Xbox Series X: Die Zukunft des Gamings selbst angespielt
Special
Während viele Interessenten in der Vorbestellphase der Xbox Series X leer ausgingen, hatten wir in der Redaktion mehr Glück: Microsoft hat uns nämlich bereits einen Monat vor dem offiziellen Launch ein Testmodell ihrer Next-Gen-Konsolen zugeschickt, um es auf Herz und Nieren zu prüfen! Was uns während der ersten Tage und Wochen mit der neuen Xbox alles aufgefallen ist, verraten wir in unserer Hands-on-Vorschau.
Sollten Sony und Microsoft den Release ihrer Next-Gen-Konsolen nicht vielleicht doch besser aufs Jahr 2021 verschieben? Diese Frage stellten wir uns noch vor nicht einmal einem Monat. Angesichts einer globalen Pandemie, fehlender Exklusivblockbuster zum Launch oder der insgesamt doch eher schwachen Inszenierung der neuen Hardware war die Vorfreude vielerorts ziemlich gedämpft. Dieses Kribbeln im Bauch wollte einfach noch nicht aufkommen. Dann startete die Vorbestellphase für Playstation 5 und Xbox Series X und die ursprüngliche Skepsis war schnell verflogen: Beide Geräte waren in Windeseile ausverkauft. So schnell, dass bei der Spielerschaft massenweise lange Gesichter aufkamen. So schnell, dass zahlreiche Händler zurückrudern und Bestellungen stornieren mussten. So schnell, dass sich im Netz sofort Nutznießer breitmachten, die aus der Konsolenknappheit Kapital schlugen und die Hardware zu vollkommen überhöhten Preisen verschacherten. Man kann also festhalten: Next-Gen-Gaming bleibt ein heißes Eisen - ungeachtet der Umstände.Umso glücklicher sind wir in unserer Redaktion, schon vorab einen Blick auf eine der kommenden Konsolen werfen zu können. Microsoft hat uns zu Vorschauzwecken nämlich bereits jetzt ein Preview-Modell der Xbox Series X (jetzt kaufen ) zukommen lassen. Das spiegelt zwar noch nicht das finale Spielerlebnis wider und auch der Umfang dessen, worüber wir zu diesem Zeitpunkt sprechen dürfen, ist noch vergleichsweise begrenzt. Wir wollten es uns aber dennoch nicht nehmen lassen, euch im Rahmen der Möglichkeiten einen Blick auf die Konsole zu gewähren und zu klären, was die Glücklichen unter euch, die sich tatsächlich eine Xbox sichern konnten, zum Launch am 10. November erwartet.
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Quadratisch, praktisch, gut?
Wir geben uns mal unglaublich oberflächlich und fangen mit dem Exterieur, dem Design der Xbox an. Schließlich springt das direkt ins Auge, wenn man sie aus ihrer Verpackung gezerrt hat. Dabei fällt auf: Die neue Microsoft-Konsole ist auf jeden Fall minimalistischer als die Konkurrenz aus dem Hause Sony. Während die Japaner auf eine eher ausgefallene Form setzen, die zur Enthüllung Vergleiche mit Standlüftern oder Wifi-Routern hervorrief, und bei der Farbwahl ein Mix aus Schwarz, Weiß und blauen LED-Elementen vorherrscht, bekommt man hier einen schlichten schwarzen "Backstein". Ob das gefällt oder nicht, ist am Ende wohl Geschmackssache. Entsprechend wird das Design wohl auch weiterhin die Gemüter erhitzen und die Massen spalten. Fest steht aber: Man kriegt hier wenigstens ordentlich was für sein Geld. Die Series X ist mit ihren viereinhalb Kilo echt massiv, fühlt sich dadurch aber eben auch entsprechend qualitativ hochwertig an.Etwas schwierig wird es nur bei der Frage, wie man sie möglichst ansehnlich präsentiert. Im Vergleich zu Xbox 360 und Xbox One ist die Series X zwar kleiner und kürzer, dafür aber auch deutlich breiter - ein Kraftwürfel eben. Den hochkant so in den Wohnzimmerschrank zu quetschen, dass die konkave Abdeckung mit ihren vielen kleinen Lüftungslöchern und dem hindurchblitzenden giftgrünen Ventilator zu Geltung kommen, ist knifflig. Sie quer ins Regal zu legen ist aber auch keine Lösung, dann ragt nämlich der Gummistandfuß zur Seite heraus. Kurzum: Die Series X ist keine dekorative Augenweide, zieht aber durch ihre massige Präsenz die Blicke auf sich. So als würdet ihr euch einen Panzer in die Garage stellen.Trotz ihrer Größe, fällt der Lautstärke-Pegel der Konsole aber sehr angenehm aus. Zu keiner Zeit habt ihr das Gefühl, einen startenden Düsenjet neben dem Fernseher stehen zu haben. Die Series X ist im normalen Betriebszustand beinahe lautlos, etwas geräuschvoller wird es lediglich, wenn ihr versucht, Spiele von der Disk zu starten beziehungsweise zu installieren. Dann bekommt der Lüfter schon mal etwas mehr zu tun, durch die Rotation von DVD, Blu-ray und Co. kommt noch ein dumpfes Summen dazu. Das ist aber nichts, was einem den Spielspaß verderben würde. Auch dem zwischenzeitlich kolportierten Hitzeproblem können wir nun aus eigener Erfahrung widersprechen: Die Series X wird, anders als berichtet, nicht heiß wie ein Kaminschacht, mit dem man seine Wohnung aufwärmen könnte. Eine gewisse Wärmentwicklung ist zwar definitiv zu erkennen, allerdings nicht in einem Maße, das uns Sorgen oder Unbehagen bereitet hätte.
