AMD: Radeon R9 390X, R9 390 und R9 380: spartanisches Upgrade oder großer Wurf?

Special Antonio Funes
Gigabyte R9 390 Gaming G1
Quelle: Gigabyte

AMD hat mit der 300er-Reihe neue Grafikkarten veröffentlicht, die auf alten Grafikchips basieren. Wir schauen uns die AMD R7 370, R9 380, 390 und 390X ein wenig genauer an und stellen die Frage, ob die Modelle ihren Preis wert sind.

AMDs Fury-Serie ist bereits in den Startlöchern - doch zuvor spendierte AMD dem Grafikkartenmarkt in diesen Tagen einige namentliche neue Modelle der R-Serie, nämlich die AMD R7 360 und 370 sowie die R9 380, 390 und 390X. Die Betonung liegt auf namentlich, denn technisch gesehen bieten die neuen Grafikkarten nur ein kleines Update der 200er Serie und basieren auf den gleichen Grafikchips, die wir schon von Modellen wie der AMD R9 290 kennen.

Trotzdem stellt sich natürlich die Frage: lohnt sich ein Kauf? Bieten die neuen Modelle für ihren jeweiligen Preis eine gute Leistung, oder sollte man lieber noch auf die 200er Serie oder den Konkurrenten Nvidia setzen? Um diese Fragen zu klären, haben wir über 400 Benchmarkwerte aus externen Testberichten analysiert und sehen uns zudem die technischen Details der 300er-Serie genauer an.

Gigabyte R9 390 Gaming G1 Quelle: Gigabyte Gigabyte R9 390 Gaming G1 Lediglich die R7 360 lassen wir außen vor, da sich diese anhand der technischen Daten ganz eindeutig nur für den Einstieg oder weniger anspruchsvolle Spiele beziehungsweise Detaileinstellungen eignet, was man am Preis von 110 Euro auch erkennen kann. Zudem gibt zur R7 360 ohnehin zu wenig Reviews, um eine verlässliche Aussage zu treffen - die Karte nutzt aber einen verbesserten Bonaire Pro-Grafikchip namens Tabago Pro. Den alten Bonaire Pro kennen wir bereits von der R7 260, so dass die Leistung der R7 360 etwas höher und somit mit der AMD R7 260X vergleichbar sein dürfte.

Custom-Designs im Handel

Etwas ungewohnt, aber dank der Tatsache, dass es keine wirklich komplett neuen Grafikkarten sind, auch leicht verständlich: es gibt von den neuen 300er-Grafikkarten von Anfang an diverse Modelle mit Custom-Designs im Handel. Dies bedeutet, dass die einzelnen Hersteller wie Asus, MSI, Gigabyte oder HIS ihre selber entwickelten Kühler- und Lüfter-Lösungen verwenden und nicht den meist lauteren Lüfter verwenden, den AMD beim Referenz-Modell der Grafikkarten (eine Art Bauplan für die einzelnen Grafikkarten-Serien) anbietet. Vor allem wenn die Grafikkarte ab Werk übertaktet ist, bietet die effizientere Custom-Kühlung einen Vorteil.

Technische Betrachtung

Sehen wir uns zunächst die beiden Top-Modelle an: die AMD R9 390 und 390X. Bei letzterer sorgt ein Grenada XT-Grafikchip für die Grafikpower, bei der R9 390 ist es ein Grenada Pro. Bei den Vorgängern waren es die Chips mit den Namen Hawaii XT beziehungsweise Hawaii Pro. Scheinbar haben wir es bei den beiden 390er-Modellen also mit neuen Grafikchips zu tun - doch in Wahrheit gibt es hier nur eine Namensanpassung, denn bei den Grenada-Chips handelt es sich um leicht modifizierte Hawaii-GPUs.

