Welcher Partei sollen Spielefans bei der Bundestagswahl ihre Stimme geben? Wir haben den großen Parteien Zocker-Fragen gestellt. Jetzt ist die Linke dran - hier die Antworten!
5. Wo beginnen für Sie so genannte "Killerspiele"?
Die Linke: Eine solche Einschätzung kann man nur treffen, wenn man selbst einige Spiele kennt. Grundsätzlich ist der Begriff „Killerspiele“ aber schon zu kritisieren, da er eindeutig eine Verbots-Zielsetzung beinhaltet.
6. Einige unserer Leser sind volljährig und fühlen sich bevormundet, wenn Spiele extra für den deutschen Markt verändert werden müssen – manchmal soweit, dass die ursprüngliche Handlung verloren geht. Wie steht Ihre Partei zu diesem Problem?
Die Linke: Viele internationale Publisher sind bemüht, ihre Spiele auf dem deutschen Markt einem breiten Konsumentenkreis anzubieten und versuchen daher auch aus Marketing-Gründen, eine Altersfreigabe unterhalb der Indizierungsschwelle in Form von speziell "entschärften" deutschen Versionen zu erhalten. Gehen dabei Handlungsstränge verloren, wie von Ihnen beklagt, so ist das aus unserer Sicht Folge einer Unternehmenspolitik, die bei der Entwicklung von Spielen den Aspekt des späteren internationalen Vertriebs unzureichend berücksichtigt.
7. Wie will Ihre Partei in Zukunft die Medienkompetenz von Erziehungspersonen fördern?
Die Linke: Medienkompetenz bildet eine Schlüsselkategorie. Die Fähigkeit, Realität und Fiktion zu unterscheiden, ist Voraussetzung für eine moderne Mediensozialisation. Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Erziehungsberechtigte sind gefordert, sich in elektronischen Medien selbstbestimmt zu orientieren und den Umgang mit Gefahren und schädlichen Inhalten zu erlernen. Die natürlichen Orte dazu sind Kindergärten, Horte und Schulen. Die Vermittlung von Medienkompetenz gehört deshalb in die Ausbildungsinhalte von Erzieherinnen, Lehrerinnen und Sozialpädagogen. DIE LINKE tritt dafür ein, die Förderung und Schulung von Medienkompetenz in den Bundesländern institutionell verpflichtend zu verankern. Dazu müssen in einem erheblichen Maße zusätzliche öffentliche Gelder bereitgestellt werden.
8. Wie steht Ihre Partei zum Zugangserschwerungsgesetz, mit dem potenziell gefährliche Webseiten gesperrt werden können?
Die Linke: Wir haben im Bundestag das Gesetz abgelehnt. Die Sperre ist wirkungslos, denn jeder Benutzer kann sie mit wenigen Mausklicks umgehen. Die Seiten und deren Inhalte bleiben weiterhin aufrufbar. Netzsperren verhindern den Missbrauch nicht. Kindesmissbrauch findet nicht im Internet, sondern
„offline“, in der Nachbarschaft, statt. Ein Stoppschild aufstellen heißt, die Augen vor dem alltäglichen Kindesmissbrauch zu verschließen. Erfahrungen aus Ländern mit Sperrlisten, konkret Finnland, Norwegen und Dänemark, zeigen, dass dort überwiegend Seiten auf die Sperrlisten gerieten, die nichts mit Kinderpornographie zu tun hatten. Darüber hinaus entscheiden über die Netzsperren – und damit über die Zensur von Inhalten – nicht Richter, sondern Beamte des BKA. Das ist ein erheblicher Verstoß gegen alle rechtsstaatlichen Prinzipien.
Das Internet ist – entgegen aller anderen Behauptungen - kein rechtsfreier Raum. Kinderpornografie und deren Verbreitung ist schon jetzt verboten. Konsequente Verfolgung mit dem Strafrecht muss bei den Anbietern ansetzen. Kinderpornografie muss als verbotener Inhalt schnell gelöscht werden, statt die Internetseiten nur wirkungslos zu sperren.
9. Wie steht Ihre Partei zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung? Sehen Sie darin Risiken für die Privatsphäre der Bürger?
Die Linke: Regierung und Sicherheitsbehörden haben technische Alternativen zur Sicherstellung von Daten bei Vorliegen eines konkreten Verdachts und Bedenken hinsichtlich des praktischen Nutzens und der rechtlichen Zulässigkeit nicht zur Kenntnis genommen. Sie haben mit dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung einen schweren, nicht hinnehmbaren Eingriff in die Kommunikationsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger vorgenommen. Die wachsende Bedeutung der Telekommunikation in allen Bereiche von Staat und Gesellschaft führt dazu, dass wir ständig Daten und Datenspuren hinterlassen. Setzt sich das Prinzip durch, diese Daten ohne jeglichen Verdacht auf Vorrat zu speichern, um sie irgendwann zu einem für den Einzelnen nicht mehr nachvollziehbaren Zweck zu verwenden, droht der Überwachungsstaat.
DIE LINKE unterstützt politisch und durch Teilnahme einiger Abgeordneter die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht. DIE LINKE lehnt auch eine rechtsstaatlich gezähmte Vorratsdatenspeicherung ab und drängt auf ein Moratorium aller geplanten Sicherheitsgesetzverschärfungen und die Überprüfung aller bereits beschlossenen Sicherheitsgesetze auf unverhältnismäßige, nicht zulässige Eingriffe in Grundrechte.
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