstest näher angesehen. Dabei werteten wir über 400 einzelne Benchmarkwerte aus, die wir durch die Tests von Kollegen anderer Websites wie tweakpc.de, combuterbase.de, tomshardware.de, golem.de und auch von unserem Schwestermagazin PCGamesHardware erhalten haben.

Unsere Analyse fassen wir stichpunktartig zusammen.

  • Für die R7 370 liegen zu wenig Vergleichswerte mit der R9 270 vor, allerdings liegt die R9 270X etwa 12 Prozent über der R9 370. Der Preisunterschied stellt diesen Abstand auch gut dar, so dass die R7 370 keinen Preis-Hammer darstellt, aber ihren Preis definitiv wert ist.
  • Die R9 380 bietet gegenüber der GTX 960 etwa 11 Prozent sowie im Vergleich zur AMD R9 285 sieben Prozent mehr Leistung - sie liegt damit zudem auch zwischen der AMD R9 280 und AMD R9 280X, wobei sie näher an letzterer Karte liegt.
  • AMDs R9 390 holt das ehemalige Top-Modell 290X ein und überholt es sogar minimal - zumindest im Durchschnitt. In manchen Spielen liegt die eine Karte weiter vorne, in manchen die andere. Da die R9 290X zudem ein wenig schneller als die Nvidia GTX 970 ist, kann sich auch die R9 390 vor Nvidias Oberklasse-Boliden setzen, nämlich um etwa fünf Prozent.
  • Bezüglich der AMD R9 390X ergibt sich ein Vorsprung von etwa 11 bis 12 Prozent zur AMD R9 290X beziehungsweise R9 390. Nvidias GTX 980 wiederum kann sie nicht einholen, denn diese liegt 10 Prozent vor der AMD R9 390X.

Preis-Leistungs-Einordnung

AMDs neue Grafikkarten bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die R7 370 eignet sich dabei für den Einstieg, wenn nicht mehr als etwa 150 Euro zur Verfügung stehen. Doch für 40 Euro mehr erlebt man bereits einen sehr großen Sprung, der auch bei modernen Games für hohe Details ausreicht - fangen wir dabei mit der R9 380 an: ab 190 Euro bietet sie eine bessere Leistung als Nvidias GTX 960. Auch wenn AMDs Grafikkarte etwas mehr Strom benötigt, ist sie eine gute Wahl. Auch die eigene Konkurrenz wird geschlagen - denn die AMD R9 280 oder auch 285 kosten nicht weniger, sind aber schwächer als die R9 380.

Bei der R7 370 gibt es auch sehr kurze Versionen, hier eine von Gigabyte. Quelle: Gigabyte Bei der R7 370 gibt es auch sehr kurze Versionen, hier eine von Gigabyte. Bei der Variante mit vier Gigabyte kommt man allerdings ein wenig ins Grübeln, denn sie kostet ab 220 Euro - und zu diesem Preis ist bereits die schnellere AMD R9 280X zu haben, die dafür aber nur drei Gigabyte RAM bietet. Hier können wir keine klare Empfehlung geben, aber: wer hohe Auflösungen und stets die bestmöglichen Texturen nutzen will, wird im Zweifel mit der R9 390 in der Vier-Gigabyte-Variante am Ende ein wenig glücklicher werden. Nvidias GTX 960 in der Variante mit vier Gigabyte bekommt ihr übrigens ab 230 Euro.

