Wahl-Special Teil 5 - Die Linke: "Die Internet-Sperre ist wirkungslos"

Special Dominic Eskofier

Welcher Partei sollen Spielefans bei der Bundestagswahl ihre Stimme geben? Wir haben den großen Parteien Zocker-Fragen gestellt. Jetzt ist die Linke dran - hier die Antworten!

Eines ist klar: Wählen ist wichtig! Deswegen präsentieren wir euch pünktlich zur Bundestagswahl 2009 unser Wahl-Special Cynamite wählt! Wir haben den renommierten deutschen Parteien einen Fragenkatalog zukommen lassen, der sich mit den Themen beschäftigt, die uns interessieren: Videospiele, Internet, Zensur - Was haben die großen Parteien zu diesem Themenfeld zu sagen?

Wir haben den zehn Fragen umfassenden Katalog an die Vertreter der Parteien gesendet: CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke und die im Internet geradezu unübersehbare Piratenpartei haben die Fragen erhalten. Außerdem haben wir den Parteien darüber hinaus noch einzelne, spezielle Fragen zukommen lassen, die über die zehn Fragen hinausgehen.

Hier geht's zu Teil 1 des Wahlspecials mit den Fragen an die CDU.

Hier findet ihr die Antworten der SPD
Die FDP steht hier Rede und Antwort
Den Standpunkt der Grünen lest ihr hier

Wahl-Special Teil 5 - Die Linke: "Die Internet-Sperre ist wirkungslos" Quelle: http://www.die-linke.de Jetzt geht unser Wahl-Special weiter mit den Antworten der Linken:

1. Ist Ihre Partei der Meinung, dass man Videospiele selbst gespielt haben muss, um sie einschätzen zu können?

Die Linke: Nicht unbedingt. Aber man sollte doch wissen, worüber man redet. Deshalb führt in Deutschland die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) Anwendertests durch. Andernfalls könnte sie ihrem Prüfauftrag für Computerspiele gar nicht nachkommen und wären Alterskennzeichnungen ins subjektive Belieben gestellt.

2. Ist der deutsche Jugendschutz ausreichend?

Die Linke: Ja. Nicht vermeintlich unzureichende Bestimmungen des Jugendmedienschutzes sind ursächlich für Gewalt und Amok an Schulen, sondern ein komplexes Bedingungsgefüge bestehend aus sozialen, psychologischen und familiären Komponenten. Zu nennen sind soziale Isolation, Leistungsdruck, Schulversagen, psychosoziale Kränkung sowie die Mechanismen von kompensierender Gewalt und der Zugang zu realen Waffen. Diese Punkte bleiben in den aufgeregten Debatten um sogenannte „Killerspiele“ leider allzu oft unerwähnt.

3. Was sagt Ihre Partei zum Thema Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Videospielen?

Die Linke: Wir lehnen einen prohibitiven Umgang mit gewalthaltigen Computerspielen ab. Wir wenden uns ausdrücklich gegen die Diffamierung großer Teile der Entwicklerbranche und Hunderttausender von Nutzerinnen und Nutzer sogenannter Killerspiele. Dass vielen von uns solche Spiele eher fremd sind, wollen wir dabei nicht verhehlen. Zu einem humanistischen und solidarischen Menschenbild tragen sie wohl wenig bei. Dennoch gilt: Die Freiheit von Kunst und Kultur ist ein hohes Gut. Verbotsforderungen und alle Bestrebungen zur Verschärfung bestehender Gesetzesbestimmungen sind nicht Ziel führend. Die Verbreitung solcher Spiele erfolgt in den allermeisten Fällen nicht über die Ladentheke, sondern über Peer-to-Peer-Tauschbörsen, Ankauf in Nachbarländern oder wie im Fall von America’s Army, einem von der US-Army produzierten und kostenlos verbreiteten „Killerspiel“, durch Download im Netz. Von den Verfechterinnen und Verfechtern eines Verbots wird daher in Konsequenz auch die Ausweitung der Überwachung des Internets mittels verdachtunabhängiger Kontrollen durch die „Cyber-Police“ (Beckstein) und das Eindringen von Polizei- und Nachrichtendiensten in Online-PCs gefordert.
Computerspiele müssen auch in ihrer gewalthaltigen Form als massenmediale Produkte der Alltags- und Populärkultur begriffen werden. Sie erfordern eine kulturelle Kontrolle durch die Gesellschaft. Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit virtuellen Welten umzugehen und Risiken abzuschätzen.

4. Was hält Ihre Partei von der Petition gegen ein Verbot von Action-Computerspielen?

Die Linke: Wir lehnen – wie schon beschrieben – ein solches Verbot ebenfalls ab und begrüßt es grundsätzlich, wenn sich Bürgerinnen und Bürger für Ihre Rechte engagieren und dazu auch die Möglichkeit einer Petition nutzen.

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