Controller mit bekannten Qualitäten
Apropos Aussehen: Auch der neue Controller der Xbox machte in unserer bisherigen Preview-Phase einen rundum gelungenen Eindruck - und das, obwohl Microsoft hier gar nicht so viel geändert hat. Das Xbox-One-Pad war eben schon richtig gut, sodass hier mehr an den Feinheiten geschraubt statt eine Revolution losgetreten wurde. Zu diesen offensichtlichen Detailverbesserungen gehört das abgespeckte Design. Dadurch ist der Series-X-Controller nochmal ein wenig schlanker als sein Vorgänger und passt auch in etwas kleinere Pfoten. Mit seinem Gewicht von knapp 540 Gramm, im Vergleich zu den grob 460 des Vorgängers, liegt er zudem besser in der Hand, vor allem, da die Griffe nochmal etwas schwerer sind. Mit Headset -Buchse und Co. bietet das Pad ansonsten den altbekannten Komfort, auch am Batteriebetrieb hat sich nichts geändert.Ebenfalls nett: die strukturierte Grifffläche. Zusätzlich zum Rand der Analogsticks sind jetzt auch die Rückseite des Pads sowie die Bumper mit kleinen Punkten übersät, die für zusätzlichen Grip, weniger schwitzige Hände und insgesamt einfach ein besseres Gefühl sorgen. Abgerundet wird das Gesamtpaket durch ein Hybrid-Steuerkreuz, das das Steuern in diagonale Richtungen vereinfacht, und Trigger, die nochmal etwas mehr Widerstand leisten als die des One-Controllers, was beispielsweise das dosierte Gasgeben in Rennspielen verbessert. Zudem wurde zwischen View- und Menü-Button auch noch der Share-Knopf hinzugefügt, mit dem ihr in Sekundenschnelle Screenshots oder Videoclips erstellen und diese wahlweise über Xbox Live oder auch Social Media teilen könnt. Das passt alles sehr gut zusammen, kommt vom Komfort aber noch nicht ganz an den Elite Version 2 Controller ran. Dafür kostet das Series-X-Pad auch nur ein knappes Drittel (60 im Vergleich zu 170 Euro) und wer auf die Vorzüge seines Last-Gen-Zubehörs nicht verzichten will, der muss das auch gar nicht. Das wird auf der neuen Xbox nämlich problemlos unterstützt.
Ein sehr teures Terabyte
Kommen wir zu den inneren Werten: Die Series X kommt mit einem Terabyte internen Speicher daher. Oder besser gesagt mit 0,8 TB, denn gut und gerne 20 Prozent des Speicherplatzes gehen bereits für Systemanwendungen und andere Dinge drauf. Das ist zwar immer noch eine stattliche Menge digitalen Stauraums, wem die Kapazität dennoch nicht reicht, für den gibt es zwei alternative Möglichkeiten: Erstens, ihr besorgt euch eine Speichererweiterung von Seagate. Die beschert euch nochmal ein zusätzliches Terabyte - zu einem saftigen Preis von 240 Euro. Dafür erlaubt euch die Speicherkarte, die sich ganz einfach an der Rückseite der Konsole einstecken lässt, das Sichern und Spielern jeglicher Xbox-Titel sowie schnelles und einfaches Platzmanagement: Die knapp 66 GB von Assassin's Creed: Odyssey lassen sich in etwa 1:56 Minuten hin- und 1:48 Minuten zurückkopieren.