Wir machen nun aber direkt einen Sprung um 100 Euro, denn ab etwa 330 Euro kommt die neue AMD R9 390 ins Spiel. Soviel bezahlt ihr auch für Nvidias GTX 970. Welche Karte ist nun die bessere? Auch dies lässt sich nicht klar beantworten, denn für die AMD R9 390 sprechen ganz klar die Leistung, auch wenn es kein Riesenabstand zur Nvidia GTX 970 ist, aber auch die acht Gigabyte Grafik-RAM. Nvidias Modell ist nur mit vier Gigabyte zu haben, von denen bekanntermaßen auch nur 3,5 Gigabyte performant, also mit voller Leistung nutzbar sind. Für Nvidias Boliden spricht aber ganz klar der Strombedarf, der je bei Last nach Situation von 50 bis 100 Watt geringer ausfallen kann als bei der AMD R9 390. Alternative: solange die AMD R9 290 noch im Handel zu haben ist, könnt auch zu dieser Karte greifen. Die Leistung liegt zwar ein wenig unterhalb der Nvidia GTX 970, aber ihr spart aktuell etwa 40 bis 50 Euro.

Gigabyte R9 390 Gaming G1 Quelle: Gigabyte Gigabyte R9 390 Gaming G1 Die beiden R9 390er-Modelle zeigen, dass die Tage von AMDs R9 290X gezählt zu sein scheinen. Denn vom Preis und auch von der Leistung her liegt die R9 290X auf einem Level mit der neuen R9 390, bietet aber nur vier Gigabyte Grafik-RAM, außer ihr gebt mindestens 400 Euro für eines der AMD R9 290X-Modell mit acht Gigabyte Grafik-RAM aus. Und hier kommt wiederum die neue AMD R9 390X zum Zug. Denn sie leistet gute 11 Prozent mehr als die AMD R9 290X, bietet ab Werk acht Gigabyte Grafik-RAM und ist ab 430 Euro zu haben - somit spricht derzeit nichts mehr für die R9 290X. Nvidias GTX 980 wiederum liegt zwar weitere 10 Prozent vor der AMD R9 390X, kostet dafür aber auch mindestens 490 Euro.

Fazit

Unser Endfazit sieht die R9 390 als Sieger des Vergleichs. Auch wenn ein Modell wie die AMD R9 380 ihren Preis ebenfalls wert ist: die R9 390 leistet deutlich mehr und reicht für aktuelle und auch noch kommende leistungshungrige Spiele sehr gut aus, nicht zuletzt dank großzügigen acht Gigabyte Grafik-RAM. Nur wer Strom sparen will und mit vier Gigabyte Grafik-RAM auskommt, fährt mit der etwas schwächeren, gleichteuren GTX 970 gegebenenfalls besser. Die R9 390X wiederum steht zwar im Vergleich zur GTX 980 sehr gut da, jedoch ist der Aufpreis der R9 390X zur R9 390 mit etwa 100 Euro zu hoch. Wir reden hier von 30 Prozent Aufpreis für nur etwa 11 Prozent mehr Leistung - dieses Missverhältnis war und ist auch schon bei Nvidias GTX 980 im Vergleich zur GTX 970 gegeben, das heißt: sowohl die AMD R9 390X als auch die Nvidia GTX 980 bieten nur wenig mehr für ihren Aufpreis. Somit steht am Ende die AMD R9 390 als unser klarer Testsieger zu Buche, wenn es um die Frage nach dem Verhältnis aus Preis und Leistung bei AMDs neuen Top-Grafikkarten der 300er-Serie geht.

Hinweise zum Kauf

Achtet bei der Auswahl eines geneuen Modellen genau darauf, welchen Takt das jeweilige Modell ab Werk bietet. Denn beispielsweise 10 Prozent mehr Takt können auch 10 mehr Leistung bedeuten, so dass eine um 10 Prozent übertaktete Nvidia GTX 970 natürlich am Ende doch schneller ist als eine AMD R9 390 bei Standardtakt. Allerdings muss eine Übertaktung ab Werk nicht teuer sein: ihr findet von jeder Grafikkartenserie in der Regel auch genügend günstige übertaktete Versionen im Handel. Des weiteren können sich die Preise natürlich auch wegen der Neuheiten ein wenig durcheinandergewirbelt werden - sollte beispielsweise eine AMD R9 290X demnächst günstiger als die R9 390 sein, so wird sie am Ende doch zu einem guten Kauf.

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