A Year of Rain im Test: Viel Potenzial, aber auch noch viele technische Mängel
Test 13,49 €
Ressourcen sammeln, neue Gebäude errichten und jede Menge Einheiten ausbilden: Das Grundkonzept der Echtzeitstrategie ist altbewährt und macht immer noch Spaß. Nun will das deutsche Studio Daedalic Entertainment die Formel mit ein paar frischen Zutaten bereichern. In unserem Test klären wir, was das Spiel im Early Access bereits richtig macht und wo es noch hakt und die Entwickler nachbessern müssen.
Bereits in unserer Vorschau haben wir mehrere Stunden in der Preview-Version des Echtzeitstrategiespieles verbracht. Vor kurzem ist die Early-Access-Phase gestartet, die wir mittlerweile ausgiebig gespielt haben. Diese bietet neben einem neuen 2v2-Gefecht-Modus, der Möglichkeit, ein individuelles Spiel zu erstellen, und der vollständigen ersten Koop- respektive Singleplayer-Kampagne leider auch für den aktuellen Entwicklungsstand noch viele Fehler, Bugs und frustrierende Spielelemente.
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Zwei für Rupah!
Quelle: PC Games
Fürst Rupah will seinem Land Frieden schenken. Doch was sucht er dafür?
Wie schon in unserer Preview, wollen wir euch natürlich auch hier nicht die Geschichte spoilern. Zum aktuellen Zeitpunkt im Early Access lässt sich das gesamte erste Kapitel der Kampagne zocken, welches sich um den noblen Fürst Jaidee aus dem Hause Rupah und seine treuen Begleiter dreht. Der zweite und der dritte Abschnitt der Story, welche die beiden anderen Fraktionen "Rastloses Regiment" und "Wildes Banner" in den Mittelpunkt rücken, erscheinen in Form von Content Updates. Zehn Teile umfasst die Geschichte von Rupah, jeder in etwa zwischen 15 und 45 Minuten lang. Insgesamt haben wir mit der Kampagne aufgrund einiger Abstürze und anderer Fehler etwa 15 Stunden verbracht und können lobend erwähnen, dass eine derartige Story Neuland im RTS-Genre ist. Die Geschichte ist tiefgründiger als zunächst erwartet und einige unvorhersehbare Ereignisse erwarten den Spieler.
Zunächst fängt das Geschehen jedoch recht langsam und unspektakulär an. Fürst Rupah möchte nämlich seinem durch Kriege gebeutelten Land endlich Frieden schenken. Auf seiner Mission begleiten ihn einige wichtige Charaktere, unter anderem die ihm treu ergebene Schutzdame Killian Morgenblick. Die unterschiedlichen Helden hauchen dem Geschehen Abwechslung und Leben ein. Allerdings stehen jeder spielbaren Figur lediglich bis zu vier spezielle Fähigkeiten zur Verfügung, die entweder Verbündete heilen, eigene Einheiten verstärken, Flächenschaden an Gegnern verursachen oder sonstige RPG-typische Vorteile bieten. Das Erledigen von Feinden belohnt uns mit Erfahrungspunkten, durch die wir bei einer gewissen Anzahl ein Level aufsteigen. Das erlaubt es uns, entweder eine schon bestehende Fähigkeit zu verbessern, oder eine gänzlich neue zu erlernen. Das System erinnert an League of Legend. Insgesamt ist dieser Ansatz eine nette, aber auch ausbaufähige Idee.
Spätestens gegen Ende des dritten Kapitels nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Sobald man denkt, man hat einen Überblick über die Geschichte und kennt die Charaktere, passiert etwas Unvorhersehbares. Besonders hervorheben möchten wir die liebevoll gestalteten Zwischensequenzen, welche die Geschichte sinnvoll vorantreiben und mit lockeren Dialogen den Figuren ein wenig Charaktertiefe einhauchen. Die englischsprachigen Synchronsprecher machen dabei während der gesamten Erzählung eine gute Figur. Für Fans der puren Echtzeitstrategie kann die Kampagne jedoch gewöhnungsbedürftig erscheinen, denn sie weicht in einigen Kapiteln stark von der RTS-Formel ab. Das klassische Sammeln von Ressourcen und der Aufbau vom Truppen sind in den meisten Fällen nur Teil eines Levels. Stattdessen dreht sich vieles um Erkunden, Kämpfen in kleineren Gruppen mit den einzelnen Helden und natürlich dem Storytelling in Form der angesprochenen Zwischensequenzen.