Option Zwei ist das Nutzen von externen HDD- oder SSD -Laufwerken, die mindestens über USB 3.0 verfügen. Auf denen lassen sich Spiele "zwischenlagern". Ihr könnt Anwendungen also von der internen Festplatte auf andere Speichermedien verschieben, um so vorübergehend Platz zu schaffen. Das erspart euch das Löschen und erneute Herunterladen. Spielen dürft ihr dagegen nur Titel, die nicht für die Xbox Series X optimiert wurden. Wobei ihr die dann auch nur ohne die diversen Vorteile wie verbesserte Performance und Ladezeiten genießen müsst. Der Kopiervorgang von Assassin's Creed Odyssey auf eine externe HDD dauerte mit 15:48 Minuten zudem deutlich länger.
Dahin gehen, wo die Action ist
Was überall funktioniert, ist das neue Quick-Resume-Feature. Das erlaubt es euch, auf die Schnelle ein Spiel dort wiederaufzunehmen, wo ihr es verlassen habt, anstatt es noch einmal komplett von vorne starten zu müssen. Das erspart euch unnötige Wartezeit. Ihr könnt sogar mehrere Titel gleichzeitig laufen lassen und zwischen ihnen hin und herspringen - wenn ihr das denn wollt. Die maximale Anzahl der simultan laufenden Programme hängt dabei von deren RAM-Verbrauch ab. Nehmen eure Spielsitzungen irgendwann zu viel Arbeitsspeicher in Beschlag, fängt die Konsole an, diese kontinuierlich zu schließen, beginnend bei der ältesten. Während unserer Testläufe konnten wir problemlos fünf Triple-A-Titel wie Halo 5 oder Assassin's Creed: Odyssey nebenher geöffnet lassen. Laut anderer Hands-on-Previews liegt das Maximum sogar bei bis zu zwölf Programmen.
Und wie flott ist Quick Resume? Ziemlich flott! Das Wechseln zwischen Spielen dauert meist nur um die 15 Sekunden, zudem erspart ihr euch natürlich die Qual, nochmal das komplette Intro inklusive Publisher, Entwicklerstudio, Lizenznehmern und Auftaktsequenz anzuschauen. Besonders spannend: Die Series X speichert eure Sitzungen sogar nachdem sie heruntergefahren oder vom Strom getrennt wurde! Wir haben die Konsole einmal ausgesteckt, an anderer Stelle aufgebaut und durften trotzdem mit Quick Resume wieder in unseren Spielstand hüpfen. Tolle Nummer! Bei Multiplayer-Titeln wie etwa Sea of Thieves sieht die ganze Sache natürlich ein wenig anders aus. Alleine aus Fairness-Gründen wird hier auf Quick Resume verzichtet. Hier und da funktionierte das Feature auch noch nicht ganz einwandfrei, sodass wir uns nach dem Spielwechsel einem eingefrorenen Bildschirm gegenübersahen und das Programm neu starten mussten.
Keine Zeit für Pinkelpausen
Wenn wir schon beim Thema sind: Was machen denn die anderen Ladezeiten? Dank neuer SSD und Velocity Architecture versprechen die Macher von Microsoft mehr Speed an allen Ecken und Enden. Das fängt schon bei der Konsole selbst an. Der Boot-Up geht echt flott vonstatten. Nach nicht einmal 20 Sekunden ist die Xbox Series X auf Betriebstemperatur und kann vollumfänglich genutzt werden. Das ist im Vergleich zur letzten Xbox eine Verbesserung um fast das Dreifache. Die Xbox One X brauchte zum Hochfahren noch gut eine Minute.Natürlich beschränkt sich diese Beschleunigung aber nicht nur auf das System, auch bei Spielen merkt man ein deutliches Geschwindigkeitsupgrade. Wir haben diverse größere Brocken, vor allem aus dem Rollenspiel -Bereich, zum Test antreten lassen und waren durch die Bank weg beeindruckt. Die Series X spart euch nämlich, so viel kann man wohl schon bedenkenlos vorwegnehmen, jede Menge Lebenszeit. Ubisofts Open-World-Epos Assassin's Creed Odyssey lädt in nur 30 Sekunden (im Vergleich zu 90 auf der Xbox One S), Fallout 4 in 8 Sekunden (im Vergleich zu 37), The Division in 20 Sekunden (im Vergleich zu 53). Beachtliche Zahlen!Bei anderen Titeln, beispielsweise Xbox-360-Klassikern wie Mirror's Edge, fallen Ladebildschirme teils sogar komplett weg. Das verändert auch das Spielerlebnis nochmal deutlich. Ihr sitzt nicht alle paar Minuten am Telefon, rennt in die Küche oder aufs Klo, um eine Pause zu überbrücken. Stattdessen geht es nach einem Bildschirmtod oder einer Schnellreise ungebremst weiter. Durchhänger kommen so gar nicht mehr vor - zumindest, wenn ihr auf dem internen Speicher beziehungsweise der Seagate-Erweiterung spielt. Wenn ihr Xbox-One-Spiele von einer externen Festplatte startet, laufen die natürlich nicht mehr so schnell. Assassin's Creed: Odyssey brauchte etwa 50 Sekunden, um einen Spielstand von der HDD zu laden.