Sehr kompakte R9 380 von Sapphire Quelle: Sapphire Sehr kompakte R9 380 von Sapphire Die neue R9 390 läuft dabei mit 1000 Megahertz GPU-Takt und ist damit auf dem gleichen Level wie die R9 290X. Gleichzeitig ergibt sich ein Taktplus von 53 Megahertz zur R9 290, deren GPU mit 947 Megahertz taktet. Die R9 390X wiederum bietet 1050 Megahertz GPU-Takt. Der auf dem Papier größere Unterschied ist aber der Takt beim Grafik-RAM: hier arbeiten die beiden 390er-Modelle mit 3000 Megahertz DDR-Takt (also 1500 Megahertz realer Takt) - die beiden 290er-Grafikkarten bieten nur 2500 Megahertz. Zudem, was vor allem für hochauflösende Texturen oder auch Auflösungen jenseits von Full-HD (1920 mal 1080 Pixel) ein Vorteil sein kann, bieten die beiden 390er-Grafikkarten acht Gigabyte Grafik-RAM ab Werk. Bei den beiden älteren Modellen gibt es nur einige wenige Modelle der R9 290X, die ebenfalls mit acht Gigabyte ausgeliefert werden, dafür aber auch teurer sind als die Versionen mit vier Gigabyte Grafik-RAM. Diese kleinen Änderungen sorgen dafür, dass die Rechenleistung der R9 380X etwas höher als die der R9 290X ist. Ebenso verhält es sich mit der R9 390 im Vergleich zur R9 290.

Modellreihe R9 390X R9 290X R9 390 R9 290 R9 380 R9 285 R7 370 R9 270
Chip Grenada XT Hawaii XT Grenada Pro Hawaii Pro Antigua Pro Tonga Pro Trinidad Curacao Pro
Chiptakt (Boost) 1050 MHz 1000 MHz 1000 MHz 947 MHz 970 MHz 918 MHz 975 MHz 925 MHz
RAM (typisch) 8GB GDDR5 4GB GDDR5 8GB GDDR5 4GB GDDR5 4GB GDDR5 2GB GDDR5 2 GB GDDR5 2 GB GDDR5
Ram-Anbindung 512 Bit 512 Bit 512 Bit 512 Bit 256 Bit 256 Bit 128 Bit 128 Bit
Shadereinheiten 2816 2816 2560 2560 1792 1792 1024 1280
Stromstecker je 1x 6/8 Pin je 1x 6/8 Pin je 1x 6/8 Pin je 1x 6/8 Pin 2x 6 Pin 2x 6 Pin 1x PCIe 6 Pin 1x PCIe 6 Pin
Preis ab etwa 430 Euro 320 Euro 330 Euro 280 Euro 190 Euro 200 Euro 145 Euro 145 Euro

Hinweis: die Angaben zu den PCIe-Steckern beziehen sich auf Modelle mit Standardtakt/austattung

Betrachten wir die R9 380, deren Grafikchip mit dem Codenamen Antigua Pro versehen wurde. Technisch haben wir es mit einem modifizierten Tonga Pro Grafikprozessor zu tun, der auf der R9 285 verwendet wird. Auffälliger Unterschied ist hier nur der Takt der GPU, der standardmäßig mit 970 Megahertz arbeitet - bei der R9 285 sind es 918 Megahertz.

MSI R9 390 Gaming 8G Quelle: MSI MSI R9 390 Gaming 8G Bezüglich des Grafik-RAMs gibt es bei der R9 380 zwei Varianten: zwei Gigabyte mit 2750 Megahertz (wie bei der R9 285) oder vier Gigabyte mit 2800 Megahertz. Zu guter Letzt wenden wir uns noch der R7 370 zu. Deren mit Trinidad benannter Grafikchip gehört zur Pitcairn-Serie, die schon bei der Radeon 7850 zum Einsatz kam und bei der R9 270 unter dem Namen Curacao Pro weiterverwendet wurde. Die R7 370 bietet mit 970 Megahertz etwas unter sechs Prozent mehr Takt als die R9 270 sowie 2850 Megahertz RAM-Takt anstelle von 2800 Megahertz bei der R9 270. In der Summe versprechen also alle neuen 300er-Grafikkarten anhand der technischen Daten jeweils ein wenig mehr Leistung als deren jeweilige Vorgänger.

  1. Seite 1 AMDs neue 300er-Serie: Einleitung und technische Betrachtung
  2. Seite 2 AMDs neue 300er-Serie: Leistungsbewertung und Fazit
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