Sogar vereinzelte Bosskämpfe müssen bewältigt werden. Ungewöhnlich, aber gleichzeitig eines der am größten beworbenen Features von A Year of Rain (jetzt kaufen 13,49 € ), ist die Möglichkeit, das ganze Abenteuer als Duo zu bewältigen. Dabei bekommt jeder Spieler während einer Mission eine feste Anzahl von Helden zugewiesen. Wer das Abenteuer alleine bewältigen möchte, muss alles selbst steuern. Das ist durch die clevere Tastenbelegung aber ohne Probleme machbar. In einigen Abschnitten der Kampagne steht dem Einzelspieler auch eine KI zur Seite, die allerdings eher Deko als Hilfe ist und nicht viel zum erfolgreichen Beenden des Levels beiträgt.
Ein bisschen Klassik bitte!
Quelle: PC Games
Keine normalen Gebäude: Die Verstoßenen setzen auch hübsch anzusehende Bestien!
Wem die Abweichung von der Echtzeitstrategieformel in der Kampagne missfällt und wer sich eher zur klassischen Spielweise hingezogen fühlt, der sollte einen Blick auf den Gefecht-Modus und das Individuelle Spiel werfen. Zwar wird hier in Zweierteams gegeneinander gekämpft, doch wird das RTS-typische Ziel verfolgt, schneller als der Gegner ein besseres Heer aufzubauen und damit die feindliche Basis zu überfallen. Wer nicht gegen echte Gegner antreten möchte, kann sein Geschick auch gegen KI-Gegner auf die Probe stellen. Das Haus Rupah, die Untoten und die Verstoßenen stehen jeweils als eine der drei spielbaren Fraktionen zur Auswahl, die jeweils drei unterschiedliche Helden bieten. Auf Seiten von Haus Rupah ziehen die bereits aus der Kampagne bekannten Figuren in Form der Schutzdame Killian Morgenblick, dem Jäger Morrig Nebeltal und der Feuermagierin Shen, die Gezeichnete in den Kampf. Die Helden verfügen nicht nur über einzigartige Fähigkeiten, sondern sind auch so für das Spiel relevant.
Vor dem Rundenstart entscheidet man sich, ob man eher auf Angriff oder auf Verteidigung gehen möchte, was sich auch auf die Bewertungspunktzahl nach dem Game auswirkt. Als Gesamtpaket haben uns die Verstoßenen am besten gefallen. Statt Kasernen und Burgen errichten ihre Bauarbeiter sogenannte Bestien. Diese sind in ihrer Funktion der Truppenausbildung zwar ähnlich wie die menschlichen Bauten, jedoch handelt es sich dabei größtenteils um lebendige Kreaturen, die ein paar Bewegungsanimationen bekommen haben und daher um einiges cooler als bloßes Mauerwerk aussehen. Außerdem wissen auch die einzelnen Einheiten zu überzeugen. Da gibt es etwa einen Zyklopen, der als Fernkämpfer agiert und riesige Felsbrocken auf seine Gegner wirft. Der Start einer Runde ist klassisch für das Echtzeitstrategiegenre und erinnert an Warcraft 3. Jeder beginnt mit einer Basis, einigen Bauarbeiter-Einheiten und kleinen Vorräten der beiden Materialien Anorium und Holz.
Durch den Bau einer Kaserne können erste Soldaten ausgebildet werden. Weitere Gebäude schalten neue und immer stärker werdende Nah- und Fernkämpfer frei. Zusätzlich können die eigenen Truppen mit erlernbaren Fähigkeiten verstärkt werden, die zum Beispiel den ausgeteilten Schaden erhöhen oder unsichtbare Gegner aufdecken. Das klingt komplizierter und umfangreicher als es ist, denn für jede neue Ausbildungsstätte, jede neue Einheit und jede neue Fähigkeit werden lediglich Anorium und Holz benötigt. Als einsteigerfreundlich erweist sich auch eine Auflistung auf der linken Seite des Bildschirms, an der man sich sehr gut orientieren kann. Diese zeigt zu jeder Zeit drei bis vier Zwischenziele an, wie etwa die nächstbessere Einheit und das dafür benötigte Gebäude. Alles in allem sind diese beiden Spielmodi sowohl für Neulinge, als auch für Branchenveteranen gut geeignet. Top!
Präsentation passt
Ebenfalls überzeugen konnte uns die optische und akustische Aufmachung des RTS-Titels. A Year of Rain bietet einen stimmungsvollen Soundtrack, der richtig Bock auf die nächste Runde und auch die ein oder andere längere Ladezeit erträglicher macht. Das Hauptmenü wurde noch einmal überarbeitet und überzeugt nun mit einem ansehnlich animierten Hintergrund. Seit den ersten Tests gleich geblieben ist glücklicherweise die einfache Menüführung, die sich bis in die Kampagne und die anderen beiden Spielmodi durchzieht. Die Grafik ist zwar simpel, sieht aber auf den höchsten Einstellungen trotzdem schick aus und die unterschiedlichen Levelgebiete wirken einzigartig. Für Neulinge gibt es darüber hinaus ein Anfänger- und ein Fortgeschrittenentutorial, das den Einstieg erleichtert und die grundlegenden Spielmechaniken erklärt. Die direkte Feedback-Option zu jeder einzelnen Karte, die die Entwickler eingebaut haben, lieben wir. Aber....