Alte Spiele, neue Spiele, schöne Spiele
Abgesehen von den Ladezeiten boostet die Series X aber natürlich auch die restliche Performance von Last-Gen-Spielen: Dank der schnelleren CPU, GPU und SSD erreichen selbst ältere Spiele bis zu 120 Frames und sogar 4K-Auflösung! Davon könnt ihr euch in zahllosen Titeln selbst überzeugen, Abwärtskompatibilität wird bei Microsoft nämlich großgeschrieben. Dadurch stehen euch zum Launch der Xbox Series X insgesamt über 1.000 Titel der originalen Xbox, der Xbox 360 sowie der Xbox One zur Verfügung. Euch erwartet also eine riesige Bibliothek aus über 19 Jahren Videospielgeschichte - vom 2001 erschienenen Fusion Frenzy bis hin zur Mafia: Definitive Edition aus dem vergangenen September. Die Funktionsweise hat sich im Vergleich zur Xbox One nicht verändert: Abwärtskompatible Titel, die ihr digital besitzt, werden automatisch in eurer Bibliothek angezeigt und können problemlos heruntergeladen werden. Bei Retail-Versionen müsst ihr die Disk einlegen, um den Besitz der Lizenz zu verifizieren, danach wird das entsprechende Spiel installiert.In Sachen Next-Gen-Content für die neue Konsole sieht es nach der Verschiebung von Halo: Infinite hingegen dünn aus. First-Party-Titel gibt es, Gears Tactics und Gears 5 reißen aber nicht unbedingt aus den Sitzen. Zwar kommt bei den beiden Action-Spektakeln ebenfalls die verbesserte Hardware zum Tragen, die Quick Resume, schnellere Ladezeiten und hübschere Grafik ermöglicht. Die Titel sind aber eben auch schon sechs respektive 14 Monate alt. Immerhin wird das Launch-Lineup noch von Drittherstellern erweitert. Zum Start am 10. November wird etwa Ubisofts Assassin's Creed: Valhalla verfügbar. Dazu kommen noch der Arcade-Racer Dirt 5 sowie das Rollenspiel Yakuza: Like A Dragon, die wir uns bereits auf der neuen Konsole anschauen konnten und in separaten Vorschauartikeln vorgestellt haben.
Spielegenuss - auch unterwegs
Was gibt es sonst noch zu erzählen? Da wäre beispielsweise das verfeinerte, wenn auch noch nicht finale Nutzerinterface der Xbox Series X. Am bisherigen Gesamtlayout hat Microsoft zwar weitestgehend festhalten, es bleibt also bei der übersichtlichen Kachelanordnung. Im Detail wurden aber ein paar Verbesserungen vorgenommen. Das neue Dashboard ist dadurch schneller zu bedienen, leichter zugänglich, und optisch ansprechender - dank lesbarer Schriftarten und einem überarbeiteten Illustrationsstil. Zudem lädt der Startbildschirm nun auch deutlich schneller. Die Macher selbst sprechen von 50 Prozent Zeitersparnis, haarklein haben wir das aber nicht getestet.Das überarbeitete Design wurde auch für die neue Xbox App übernommen. Die befindet sich aktuell noch in der Beta-Phase für Android-Geräte, bietet aber schon jetzt ein paar interessante Funktionen. Durch die umfangreiche soziale Komponente könnt ihr euch mit Freunden vernetzen, Screenshots sowie Clips teilen oder sogar Partys eröffnen und dann via Headset miteinander kommunizieren. Auch externes Management der Konsole ist möglich: Per Smartphone lassen sich Spiele herunterladen, deinstallieren und starten. Via Remote Play streamt ihr Spiele von der Series X sogar direkt auf euren Handybildschirm. Das funktioniert aktuell allerdings nur mit Xbox One und Series X-Titeln. Eine ordentliche Internetleitung ist ebenfalls Pflicht. Microsoft selbst empfiehlt eine 5-GHz-WLAN-Verbindung mit 10 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit. Selbst damit hatten wir in unserer Redaktion allerdings ein paar Schwierigkeiten. Einen merklich störenden Input-Lag konnten wir zwar nicht feststellen, dafür jedoch häufiger mal Tonaussetzer, Ruckler, Bildartefakte oder Drops in der Bildqualität. Potenzial sehen wir in der Funktion aber auf jeden Fall.