Koop-Modus
Quelle: PC Games
Eine der häufigsten Fehlermeldungen. Der Freund hatte die Gruppeneinladung jedoch gar nicht erhalten.
Eine wichtige Spielidee von A Year of Rain ist das kooperative Vorgehen in der Kampagne. Wir können bestätigen, dass das gemeinsame Geplänkel auch wirklich Spaß macht, sofern es denn funktioniert. Im Vorfeld des Tests sind wir fest davon ausgegangen, dass dieser Aspekt selbst im Early Access schon recht gut zu spielen sein würde. Doch leider mussten wir sehr schnell feststellen, dass das Herzstück des Titels noch von diversen Fehlern geplagt ist, die den Spielspaß verringern. Einige Stunden unserer Testzeit gingen nämlich dafür drauf, in eine gemeinsame Gruppe zu kommen und ein Kapitel der Kampagne erfolgreich zu starten. Unterschiedliche Fehlermeldungen wie "Freund hat die Gruppeneinladung abgelehnt" oder "kein passender Server konnte gefunden werden" waren regelmäßig zu sehen.
Am stärksten wehrte sich der dritte Teil der Geschichte von Fürst Rupah gegen unseren Test. So kam es selbst für Early-Access-Verhältnisse häufig vor, dass der RTS-Titel abstürzte. Noch mehr frustrierte es, wenn einer der beiden Spieler, ohne überhaupt schon im Level online zu sein, mit einem Defeat-Screen begrüßt wurde und direkt wieder ins Hauptmenü gelangte. Der Koop-Partner steckte darüber hinaus in einem unendlichen Ladebildschirm fest, wodurch sich nur noch mit sofortigem Beenden des Games beholfen werden konnte. Wirklich schade, wenn DER Aspekt eines Spiels in der Early-Access-Phase so schlecht funktioniert. Eines muss man den Entwicklern aber zugutehalten: Sie haben die Problematik erkannt und kündigten eine "baldige" Behebung an. Die bei uns aufgetretenen Fehler konnte der erste Hotfix jedoch nicht beheben. Schade!
Die Technik versinkt noch im Regen
Quelle: PC Games
Wie sind diese beiden Einheiten des Echsenvolkes dorthin gelangt? Auf jeden Fall stecken sie da jetzt fest.
Leider kommt es nicht nur im kooperativen Modus zu Schwierigkeiten. Auch sonst läuft der RTS-Titel nicht rund. Im Vergleich zur Previewversion wurden zu wenige Fehler behoben. Immerhin, die Kamera macht mittlerweile keine Faxen mehr, das heißt, sie hängt sich nicht fest und fängt vor allem das Geschehen in der Mitte des Bildschirms ein. Anders sieht das bei der KI aus, die im Early Access sehr schlecht funktioniert. Da die einzelnen Einheiten nicht durcheinander durchlaufen können und außerdem nicht sonderlich intelligent wirken, kommt es selbst bei eigentlich weitläufigen Gebieten zu Staus und Verzögerungen. Große Gruppierungen sorgen auch das ein oder andere Mal für Ruckler und Framerate-Einbrüche. Das Umstellen der Grafikeinstellungen sowie das Verlassen des Spiels führten nicht selten zu Abstürzen. Möchte man erneut starten, kann das schon einmal mehrere Minuten in Anspruch nehmen, da A Year of Rain nach dem Launch stets für gut ein, zwei Minuten in einen tiefen Schwarzbildschirm-Schlaf verfällt.
Insgesamt steht das Echtzeitstrategiespiel aktuell aus technischer Sicht noch auf wackeligen Beinen, was bei uns oftmals zu Frustration und verringertem Spielspaß bezüglich des eigentlich guten Gameplays führte. Das Spiel sieht zwar fast so aus wie Warcraft 3, gefällt aber (noch) nicht so gut. Wir sind uns sicher, dass Fans der Echtzeitstrategie in Zukunft großen Gefallen an dem Titel finden werden - und mit einigen Abstrichen auch schon im Early Access haben könnten. Zum aktuellen Zeitpunkt allerdings bleibt A Year of Rain trotzdem leider hinter den Erwartungen und seinem Potenzial zurück.
